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Normalerweise machen Harleys Fünfganggetriebe selten die Grätsche. Aber wenn, dann kann es, je nach Schaden, teuer werden. Dann bleiben zwei Möglichkeiten: tauschen oder das Getriebe zur Revision geben und wieder instand setzen lassen.

Eine Getrieberevision ist keine Arbeit für einen Laien, da sie spezifische Kenntnisse und vor allem spezielles Werkzeug voraussetzt. Wir haben deshalb den Spezialisten von Sincity-Cycles in Sinsheim – kurz bevor sie ihre Tore schlossen – über die Schultern geblickt und festgestellt: Es ist kein Hexenwerk, aber wehe du weißt nicht, was du da machst.

Fünf Stunden für die Getriebe Revision der Evo-Harley

Vor uns liegt ein Fünfgang-Evo-Getriebe einer Harley-Davidson, das nun überholt werden soll. Rund fünf Stunden Arbeitszeit sind dafür vorgesehen, Aus- und Einbau exklusive. Dazu kommen die entsprechenden Ersatzteile. Um an das Getriebe zu gelangen, werden Auspuff und Primärtrieb abmontiert.

Wartungshandbücher sind genauso wichtig wie das entsprechende Werkzeug. Hier finden sich alle relevanten technischen Informationen

Doch vor die Therapie hat der Schrauber-Gott, wie immer, die Diagnose gestellt. Spekulieren und darauf zu hoffen, dass man aufgrund seiner Erfahrung mit der Problemerkennung richtig liegt, bringt nichts, wie Geschäftsführer Ralf Zander sagt: »Natürlich gibt es Schäden am Getriebe, die wir regelmäßig feststellen. Dazu gehören unter anderem eingelaufene Hauptwellen, beschädigte Lager oder gebrochene Zahnräder.

Regelmäßige Ölwechsel nicht vergessen!

Die Ursachen sind vielfältig und reichen von fehlerhaftem Material über mangelnde Wartung bis hin zu rücksichtslosem Umgang. Wer zum Beispiel auch beim Getriebe regelmäßig nach dem Öl schaut und einigermaßen pfleglich damit umgeht, bekommt kaum Probleme.« In unserem Fall ließ sich das Getriebe nicht mehr sauber schalten und zickte rum. Zeit also, den Patienten zu öffnen und sich die Innereien anzusehen.

Das ungeöffnete Getriebe wirkt unscheinbar und auch nicht allzu groß. Doch genau an diesem Bauteil wird die Kraft des Motors an das Hinterrad übertragen

Dazu kommt erst einmal der Deckel vom Getriebegehäuse ab und die Schaltwalze wird ausgebaut, anschließend folgen die Schaltgabeln. Jetzt lässt sich das Getriebe herausziehen und näher begutachten. Bei der Untersuchung wird Ralf auch schnell fündig – am Getriebeausgang, auch Main-Drive-Gear genannt, ist ein Zahn gebrochen. Es ist nur ein winziger Splitter, doch kann dieser weitere Schäden verursachen.

Wenn abgebrochene Metallteile zwischen die Zahnräder geraten …

»Das Problem ist, dass solche Metallteile sich durch das Getriebe arbeiten und zwischen die anderen Zahnräder geraten. Über die weiteren Folgen brauche ich nichts zu sagen«, so Ralf über den kleinen Übeltäter. Warum der Zahn abgebrochen ist, darüber kann man wieder einmal nur spekulieren. Von Materialermüdung bis hin zum herzhaften Tritt auf den Schalthebel ist alles möglich. 

In unserem Fall musste das Getriebe ausgebaut, geöffnet und zerlegt werden, um den Fehler zu finden. Oben im Bild die Schaltwalze, die gleich entfernt wird

Da das Getriebe sowieso geöffnet ist, nimmt Ralf auch Haupt- und Nebenwelle heraus. »Die Hauptwelle sollte auf jeden Fall geprüft und vermessen werden. Nicht dass sie krumm oder eingelaufen ist.« Anschließend presst er das Main-drive-gear aus. Für die Getrieberevision gibt es übrigens sogenannte Transmission-Rebuild-Kits, die alle notwendigen Teile enthalten.

Gebrauchtes Getriebe oder Revision? 

Nachdem die Hauptwelle vermessen und für gut befunden wurde, erfolgt der Zusammenbau – in umgekehrter Reihenfolge. Eigentlich ganz einfach – wenn man eben weiß, was man macht. Wird das Getriebe vom Fachmann überholt, mag das zwar seinen Preis haben, aber dafür gibt es eben auch ein Jahr Garantie ohne Kilometerbegrenzung oben drauf. 

Kleine Ursache, große Wirkung. Ein abgebrochener Zahn sorgte dafür, dass sich das Getriebe nicht mehr sauber schalten ließ

Alternativ kann man auch versuchen, sich ein gebrauchtes Getriebe zu besorgen. Ein Blick auf eBay zeigt, dass solche Teile, je nach Version, ab 600,– Euro aufwärts zu haben sind. Allerdings baut ihr dann euer altes Getriebe selbst aus und das gebrauchte wieder ein, immer das passende Spezialwerkzeug und entsprechende Kenntnisse vorausgesetzt. Und ihr müsst hoffen, dass euch keiner irgendeinen Schrott angedreht hat.

 

Christian Heim