Artikel speichern

0

Ein Deutscher baut in Österreich eine englische BSA – das konnte ja nur heiter werden. Wurde es auch. Und nun steht ein betörendes Bike vor uns, dass durch seine schlichte Eleganz ins Schwarze trifft. 

Mitte 2009 sieht Niko zufällig eine Triumph im Internet. Er weiß nicht, dass es eine Bonneville ist und auch nicht, dass man den Umbaustil des Bikes »Bobber« nennt. Das ändert wenig daran, dass ihm das Motorrad nicht mehr aus dem Kopf geht, er fängt an zu recherchieren. Schnell wird klar, die Bonnie ist nix von der Stange und Niko bekommt Bock aufs Schrauben. Zwar ist der Mann noch zu Studienzeiten ein bisschen Moped gefahren – damals eine Yamaha XS 400 – aber außer einem Motortausch hat er nicht viel gemacht, zumal Selberbauen auch Zeit und Kohle bedingt.

Für die angedachte Bastelei ist eine Werkstatt dringend notwendig

Beides ist seinerzeit nicht massig vorhanden. Nun eine neue Situation in einem anderen Land. Aus beruflichen Gründen ist Niko nämlich in Österreich gelandet, eine eigene Werkstatt besitzt er nicht. Und weil die für die angedachte Bastelei dringend notwendig ist, wird sie als Erstes gesucht. Zusammen mit einem Kollegen wird der Findungsprozess konkreter, die anvisierten Objekte im Raum Wiener Neustadt sind aber allesamt zu groß und damit zu teuer. Findige Schrauber helfen sich in so einem Fall mit der Erweiterung des interessierten Kollegenkreises.

An anderen historischen Parts wie den Trommelbremsen vorn und hinten ändern Liebhaber alter Technik aber besser nichts, zumal die auf leeren österreichischen Landstraßen und bei 35 PS Leistung völlig ausreichend sind

Am Ende mieten sie zu fünft eine 100-Quadratmeter-Halle und statten sie mit den Basics aus. Mission one completed, die Suche nach einem Basisbike kann beginnen. Starrrahmen Pflicht, Britbike Pflicht, Ernüchterung vorprogrammiert. »Schnell habe ich erkannt, dass die Bonnevilles heiß begehrt sind«, erzählt Niko, »und außerdem fast zu schade zum Zerschneiden.« Auf seinen Recherchetouren durchs Netz stößt Niko aber auf die Jungs von Southern Division aus München. Die handeln nicht nur mit Britbike-Teilen, sondern sind auch höchst auskunftsfreudig und hilfsbereit.

BSA Golden Flash – Günstiger als eine Bonneville

Als die Jungs irgendwann eine BSA reinbekommen, die vom Aufbau ähnlich der erträumten Triumph, aber wesentlich günstiger ist, bieten sie Niko das Bike an. Noch kaufpreisdrückender wirkt sich überdies der Vorschlag aus, die überflüssigen Teile für den eigenen Shop zu behalten. Kann man fast nicht ablehnen, tut Niko auch nicht. Außerdem verhalten sich die Münchner schwerst offen gegenüber den Ideen des neuen Besitzers. »Keine Spur von Originalfetisch und nervigen Statements«, freut der sich noch heute, Deal eingetütet. Karsten Johne, der Chef der Münchner Firma, erklärt sich außerdem bereit, dem Schrauberanfänger den Starrrahmen aufzubauen.

Ein Vergaser von Amal ist ein klassisches Element, das ein Britbike perfekt aufwertet

Aus selbstgebogenem Rohr wird das neue Heck angepunktet, ein paar Monate nach Kauf bekommt Niko so ein fertiges Rolling Chassis, bestehend aus Rahmen, Reifen, Motor und Lenker, ein paar passende Schutzbleche noch obendrauf. Und weil eine Hand die andere wäscht, bezieht der Exil-Österreicher auch später noch viele Teile aus Bayern, dazu kommt eBay als Quelle für MZ-Tank, Push-Sattel, Öltank und andere Kleinigkeiten. Und so macht sich der völlig Ahnungslose, wie Niko sich selbst rückblickend bezeichnet, ans Werk.

BSA Golden Flash – Von der Idee bis zur Straße

Eine Verlagerung des Geschmacks verdankt er dem eigenen Kopf und auch ein bisschen unserem Magazin. Wer viel CUSTOMBIKE liest, ändert eben auch mal die Denkrichtung, seid gewarnt. Von der ursprünglichen erdachten Triumph bleibt nur eine kleine Blase im Kopf. Und auch die Ahnung davon, was es braucht, um ein Motorrad halbwegs legal auf die Straße zu bekommen, ist sicher hilfreich. So wächst die BSA von der Idee bis zur Straße, und der Erbauer wächst mit. »Besonders befriedigend fand ich den Umstand, aus dem was gerade zur Verfügung stand etwas aufzubauen«, Niko hat schnell verstanden, warum Selberschrauben so was Tolles ist.

Williges Hochdrehen und höhere Drehzahlen verdankt der BSA-Twin entgegen anderen englischen Klassikern wie Triumph oder Norton seiner Kurzhubigkeit. Fürs ganz Grobe nimmt man so eine feine Dame trotzdem nicht her, denn Bremsen und Fahrwerk sind eben »nur« alter Stand

Er geht während der Aufbauzeit nicht ein einziges Mal in einen Baumarkt, um irgendwelches Metall zu kaufen, alles kommt aus dem eigenen Basislager. »Mit einem unbegrenzten Budget und dem Riesenangebot an Zubehör wäre ich sowieso heillos überfordert gewesen«, gibt er zu. So hauen die eigenen Schweißarbeiten von Haltern und anderem Kleinkram meistens irgendwie hin, und wenn nicht, sind fähige Freunde in der Nähe. Spezialgebiete wie Motorüberholung samt Ventilführung erneuern und Zylinder aufbohren übernehmen so die Könner.

BSA Golden Flash – Happy End mit Plakette

Auch das Grundlackieren überlässt er dem Profi, probiert sich dagegen beim Tank mit Schriftzug selbst. Nur am Ende kommt nochmal eine nicht unwesentliche Kleinigkeit aus München. Ein TÜV-Prüfer aus der Bayernhauptstadt verpasst Niko und seiner englischen Lady die Plakette, ein verdientes Happy End.

Info |  southern-division.de

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.