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Eine alte Triumph T120 mit Kompressor, dafür braucht es Eier. Der Schwede Niklas Wall hat sie und zog sein Projekt einer aufgeladenen Bonneville voll durch.

Mir erzählten viele Leute, dass mit einem Kompressor aufgerüstete Triumph-Motoren sofort explodieren würden. Ein Grund mehr es zu trotzdem versuchen«, grinst Niklas, der junge Schwede. Normalerweise schraubt er gemeinsam mit Freunden an alten Amischlitten, doch immer öfter mischen sich auch Bikes unter die Umbauprojekte. Damit halten die Jungs ihre Kreativität im Fluss. Dass Niklas zum Zeitpunkt der Planung noch gar keinen Motorradführerschein hatte, war für ihn kein Problem.

Die Triumph T120 war ein aufgegebenes Restaurationsprojekt

»Eigentlich hab ich mir die Karre nur gekauft, weil sie billig war und ich sie nach dem Umbau wieder verkaufen wollte. Nun hab ich den Plan aber geändert. Und weil so viel Hirnschmalz und Zeit in dem Ding stecken, muss ich die Kiste auch einfach behalten.« Als Niklas die Triumph erwarb, war sie ein halbherzig angegangenes und später aufgegebenes Restaurationsobjekt mit einem zumindest schon mal aufgebohrten Motor. Die originalen T120 haben 650 ccm, der Vorbesitzer hatte hier aber bereits mit anderen Kolben und Zylindern 750 ccm herausgekitzelt, dann aber das Interesse verloren und den Haufen verkauft.

Für dieses Bike braucht man Eier. Nicht nur, dass eine alte Triumph sowieso meist ihre Schwächen hat, Niklas verpasste ihr außer einem fetten Motor auch steile Auspuffrohre und einen schmalen Lenker. Muss man wollen, so eine Karre

Das liegt nun drei Jahre zurück. Vom ursprünglichen Rahmen behielt Niklas nur den Bereich um den Lenkkopf und gestaltete den Rest nach eigenen Wünschen. Besonderheit dabei ist der selbst gefertigte Öltank, der den Raum zwischen Getriebe und Heckfender perfekt ausfüllt. Schade allerdings, dass dieses wunderschöne Detail dort unten kaum zu sehen ist. Dafür blieb aber viel Platz hinter den Zylinderköpfen. Der sollte wieder gefüllt werden und so entstand die Idee mit dem zusätzlichen Lader.

Der Kompressor stammt aus einem Saab-Kampfflugzeug

Im Internet fand Niklas gleich zwei Kabinenkompressoren, die aus dem Kampfflugzeug Saab J29 stammen. Da sie nicht allzu teuer waren, orderte er beide, um noch einen in Reserve zu haben. Das Gehäuse wurde den Gegebenheiten angepasst. Über die Größe des verbauten Zahnrads lässt sich der Druck regulieren. Aktuell drückt der Blower 0,4 Bar mehr in die Brennräume. Niklas plant, dies aber noch etwas zurücknehmen und auch die Verdichtung des Motors herabzusetzen, um so die Langlebigkeit zu verbessern.

Bemerkenswert, dass dieses Werk der Erstling eines Nachwuchsschraubers ist. Niklas hätte es sich einfacher machen können, alltagstauglicher und besser fahrbar. Vielleicht beim nächsten Mal

Beim Aufbau des Motors bekam der dann gleich verstärkte Ventilfedern verpasst, damit diese dem erhöhten Innendruck widerstehen können. Bis auf die Ventilsitze und das Feinwuchten der Kurbelwelle erledigte Niklas alle Motorarbeiten selbst. Auch beim restlichen Bike musste er nur bei den Lackierarbeiten und beim Chrom auf fremde Hilfe zurückgreifen. Nach vielen Schraubereien war der Motor perfekt auf den Lader abgestimmt, denn hier hatten die »Experten« natürlich recht.

Dank Blower schluckt die Triumph T120 mal eben 10 Liter

Ohne Anpassung der Nocken auf geänderte Ventilöffnungszeiten, geportete Zylinderköpfe und Modifizierung der Vergaser kann ein Motor nicht mit dem Blower funktionieren und verabschiedet sich bald. Nun läuft aber alles bestens. Wer ordentlich Leistung generieren will, muss natürlich auch einen erhöhten Verbrauch einplanen. Laut Niklas schluckt die Triumph mal eben 10 Liter auf 100 Kilometer. Um die Reichweite des nur mit einem deutlich verkleinerten Fat-Boy-Tank ausgestatteten Bikes zu erhöhen, wird Niklas dann wohl einen Zusatzkanister mitführen müssen, sobald er längere Reisen plant.

Die sind momentan aber noch nicht möglich. Da das Primärcover wegen der Antriebskette des Blowers oben offen ist, kann die Primärkette nicht im Ölbad laufen und wird schnell heiß. Hier muss noch auf einen Belt umgerüstet werden. Erforderlich ist auch ein anderer Sitz, da die polierte Aluplatte zwar wunderschön aussieht, aber keinerlei Halt bietet.

Triumph T120 – Kürzere Pipes und ein anderer Sitz sind noch in Planung

Bei einem ordentlichen Zug am Gas, rutscht Niklas schnell auf den Heckfender, was sich bei Beschleunigungsrennen nicht gut macht. Auch ein paar kürzere Pipes sind in Planung. »Klar sind die langen Dinger komplett unnütz. Aber sie sehen cool aus«, meint Niklas, der sich schon auf seine ersten Touren freut. Zunächst muss er mal die Führerscheinprüfung bestehen. Wir würden zu gern das Gesicht des Prüfers sehen, wenn Niklas mit seinem Bike vorfährt.

 

Charley Charles