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Unser Motormensch Marco Eckardt ist Hobbyschrauber, Fighterjunge, Fukker-Builder und Starr-Wars-Sieger. In seiner Cafighteria entstehen die wildesten Kisten, voll legal.

Es ist Samstagmittag: Schlafsack, Ankunftsbier, genug Motorenöl und die Jungs sind beisammen, auf die Mopeds, fertig los. Nach knappen 160 Kilometern sind wir endlich auf der Party. Klar, wir haben fünf Mal halten müssen, weil wieder irgendwo was geklappert hat oder der Sprit alle war – das is nunmal so mit zurechtgefriemelten Mopeds ohne NSA-Spritanzeige. Kaum angekommen, kurz zur Begrüßung den Platz eingenebelt – das hat sich bei uns paarungswilligen Ossis so eingebürgert – bildet sich ob der Vernebelung schon eine Menschentraube um uns rum. Ein Teil von uns baut wie üblich das Zelt auf, der Rest macht kluge Sprüche und trinkt Bier. 

»Ey, das Ding hat doch niemals eine Zulassung!«

Ich, der sich meist zu denen mit dem Bier zählt, werde prompt von einem der neugierigen Jungs angequatscht. Scheint ’n cooler Typ zu sein, dicke Kette an der Hose, Hals und Hände tätowiert und ’n Shirt mit FTW-Aufdruck in großen Lettern. Er so: »Ey, coole Show, aber das Ding hat doch niemals eine Zulassung!« Ich: »Doch, siehste doch, sogar ’n Nummernschild und ’ne Plakette.« Er wieder: »Nein, sowas bekommt man nie abgenommen. Schwinge zu lang, Auspuff zu laut, am Rahmen geschweißt.« Derweil gaben auch noch ein paar andere Jungs ihren Senf zum Würstchen, ähhh, zum Thema. Man dürfe am Rahmen nicht schweißen, der Motor ist ja vom Nachfolgemodell und Rahmen und Räder stammen ja von ’nem zwanzig Jahre jüngeren Supersportler.

»Das bremst und lenkt besser als im Auslieferungszustand 1979«

Hab dann versucht, den Jungs ein paar Sachen zu erklären: »Das Fahrwerk und die Bremsen sind zwanzig  Jahre jünger … ergo, das bremst und lenkt besser als im Auslieferungszustand 1979. Die Rahmenänderung ist kein Problem, da ich sämtliche Schweißerpässe vorweisen kann, Materialprüfungen vorgenommen und vorm Umbau alles natürlich mit einem gewillten, amtlich anerkannten Prüfer abgesprochen habe.« Das hätte ich mir alles sparen können, denn auf jede Erklärung folgte ein ABER. Das scheinen dieselben Jungs gewesen zu sein, die quartalsmäßig Leserbriefe an die CUSTOMBIKE schicken, von wegen das Magazin würde haufenweise Mopeds ohne Zulassung abdrucken, das würde alles niemals auf der Straße fahren und mit den Blinkern kriegt man sowieso niemals TÜV.

Benzin quatschen und ABEs im Lagerfeuer verbrennen

Was wollen die Jungs eigentlich? 101 Prozent streetlegale Mopeds? Dann isses wohl besser, beim freundlichen Vertragshändler am Schaufenster zu kleben und die eigene Individualität anhand der Blinkergläser und der verschiedenen Nummernschilder zum Ausdruck zu bringen. Ich hab mir dann noch ein Bier aufgemacht und mit meinen Jungs coole Mopeds geguckt, wir haben Benzin gequatscht und ABEs im Lagerfeuer verbrannt. Was ich damit sagen will ist: Lasst euch von selbsternannten Szenekennern und Internetkönigen nicht euer Projekt schon im Keim ersticken. Nur, weil ihr einen anderen Weg gehen wollt und kein Bolt-on-Teil verbaut, heißt das noch lange nicht, dass ihr euren Bock nicht halbwegs legal auf die Straße bekommt. Sprecht vorher mit dem Prüfer, legt Zeichnungen, Bilder und Gutachten vor und gebt nach dem ersten NEIN nicht gleich auf.

Motormensch Marco Eckardt – Sprit, Arsch und Eier!

Die Jungs sind auch nur Menschen und wie im wahren Leben immer haben drei Leute vier verschiedene Meinungen. Wendet euch an Customizer, die euch ein paar Tipps geben können, lasst euch von ein paar alten Schlossern unter die Arme greifen, und wenn ihr euch nicht ganz sicher seid, seht zu, dass der Bock nach dem Umbau besser fährt, lenkt und bremst als vorher oder mindestens genauso gut. Und schreibt euch das FTW bitte ins Herz, bevor ihr es aufs Moped klebt oder aufs Shirt pinselt. Die großen Spiegel und den langen Spritzschutz könnt ihr ja nach der Untersuchung wieder an die Wand nageln. Ein Moped fährt vorrangig mit dem, was als Kürzel schon auf Ölkanistern zu lesen ist: SAE – Sprit, Arsch und Eier!