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Laut, lauter, bis der TÜV euch scheidet. Wenn der Sachverständige selbst mit zwei zugedrückten Augen die Plakette fürs Motorrad verweigert, muss nicht gleich ein neuer Auspuff her. Frische Wolle macht den »Endtopf« zum »Schalldämpfer«.

Lautstärke ist relativ. Anfangs ist ein klangstarker Auspuff noch »ganz geil«, irgendwann wird es »schon amtlich«, aber spätestens, wenn es anfängt, dich selbst zu nerven, herrscht Handlungsbedarf.

Laute Auspuffrohre retten auch gerne Leben

Dabei bin ich von den Streetfighter-Treffen in Sachen Lautstärke schon einiges gewohnt. Und wie wir alle wissen, retten laute Rohre auch gerne Leben – zumindest ist das immer wieder auf diversen T-Shirts und Patches zu lesen.

Am geöffneten Schalldämpfer sieht man, dass beinahe die Hälfte der Dämmwolle verbrannt ist. Entsprechend laut war das Teil

Auf der letzten zweiwöchigen Tour ging es aber selbst mir irgendwann auf den Geist. Und jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit die versammelte Nachbarschaft aus den Betten zu werfen, ist auf Dauer auch nicht ideal für die Stimmung beim Dorffest.

Der Auspuff am Motorrad ist schnell gestopft

Dabei ist es nur mit wenig Aufwand verbunden, den alten Schalldämpfer wieder in einen Zustand zu versetzen, der seinem Namen auch gerecht wird. Das benötigte Material gibt es entweder im Internet oder im Motorradfachhandel.

Zwischen Siebrohr und Außenhülle ist noch genug Luft, um eine zweite Packung voll Dämmwolle nachzustopfen. Insgesamt verschwinden 1000 Gramm des weißen Materials im Schalldämpfer

Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Wer in der Lage ist eine Bohrmaschine zu halten, hat den demontierten Endtopf in einer halben Stunde neu gestopft. Lediglich die Menge der Dämmwolle und wie fest man sie stopft ist eine Frage der Erfahrung. Denn sitzt sie allzu locker, hält der Erfolg nicht lange an.

Den Auspuff nicht zu fest stopfen

Übertreibt man es und stopft zu fest, wird der Dämpfer hingegen eher lauter, weil das Siebrohr seine Funktion verliert. Die Schallwellen verlassen dann auf kürzestem Weg die Siebstrecke, statt sich teilweise in der Dämmung totzulaufen.

Mit gasdichten Edelstahlnieten wird der Dämpfer verschlossen. Sie verhindern, dass Schmutz oder Kondenswasser austreten

Zur Not macht man die Tüte eben ein zweites Mal auf und bessert nochmal nach. Also nur Mut und ran ans Werk. Ob aus eigenem Antrieb oder für die Nachuntersuchung beim TÜV, so mancher alte Schalldämpfer lässt sich auf diese Weise noch retten und die eingetragene Lautstärke wird wieder eingehalten. In der Bildergalerie gibt’s eine Step-by-Step-Anleitung …

 

 

Thomas Kryschan
Redakteur bei CUSTOMBIKE

Thomas Kryschan, fährt ab seinem vierten Lebensjahr zunächst Zweitakter jeden Hubraums, bevor er für anderthalb Jahrzehnte in die vierzylindrige Streetfighterszene abtaucht. Beseelt vom Umbauvirus, identifiziert er Spender und Baujahr jedes Anbauteils. Erst beim Huber Verlag tauscht er seine Schraubenschlüssel zeitweilig gegen Schreibgerät.