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Custombikes haben einen besonderen Reiz, wenn sie aus eher selten genommenen Basisbikes gebaut werden. Aber erinnert sich überhaupt noch jemand an Hondas V4-Revolution?

Ich habe es wieder getan«, was wie eine Drohung klingt, ist im Fall von Richard Zapke ein Versprechen. Denn noch bevor wir seine E-Mail öffnen, wissen wir eigentlich, dass nur Gutes darinstecken kann. Richard kennen wir bestimmt seit zehn Jahren, zwei, drei Mal hatten wir die Bikes des ambitionierten Privatschraubers schon im Magazin vorgestellt.

An der 4-in-2-Auspuffanlage stecken Laser-Endtöpfe

Der Mann kann es einfach, seine Kisten haben immer Style, sind technisch einwandfrei und TÜV-gesegnet. Tatsächlich gibt es bei seinem aktuellen Streich aber gleich zwei überraschende Faktoren.

Zum einen wagte sich der Mann aus Lindlar zum ersten Mal ans Cafe-Racer-Thema. Zum zweiten ist die Basis eine, bei der wir zweimal hinschauen mussten, um sie zu identifizieren. Honda-Vierzylinder, in ungewöhnlicher Anordnung, wassergekühlt – wie war das noch mal, damals vor fast vierzig Jahren?

1982 sorgte Honda mit ihren neuen Motor für große Augen

Ordentliche Performance, sonorer Klang, jede Menge Vielfalt, 1982 gab es viel Aufsehen, als Honda seinen neuen Motor in gleich drei Modellen präsentierte. Die vier Zylinder waren in V-Form angeordnet, ungewohnt und anders, der Motor war wassergekühlt.

Für Cruiserfans gab es ein Softchopper-Modell mit kleiner Sissybar, für die sportlichen Jungs das Modell Interceptor und zwischendrin die Sabre als Sporttourer mit großer, bequemer Sitzbank.

Die Gabelbrücken wurden neu konstruiert und gefräst, so konnte das originale Zündschloss erhalten werden, Die Serienarmaturen hat Richard um Zubehörhebel ergänzt

Tatsächlich begründete die Modellreihe die erfolgreiche V4-Tradition des Herstellers, wenn auch die Tage der VF-750-Modelle nach ein paar Jahren schon wieder gezählt waren. 1986 wurde die Reihe eingestellt. Auch aus dem Bewusstsein von Umbauverrückten mit Youngtimer-Affinität ist sie verschwunden – zu Unrecht, womit wir wieder bei Richards Cafe Racer wären.

Für 350 Euro wechselte das »Standmotorrad« den Besitzer

Die VF 750 Sabre landete als Scheunenfund bei unserem Schrauber, zu einem lächerlichen Preis. »Sie war seit 1999 abgemeldet, keiner wusste, ob sie läuft oder nicht. Aber bei 350 Euro, die dafür aufgerufen wurden, musste ich nicht lange überlegen«, erzählt Richard, dessen Plan ursprünglich ganz einfach war: Kaufen, zum Laufen bringen, TÜV drauf, wieder verkaufen, eigentlich eine klare Sache. Und so ging er das Thema Honda V4 auch an.

V4-Motoren sind für Honda nicht ungewöhnlich und mit der VF-Reihe setzte der japanische Hersteller seine erfolgreiche Tradition fort

Elektrik prüfen und wo nötig erneuern, alle Flüssigkeiten tauschen, Vergaser reinigen, frisches Benzin und starten. Nach ein paar Versuchen springt der Vierzylinder tatsächlich an, offenbart aber direkt, warum er einst in einer dunklen Ecke verschwunden war und sich seither keiner dafür begeistern konnte. Kapitaler Motorschaden, alle Pleuellager kaputt, Richard schob das Projekt erst mal zur Seite.

Geboren war die Idee vom Cafe Racer

Irgendwann kam ein Freund zu Besuch, sah das alte Ding und stellte die unvermeidliche Frage: »Was ist eigentlich mit der Honda?« Richard antwortete wahrheitsgemäß und steckte dem Kumpel, dass er die Kiste eigentlich verkaufen wollte. Der war überrascht, »wie, in dem Zustand? Bei dir bleibt doch eigentlich nichts original.« »Eigentlich hatte er recht«, erinnert sich Richard – und beschloss noch am selben Tag, einen Cafe Racer zu bauen.

Der neue Plan war schnell geschmiedet. An Stelle des kaputten Motors wird ein Austauschmotor rücken. Das Rahmenheck sollte gekürzt und eine neue Strebe eingeschweißt werden, statt mondäner Sitzbank würde einem Rennhöcker Platz bieten, passend dazu musste auch der Tank etwas geschmälert werden.

Handarbeit war angesagt: Rahmenheck gekürzt, Strebe eingeschweißt. Zudem entstand die Sitzbank auch in der eigenen Werkstatt

Die Gabel und die vordere Bremsanlage würde eine Honda CBR 900 RR spendieren. Als Finish fehlt dann nur noch der typische Stummellenker, eine neue Fußrastenanlage und die Lackierung. Tatsächlich gestaltete sich nicht alles so einfach, wie es sich liest. Vor allem die Gabel ließ sich nicht so einfach tauschen. Weil Richard nämlich das alte Zündschloss behalten wollte, musste er passende Gabelbrücken selbst konstruieren und fräsen.

Richards Erfahrung mit der Fräsmaschine hielten den Aufwand gering

Für die Rastenanlage war eine neue Grundplatte fällig. Wie auch das Luftfiltergehäuse entstand sie auf der Fräsmaschine. »Trotzdem, mit Erfahrung und den passenden Möglichkeiten ist der Aufwand relativ gering«, Bescheidenheit ist eine Tugend.

Bei der Höchstgeschwindigkeit kratzt der Cafe Racer an den 185 km/h

Nachdem alles neu geplant und gebaut war, ging es an die Vollendung. Rahmen und Schwinge wurden pulverbeschichtet, für die Farbgebung gab es außer der Festsetzung der Grundfarbe Grün freie Hand für Lackierer Alex.

Der zauberte ein racingtypisches Farbkleid, das die flache, neue Linie perfekt in Szene setzt. Zwei Wochen blieb die Honda nach Fertigstellung zur Vollabnahme mit allen Eintragungen beim TÜV. Mission gelungen – und das mit dem Verkaufen lässt Richard auch erst mal.