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Wenn uns ein echter Choppertreiber die Story seiner Honda CB 750 Four erzählt, dann ist einfach mal zuhören angesagt.

Ich wurde 1961 geboren und, bei dem Baujahr verständlich, früh mit dem Motorradvirus infiziert. Easy Rider erledigte dann den Rest. So war der Weg klar, ab Mitte der 70er besorgte ich mir öfter das Street Chopper Magazine und verinnerlichte die reine Chopperschule. Nach etlichen Jahren mit Japanern und Italienern kam 1983 eine Wide Glide in die Garage. Noch schön mit Shovelhead-Antrieb und den üblichen Umbaumaßnahmen versehen rollte ich so drei Jahre durchs Land.

Seit dem Digger-Aufbau wird Fred von seinem Galvaniseur geduzt. Alle Chromteile waren in schlechtem Zustand und mussten komplett bearbeitet werden

Dann eine längere Pause und 2006 der Wunsch, einen richtigen Chopper zu fahren. Als ich die Street-Chopper-Hefte wieder gefunden hatte, war klar – so ein Gerät musste her. Am besten mit dem schönen Motor der alten CB 750 Four. Nun war der Markt für Originale auch vor ein paar Jahren schon extrem übersichtlich, und so kaufte ich mir eine AME SB 702. Mit gereckter Gabel und zwei Meter Radstand nebst Antrieb der 750er Four war ich zunächst zufrieden.

Gesucht: Honda CB 750 mit Starrrahmen und TÜV

Einige Jahre später kaufte ich noch eine weitere AME mit Four-Motor, diesmal im HT-900-Starrrahmen mit Federnabe und Trapezgabel. Ein Jahr später dann meine erste richtige Four im englischen Challenger-Rahmen mit Springergabel. Allerdings hatte die Maschine nur eine österreichische Zulassung und die TÜV-Prüfung hierzulande ist nicht mal eben an einem Nachmittag zu erledigen. Deshalb ging die Suche weiter, das Ziel: Ein Starrrahmen mit TÜV. Ihr seht, ich kann ganz schön hartnäckig sein.

Sargtank und Starrrahmen kommen von Diks-Paint aus Holland

Als dann in eurem Heft eine Starrrahmen-CB-750-Four angeboten wurde, die meinen Vorstellungen sehr nah kam, ging es kurz darauf mit Anhänger nach Mannheim. Im Vorfeld hatte der Verkäufer eine Kopie des Kfz-Briefes geschickt und mein TÜV-Prüfer hatte grünes Licht gegeben. Die blaue Honda nennt sich Roth-Honda und wurde unter Verwendung eines holländischen Diks-Paint-Starrrahmens sowie diversen AME- und Magura-Teilen 1997 von der Firma Roth in Ulm aufgebaut. Basis war eine CB 750 Four, Baujahr 1977, von der aber nicht viel übrig geblieben ist.

Honda CB 750 – Chopper-Dekoration in der Bikerkneipe

Selbst der Motor ist von einem älteren Four-Modell. Nur die Gabel ist von der F 2, erkennbar an der Doppelscheibe und der Nabe der Comstar-Blechräder, die mit Hilfe von AME-Nabenringen auf Speichen umgebaut worden waren. Der Besitzer hatte die Four in den 90ern nur eine Saison lang gefahren und ist dann auf Harley umgestiegen. Seitdem stand die Honda erst als Deko in einer Bikerkneipe und dann vergessen in einer Garage. Dort angekommen, zeigte sich schnell, dass es mit einmal richtig putzen nicht getan sein würde.

So ein Four ist schon immer ein Exot im Chopperbau

Vergaser und Bremsen waren festgegammelt, der Tank innen stark verrostet. Der Motor sei vor vielen Jahren wohl noch gelaufen, versicherte mir der Verkäufer. Aber immerhin sah die Lackierung in Metalflake-Blau noch ganz gut aus und schien mir erhaltungswürdig, schon allein, um den Seventies-Geist des Bikes zu bewahren. Nachdem wir uns über den Preis einig waren, ging es via Hänger in meine Garage. Mit neuem Akku und Vergasern hustete der Motor seine ersten Lebenszeichen in die Frühlingsluft. Leider rauchte es heftig blau aus dem Auspuff. Die Kompression war noch niedriger als der Öldruck.

Der Tank drehte eine Woche lang auf dem Mörtelmischer seine Runden

Beim Zerlegen des Motors stellte ich fest, dass in der Ölfilterglocke eine Druckfeder fehlte, die den Filter überhaupt erst in die Position bringt, damit er reinigen kann. Der Antrieb war also nicht mehr zu retten. Da die Chromteile sowieso allesamt in schlechtem Zustand waren, zerlegte ich die Four nun völlig. Mein Galvaniseur duzt mich seit dieser Zeit. Der Tank, gefüllt mit zwei Kilo Spaxschrauben, drehte eine Woche lang auf dem Mörtelmischer seine Runden und wurde wieder metallisch blank und anschließend neu versiegelt. Die Räder habe ich zerlegt und nach dem Verchromen mit neuen Speichen und Lagern wieder aufgebaut.

Für King and Queen: GTS-Stufensitzbank

Die Sitzbank fertigten die Brüder von GTS nach meinem Muster neu an. Die Fußrastenanlage war eigentlich für eine Harley gedacht und passte nicht besonders gut, was zu einer schnappmesserähnlichen Sitzposition führte. So baute ich die gesamte Anlage nach meinen Wünschen neu, um bequemer zu sitzen. Glücklicherweise hatte ich für ein anderes Projekt einen komplett neu aufgebauten, schwarzen Motor, den ich so einbauen konnte. Nur den gravierten Ventildeckel habe ich vom Originalmotor übernommen.

Honda CB 750 – Entspannter TÜV-Besuch

Nachdem nach und nach alle überarbeiteten Teile ihren Platz am Rahmen wieder gefunden hatten, kam die größte Herausforderung auf mich zu, etwas, was ich so noch nie gemacht hatte – ein neuer Kabelbaum. Aber was soll ich sagen, mit farbigem Schaltplan, Kabeln in den richtigen Farben sowie einer guten Crimpzange und viel Geduld hat es am Ende richtig Spaß gemacht, die Honda zum Leuchten zu bringen. Der Besuch beim TÜV war äußerst entspannt, der Prüfer hat die Blaue glatt durchgewinkt und einen zweiseitigen Kfz-Schein ausgefüllt. Eine Woche später ging es zum Glemseck 101, um beim dortigen Starrrahmen-Rennen an den Start zu gehen.

Den gravierten Ventildeckel hat Fred vom Originalmotor übernommen

Die Hauptsache war aber eure CUSTOMBIKE-SHOW, wo die Blaue nach 18 Jahren im Abseits wieder im Rampenlicht stehen durfte. Das Fahren mit der Honda macht richtig Spaß. Allerdings stellt sich mir oft die Frage, ob es sich trotz Hinterradreifendruck von nur einem Bar bei der Four um ein Schlaglochsuchgerät oder ein Motorrad handelt. PS: Weiß vielleicht jemand, wo ich ein paar originale Bandscheiben aus den 70ern bekomme? Ich könnte sie gut gebrauchen.

 

Fred Kießewetter