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Lanakila MacNaughton, Motorradfahrerin und Fotografin, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den fahrenden Frauen eine Heimat zu geben. Sie war und ist rund um den Globus unterwegs, stellt ihre Bilder im Rahmen der »Woman’s Moto Exhibit« weltweit aus und zeigt damit weibliche Aspekte in einer traditionell männlichen Welt.

Die Motorradkultur ist eine überwiegend männliche. Wie kam die Idee, eine andere Sicht auf diese Kultur zu bieten?
Im Grunde bin ich Feministin. Ich glaube, dass ich genauso stark bin wie jeder Mann – wenn nicht sogar stärker. Als ich anfing, Motorrad zu fahren, hatte ich das Gefühl, dass das was ich in Filmen, Zeitschriften und im Netz sah, das nicht wiedergeben würde. Also beschloss ich, Fahrerinnen zu treffen und mir ihre Geschichten erzählen zu lassen. Sie waren meine Helden. Ursprünglich wollte ich nur ein paar Fotos von ihnen machen, hatte dann aber eine kleine Ausstellung damit in meiner Heimatstadt Portland. Die Resonanz war großartig. Bis dahin war ich noch nie mit einer größeren Gruppe von Frauen gefahren. Als ich dann mein erstes Mal erlebte – in einer Gruppe mit sechzig Mädels –, war das ein unglaubliches Gefühl von Stärke und Gemeinschaft. Da wusste ich, da kann mehr draus werden. 

Motormensch Lanakila MacNaughton – Unfassbare Energie

Ich entwickelte eine unfassbare Energie, all die Frauen mit ihren unterschiedlichen Hintergründen zu finden, ihre Storys zu erzählen, Freundschaften zu knüpfen. »Women’s Motorcycle Exhibit« gab dem Ganzen einen Namen und war letztlich nur ein Motto, unter dem ich meine wachsenden Aktivitäten in dieser Richtung zusammenfasste.

Lanakila MacNaughton, Motorradfahrerin und Fotografin

Bist du mit Motorrädern aufgewachsen oder kam das erst später in dein Leben?
Nein, ich bin nicht von Anfang an gefahren, ich hatte aber Spaß am Mountainbiken und Crossen, eine gute Vorbereitung aufs Motorradfahren. Letzteres fing ich dann tatsächlich in einer ziemlich beschissenen Lebensphase an. Ich hatte Probleme mit Alkohol. Als ich endlich trocken war, war da eine Leere. Ich wusste nicht, wer ich war und was ich mochte. Ein paar Freunde fuhren Motorrad, ich folgte ihnen im Sommer im Auto und spürte Neid auf sie. Das mündete im Kauf einer 250er-Honda. Ich verliebte mich auf Anhieb – Motorradfahren wurde meine neue Droge.

»Ich hatte Angst, ich würde die Kiste abwürgen, einfach stehenbleiben …«

Wie war es, als du das erste Mal gefahren bist? Wie hat sich das angefühlt?
Es war beängstigend und sehr aufregend für mich. Ich hatte Angst, wusste nicht, wie man wann richtig schaltet und wie ich mich im Stadtverkehr bewegen sollte. Ich hatte Angst, ich würde die Kiste abwürgen, einfach stehenbleiben und alle würden mich anstarren und über mich lachen. Aber tatsächlich passierte das nicht, es blieb am Ende einfach nur aufregend und hat jede Menge Spaß gemacht, mit dem Verkehr zu fließen. Und nach ein paar Fahrten fühlte sich für mich dann alles nur noch einfach natürlich an.

Motormensch Lanakila MacNaughton und die »Wild Ones«

Du bist mal mit vier Frauen, ihr nanntet euch »The Wild Ones«, durch die Alpen gefahren und ihr habt euch mit einheimischen Fahrerinnen getroffen, seid zusammen unterwegs gewesen. Was war der Hintergrund?
Ja, die Idee ist eben die, dass wir verschiedene Kulturen und Frauen auf der ganzen Welt kennenlernen wollen, immer mit Motorrädern als gemeinsamem Nenner. Wir haben uns also mit Menschen aus verschiedenen Ländern getroffen, sind ihre Lieblingsstrecken gefahren, haben ihre Lieblingsorte und Lieblingsrestaurants besucht. Letztlich einfach ein Höchstmaß an lokalen Erlebnissen auf Reisen fern von zu Hause.

»Es ist erschreckend, wie von Technologie bestimmt werden«

Tatsächlich hast du auf dieser Reise ausschließlich analog fotografiert, keine modernen Technologien zur heute üblichen Übertragung auf alle Kanäle genutzt. Warum?
Wir werden von Technologie bestimmt, in einem Maß, das manchmal erschreckend ist. Es tut gut, davon abzuschalten und bei sich und der Straße zu sein. Wir waren in vielen ländlichen Dörfern unterwegs, wo es nicht einmal Empfang gab. Um uns untereinander zu verbinden, haben wir einfach auf unsere Webseite geschrieben »Hey, wir treffen uns da oder dort, um die oder die Zeit.« Mehr nicht, und wir wussten nicht, ob das funktionieren würde, aber tatsächlich waren an jedem Punkt der Tour ein paar Leute da. Wir hatten Deutsche dabei, Italiener, aber auch plötzlich Leute aus Estland. Es wurden fünf verschiedene Sprachen gesprochen, es war wirklich sehr, sehr cool.

»Ich werde nicht aufhören, die Motorradkultur weiter kennenzulernen«

Gibt es irgendein zukünftiges Ziel, das du hast und das spannend für dich wäre?
Ich glaube nicht, dass es jemals wirklich das eine, große Ziel gibt. Aber ich denke, ich werde nicht aufhören, die Motorradkultur weiter kennenzulernen. Und ich will weiter Frauen porträtieren, die sich in überwiegend von Männern dominierten Revieren behaupten. Seien es Frauen beim Film oder Frauen, die professionell Monstertrucks fahren. Ich finde das einfach interessant.

Info | instagram.com/womensmotoexhibit

 

Redaktion
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