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Es beginnt als Vater-Sohn-Projekt in Keller und Garage, entwickelt eine ungeahnte Eigendynamik und endet am Heiligtum der Cafe-Racer-Kultur. Das Motorradleben von Karsten und Viktor Bothe wurde durch eine Honda CX 500 einmal komplett durcheinandergewirbelt.

Einen Cafe Racer wollten sie bauen, aus einer Honda CX 500, weil die einfach eine schöne Basis ist. Mehr war eigentlich nicht geplant, als Karsten Bothe und sein 20-jähriger Sohn Viktor im Herbst 2018 starteten. Im Internet und in Magazinen hatten sie sich Inspiration genug geholt, die Ausgangsbasis war schnell klar, Upside-down-Gabel und Speichenräder gesetzt. »Und weil wir nicht jeden Fehler selbst machen wollten, meldeten wir uns im Cafe-Racer-Forum im Internet an«, erklärt Karsten.

Honda CX 500 – Ready for the Güllepumpencontest

Tatsächlich sollte das Forum am Ende mehr Wirkung entfalten als die bloße Hilfestellung bei aufkommenden Fragen. Hier angemeldet war nämlich auch Jens, seines Zeichens Mitarbeiter der Firma Jung-Pumpen. Und die wiederum hatte anlässlich des eigenen Firmenjubiläums zum großen Güllepumpencontest aufgerufen. Auf Nachfrage zierte sich Karsten zunächst, ließ aber irgendwann doch verlauten: »Wenn sie fertig wird und wir rechtzeitg TÜV bekommen, dann machen wir mit.« Und schon ging’s los.

Der Urzustand der CX war fragwürdig, die angestrebte Cafe-Racer-Linie aber schon nach einigen Arbeitsschritten klar erkennbar

Das Zerlegen der Honda samt Strahlen war schnell erledigt, danach wurde der Motor komplett überholt. Mit neuer Lichtmaschine, Dichtungen, umgeschweißter Nockenwelle, Ignitech-Zündung, neuen Bowdenzügen und Kupplungsbelägen ging es an den Zusammenbau. Ein kleines optisches Schmankerl gab es in Form eines Flachmanns als Kühlwasserausgleichsbehälters, die Krümmerrohre wurden typisch umwickelt.

Honda CX 500 – TÜV-Segen ohne Beanstandung

Dazu dies und das montieren, Elektrik verlegen, kleinere Probleme ausmerzen, bis auf die Sattlerwarbeiten sowie die Lackierung machen Karsten und Viktor alles selbst, »schon das hat uns näher gebracht, wir hatten eine tolle Zeit.« Aber es sollte noch besser kommen. Irgendwann standen die zwei mit ihrem Bike nämlich endlich vorm Prüfer, und der gab seinen Segen ohne Mängel. Jetzt hieß es Wort halten, der Güllepumpencontest nahte.

Von einer Fachjury wurden die umgebauten Honda CXs gewertet. Karsten und Viktor hatten sich nicht wirklich Chancen auf einen Sieg ausgerechnet …

Nach ersten Probefahrten und dadurch bedingten Nachbesserungen wurde es ernst. Die Reise führte Familie Bothe aus dem Alb-Donau-Kreis ins 560 Kilometer entfernte Beelen im Münsterland. »Wir wollten nicht Letzter werden«, erinnert sich Karsten an den Tag, als die Honda gemeinsam mit anderen von einer Fachjury unter die Lupe genommen wurde. Tatsächlich war der Umbau von Vater und Sohn ständig umlagert, viele Fragen von Zuschauern wurden gestellt und als die Motoren angelassen wurden, überzeugte der Racer mit dumpfem, sonorem Sound.

Verbunden war der Sieg übrigens mit einer Reise nach London

Dass aber am Ende des Tages ausgerechnet ihr Bike zum Sieger des Contests gekürt wurde, überraschte die Jungs dann doch, »denn da waren wirklich auch andere richtig gute Kisten dabei.« Verbunden war der Sieg übrigens mit einer Reise nach London – und dass Vater und Sohn die gemeinsam antreten würden, verstand sich fast von selbst.

… doch am Ende durften Vater und Sohn jubeln, ihr Cafe Racer hatte es geschafft. Erster Platz und eine Reise zum legendären Ace Cafe in London

»Ace Cafe, ein Name wie ein Donnerhall«, meint Karsten Bothe rückblickend an dieses erste Septemberwochenende. Untypisch für London das schöne Wetter, typisch das traditionelle »Ace Cafe Reunion«-Wochenende zu diesem Zeitpunkt. Vier Tage hatten Karsten und Viktor in Brighton und London zur Verfügung, und sie wurden mitgerissen in den Sog der Cafe-Racer-Kultur.

Der Spirit des Ace Cafes ist ungebrochen

Vor allem in Brighton glänzen die Racer um die Wette, da ist es für die Männer aus Baden-Württemberg dann auch nur noch eine kleine Randnotiz, was für eine glanzlose Hütte das in die Jahre gekommene Ace Cafe eigentlich ist, »völlig egal, denn der Spirit dort, der ist ungebrochen«, freut sich Karsten. Überhaupt, die Freude war es, die dieses Jahr bei der Familie im Rückblick so besonders machte.

Krönender Abschluss war schließlich die Teilnahme an unserer Bikeshow in Bad Salzuflen – wo wir die Jungs kennenlernten und beschlossen, ihre Story zu erzählen

Nicht nur, dass Vater und Sohn in England mit einem Dauergrinsen herumliefen, auch das gemeinsame Schrauben hatte alle näher zusammengebracht. Denn am Ende griff auch noch der zweite Sohn, Christian, mit ins Geschehen ein. Sein Bobber, ebenfalls auf Honda-CX-Basis, durfte den Cafe Racer zur Custombike-Show begleiten, wo beide Kisten einträchtig in der Bikeshow standen. Hier lernten wir die coole Familie kennen und dachten schon damals, das könnte einen Bericht wert sein. Denn aus dem heimischen Keller Hand in Hand auf die große Motorradbühne, das ist ernsthaft eine verdammt coole Story.

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.