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In jungen Jahren war das Mofa Mirkos Freiheit. Heute ist sein Schrauber-Refugium der Ort, an dem er sich die Neugier von damals bewahrt hat. Also dann, show me your Garage, Mirko!

Das Heimatdorf im Spessart, untrennbar verbunden mit den Erinnerungen an eine Kindheit, geprägt von der Faszination, alles Technische verstehen zu wollen. Schon als kleiner Junge war das Mirkos Faible, die tollsten Dinge fand er damals auf dem Sperrmüll und mit dem ersten Mofa erkundete er den Horizont, »seitdem verkörpern Zweiräder für mich Freiheit und Unabhängigkeit.

Bei Sprintrennen ging es ans Eingemachte

Später wurden BMX-Räder zur Leidenschaft, auch Automatik-Scooter wurden aufgeblasen, bei Sprintrennen ging es ans Eingemachte. Auch beruflich sollte die Mechanik das Maß der Dinge sein, als Handwerksmeister ist Mirko heute zwar im Vertrieb tätig, aber das praktische Handwerk, das zelebriert er in der eigenen Garage.

Die Backsteinwände in Mirkos Garage stammen noch aus der alten Ruine, aus der irgendwann Garagen gebaut wurden

Nur ein einfaches Tor, aber dahinter offenbart sich der Platz einer Doppelgarage. Aus einer Ruine wurden hier in Köln einst die Garagen gebaut, die Backsteinwände zeugen von der Ursprungslocation. Eine lange Werkbank steht nun hier, eine kleine Hebebühne, viele Regale mit den Teilen, ein paar Maschinen, unzähliges Werkzeug, ein Jetski.

Show me your Garage – Mirko ist Zweitaktexperte

Ähm, Moment, was soll der denn? »Ich mag viele Richtungen, Hauptsache mechanisch, also auch mal sowas. Und die Zweitakter dazu, auf dem Gebiet bin ich mittlerweile ein echter Experte«, sagt Mirko. Jedes Jahr startet er drei Motorradprojekte, »und bringe sie auch immer zu Ende«, schmunzelt er im Hinblick auf so manchen, der beginnt, aber nicht weiterkommt.

»Für mich ist es der absolute Luxus zu wissen, dass jeder Quadratmillimeter meiner Mopeds mit meinen eigenen Händen bearbeitet wurde«

Es geht ihm dabei nicht darum, wirtschaftlich und effektiv zu arbeiten, sondern darum, so viel wie möglich selbst zu lösen. »Ich sehe genau das als eine Art Kunst. Die Zeit, die du aufbringst, wird dir nicht bezahlt, aber genau das ist es, was dem Ganzen eine Seele gibt. Wer würde mir denn mein Zeug mit so viel Liebe und Sorgfalt schrauben wie ich selbst? Kann man Liebe und Sorgfalt überhaupt kaufen«, es wird fast ein bisschen philosophisch, wenn man mit Mirko über Mopeds spricht.

»Viele Bikes, die cool aussehen, entlarven sich als Prototypen«

Wert legt er neben der Seele seiner Motorräder vor allem auf die Funktion derselben, da kommt der Mechaniker in ihm durch. »Viele Bikes, die cool aussehen, entlarven sich nach kurzer Betrachtung als Prototypen«, grinst er, »nicht mein Ding.«

Gerne Zweitakter, aber auch mal eine Harley: Drei Projekte pro Jahr startet Mirko und legt sich dabei nicht auf eine bestimmte Basis oder einen bestimmten Stil fest

So werden abgesägte Gabelfedern, fehlende Funktionen an Vorderbremse, Armaturen oder Kotflügeln zum Mittel der optischen Verbesserung, »aber ehrlich, wer schon mal ohne Kotflügel im Regen gefahren ist …« Bei Serienbikes stellt Mirko oft das umgekehrte Prinzip fest, funktioniert spitze, aber die Optik wurde vergessen. »Beides zusammen bekommst du dann halt nur, wenn du es selber machst.«

Gruß an alle Freaks, die gern bis in die Puppen schrauben

Ein paar Männer haben Mirko bisher auf seinem Weg begleitet, speisen seine Neugier mit Information, befriedigen seine Lust auf klassisches Handwerk, steigern seine Bewunderung für gute Mechaniker. PE-Cycles, Christian Bauer, Reinhard Scholtis, Gert und  Nick der Grieche – Insidern dürften die Namen ein Begriff sein, ihnen dankt Mirko besonders. »Und ich will alle Freaks, die gern bis in die Puppen schrauben, grüßen«, sagt einer, der selbst zu dieser wunderbaren Spezies gehört.

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.