BMW Bobber – Be Bopper Lula

Okay, das Wortspiel checken vermutlich nur Rockabillies. Aber letztlich sagen die Bilder des BMW Bobber ja sowieso mehr als Worte.

Andreas ist 1965 geboren – die Beatles erhielten in jenem Jahr von der Queen den Empire-Orden und die Stones zertrümmerten bei ihrem Konzert die Berliner Waldbühne. Andreas’ Lieblingsmusik ist ebenfalls älter als er. Da fragt man sich, welche genetische Vorbestimmung ihn so anders werden ließ als seine Altersgenossen, die in ihrer Jugend zunächst irgendwo zwischen Sweet und Bee Gees landeten, bevor sie heute Kuschelrock 157 in ihrem Opel Meriva hören.

Älter als er selbst

Statt brav seine Bürokarriere zu forcieren, eröffnete er dagegen mit »Body Electric« das erste professionelle Tattoostudio im Kreis Viersen, war seit jeher viel unterwegs, setzte sich für die Interessen von Tätowierern ein, wanderte später in die Schweiz aus – und hatte nebenbei schon immer eine Leidenschaft für Autos und Motorräder, ebenfalls gern älter als er.

Serientacho im eigenen Lampengehäuse

Seine BMW R 50, an die eigentlich noch ein Seitenwagen gehört, haben wir schon vor vielen Jahren fotografiert. Zeitlos ist sie noch immer. Bei seinem BMW Bobber ging es dem Körperelektriker um den ursprünglichen Geist, also erstmal viel weglassen und dann aus seiner und anderen Garagen Dies und Das zusammenzutragen für ein Low-Budget-Projekt.

Der Reiz einer BMW

»Was mich besonders reizte, war eine BMW. Harley ist mir nicht ausgefallen genug, und Triumph baute damals auch jeder zweite um«, verdeutlicht er seine Wahl zugunsten deutschen Stahls. »Neben dem brachialen Erscheinungsbild des Boxers ist mir gleichzeitig dessen Zuverlässigkeit wichtig.« Das Alleinstellungsmerkmal eines Flat Twins ist sicher mitverantwortlich für dessen wachsende Akzeptanz in der Customszene.

32er Bing-Vergaser

Schließlich gibt’s zwar jede Menge V-Twins, aber seit Ende der Honda F6 keinen weiteren Boxermotor serienmäßig, will man nicht den Wahn eines Gold Wing-Choppers wagen. Und nicht ohne Grund tüfteln ja die bayrischen Preußen selbst an ihrem Custom Project, das dann besser flutschen soll als die R 1200 C. Im Streben nach innerer Harmonie rockt der Tinten-Roller jedoch selbstredend Alteisen der 1950er.

Das Herz schlägt im Boxertakt

Dessen Herz ist ein 50/5-Block mit 600er Zylindern, die von einem moderneren Vergaser der R 45 gespeist werden. Am andern Ende geht’s dafür mit Fishtails wieder nostalgischer zu. So oder so sorgt reduzierte Frequenzfilterung für erhöhten Hörgenuss, und die freiere Atmung lässt nun 39 Pferde schnauben.

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CB 3/26
Pinstripes von Ghost

Während das Fahrwerk praktisch original geblieben ist, ersetzt eine Benzinnuss den ursprünglichen 24 Liter-Tank. Unübersehbar abgemagert zeigt sich auch die von Hand gedengelte und dann mit Leder bezogene Sitzgelegenheit, während sich an der Front sogar zwei Lampen finden. Seht ihr nicht?

Genau hinschauen

Na, dann schaut euch das Gehäuse des R 25-Tachos mal genauer an: Das war nämlich eine Fahrradlampe. Das kleine Hella-Rücklicht gegenüber fand über eine Awo wieder den Weg in den Westen an ein abgehacktes, also im wahrsten Sinne gechopptes, Schutzblech ohne sein ursprünglich klappbares Ende. Da ist der Radausbau noch einfacher, gell.

Eigene Linie: Die massive Vorderradschwinge und der kleine Mustang-Tank stehen in einem merkwürdigen Kontrast zueinander

Dagegen lässt sich die Vita des vorderen Blechs nur bis zur Garagenecke zurückverfolgen, in der es lag. Das gilt genauso für die Hebeleien, die sich beim Händler um die Ecke in der Grabbelkiste fanden. Was einem halt so über den Weg läuft.

EIn hoch auf deutsche Motorräder

Aufgebaut hat das Projekt letztlich Andys Kumpel Hajo mit dem nötigen Fachwissen, denn ein Tätowierer modifiziert nunmal Haut und nicht Blech. Und die Farbe darauf haben Ghost und René besorgt. »Ich finde, dass unsere deutschen Motorräder verdient haben, ein Wörtchen in der Kustomszene mitzureden«, sagt Andy abschließend.

Alteisen: Die Fishtail-Schalldämpfer stammen aus dem Oldtimer-Zubehör

»Denn sie haben das Potential dazu, im Aussehen und vor allem in der Qualität. Einen daily driver baut man nicht aus jedem Motorrad, oder?«

Info | andysbodyelectric.de

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DM 3/26

Technische Daten
Modell BMW R 50
Baujahr 1955
Besitzer Andy Schmidt
Erbauer Hajo Freisinger

Motor
Typ Zweizylinder-Viertakt-Boxer, ohv-Zweiventiler
Hubraum 599 ccm
Bohrung x Hub 73,5 x 70,6 mm
Zylinder, Köpfe R 60/5
Vergaser 2 x Bing 64-3, Ø 26 mm
Luftfilter K&N
Auspuff Stemmler, mit Fishtail-Dämpfer
Getriebe Fünfgang
Sekundärtrieb Kardan
Leistung 39 PS bei 6800/min
Drehmoment 37 Nm bei 5500/min
Vmax 150 km/h
Fahrwerk
Rahmen Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, lackiert
Gabel original Langschwinge
Räder orig. Drahtspeichen m. schwarz beschichteten Felgen, jeweils mit Avon Speedmaster 4.00-18
Bremsen orig. Trommelbremsen, vorn Ø 230 mm, hinten Ø 200 mm
Zubehör
Tank 12 l Mustang
Lampe Zubehörhandel
Rücklicht Hella (via Awo)
Tacho BMW R 25 in Fahrradlampe
Lenker Yamaha SR 500
Hebel Grabbelkiste
Griffe BMW
Sitz Eigenbau, Bezug von Lederkunstatelier Hückelhoven
Heckschutzblech original, gekürzt
Metrie
Leergewicht 180 kg
Radstand 1415 mm

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Fotos: Dirk Behlau
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