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Eine Harley-Davidson Sportster darf ruhig so aussehen, wie ihr Name unverhohlen andeutet: sportlich. Das findet jedenfalls Rudi von der Custom Garage Hamburg.

Hoch oben im Norden, in einem kleinen Dorf nördlich von Hamburg, entstehen seit vielen Jahren echte High-Class-Custombikes. Bereits Mitte der Neunzigerjahre nahm Rudi von der Custom Garage Hamburg den Trend schmaler Reifen vorweg. Er war am Bau eines atemberaubenden Sixties-Trikes beteiligt. Und immer wieder verlassen Harleys mit einer elementar-sportlichen Linie seine unscheinbare Werkstatt. Ganz ohne Tammtamm, großen Rummel und TV-Duelle.

Der NSU-Tank passt perfekt zur Linie

Dass die Custom Garage dennoch kein Geheimtipp mehr ist, belegen die Erfolge von Rudis Kreationen bei einschlägigen Veranstaltungen. Auf der Custombike-Show zum Beispiel sahnten gleich zwei Bikes aus Rudis Schrauberhöhle die begehrten Preise ab. Womit wir auch schon bei der hier vorgestellten Harley-Davidson Sportster sind, die zu den Pokalträgern zählt.

Der Motor war völlig gefressen und musste komplett aufgebaut werden

Rudi hatte die 71er XLH bei einem Händlerkollegen gekauft, zerlegt in diversen Kisten. Angeblich mit überholtem 1000-ccm-Motor. Schnell stellte sich heraus, dass der V-Twin zwar irgendwann einmal überholt worden war, aber wegen Ölmangel komplett gefressen hatte. Ein erneuter Aufbau des gusseisernen Viernockentrieblings war unausweichlich. Und weil sowieso alles gemacht werden musste, konnten auch gleich ein paar Tuningteile verbaut werden. Rudi besorgte sich High-Compression-Kolben, scharfe Nockenwellen und einen »S&S Super B«-Vergaser. Er erleichterte die Kurbelwelle um 1,4 Kilo und dengelte eine klangstarke 2-in-2-Auspuffanlage.

Schmale Reifen: schon seit Jahrzehnten setzt Rudi auf diesen Trend

Auch diese Harley sollte die typische sportliche »Race-inspired«-Linie des Hauses tragen. Zumal Rudi das Bike nicht für einen Kunden, sondern als sein eigenes Spielzeug aufbaute. Also reckte er den Lenkkopfwinkel um vier Grad. Und er schweißte ein starres Rahmenheckteil in den serienmäßigen Sportster-Rahmen. Grimeca-Gabel, Borrani-Hochschulterfelgen und die hintere Wilwood-Scheibenbremse sind typisches Sportzubehör der Siebzigerjahre. Dazu passen die neben dem Lenkkopf platzierten Erstatzzündkerzen. Ein optischer Gag, der an Langstreckenrennmaschinen vergangener Tage erinnern soll.

Harley-Davidson Sportster – Kein Tammtamm, einfach nur schön

Der NSU-Benzintank, ein umgearbeiteter Superglide-Fender oder der Auto-Zusatzscheinwerfer von Cibie sorgen für eine individuelle Note. Überall am Bike finden sich zudem Erleichterungsbohrungen. Kettenrad, Rockerboxen oder Gehäusedeckel glänzen in perforiertem Rennlook.

Aluschädel an der Ironhead? Von wegen, eine Cerakote-Beschichtung ziert die Zylinderköpfe

Competition-Optik vermitteln auch die vielen verdrahteten Schrauben, die den starken Vibrationen des archaischen Langhubers trotzen. Und wer das Bike einmal von der rechten Seite betrachtet, der merkt schnell, dass bei der Gestaltung nichts dem Zufall überlassen wurde. Die Winkel von Öltank, Fenderstrebe und Stößelrohren des hinteren Zylinders – so muss es sein! Schlichte Formen, wohl proportioniert. Kein Rummel, kein Tammtamm. Einfach nur schön.

Info: www.custom-garage-hh-blogsport.de

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.