Einspritzung statt Vergaser – in der Großserie hat sich die Technik längst durchgesetzt, aber auch eine nachträgliche Umrüstung ist möglich und sinnvoll.
»Das gibt’s doch gar nicht«, murmelt der Mann vom TÜV. Schon allein die extrem knackige Gasannahme will nicht so recht zum vorgeführten Objekt passen. Denn der Herr im blauen Kittel steht vor einer gut 35 Jahre alten Honda Bol d‘Or, die verblüffend gut im Futter steht.
Tuning durch Einspritzung
Obwohl am Motor nicht eine Schraube angetastet wurde: Tuning durch Einspritzung. Die moderne Technik ließ sich prima mit der Serien-Airbox kombinieren, weshalb auch bei der Geräuschentwicklung alles im grünen Bereich bleibt. Und weil es bei älteren Baujahren (Erstzulassung vor ’89) keinerlei Abgas-Grenzwerte gibt, bleibt die teure Prozedur irgendwelcher Muster-Messungen und die dazugehörige Bürokratie erspart.

Einer amtlichen Eintragung steht damit also nichts im Wege. Trotzdem will‘s der misstrauische Prüfer genau wissen und lässt den aufgemoppelten Alt-Boliden durch die Standard-Zyklen der AUK laufen – »…nur so, aus reinem Interesse«. Doch schon bald schiebt der Mann seine Nickelbrille auf die inzwischen faltige Stirn und betrachtet ratlos die Messwerte: Damit würde der Oldie nicht nur sämtliche Grenzwerte erfüllen, sondern steht auch noch erheblich sauberer da, als aktuelle Serien-Bikes. Damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet.
Optimale Zustände
Eine bizarre Szene, die sich bald öfters abspielen könnte. Denn die Sache ist eindeutig auf dem Vormarsch: Youngtimer mit Einspritzanlagen nachrüsten. Zweistellige PS-Zuwächse stellen dabei eher die Regel als eine Ausnahme dar, während die Drehmomentkurve über den gesamten Drehzahlbereich rapide ansteigt. »Motor-Management« heißt das Zauberwort. Denn es geht dabei nicht nur um moderne Drosselklappen-Gehäuse mit Einspritzdüsen, sondern auch um die Steuerung der Zündanlage – und um die Kommunikation zwischen beiden Systemen.

Peter Scheepers von Scheepers Motorsport ist hierzulande einer der führenden Experten auf dem Gebiet: »Im Gegensatz zur klassischen Vergaser-Technik kann das Motormanagement aktiv und dynamisch reagieren. Je nach Betriebszustand werden Einspritzmenge und -dauer sowie Zündkurven automatisch nachgeregelt – und zwar so fix und optimal, dass man hier beinahe von Echtzeit reden kann.
Infos an die Blackbox
Damit das funktioniert, müssen verschiedene Informationen vom Motor in der Blackbox ankommen. Die Gemisch-Zusammensetzung wird beispielsweise laufend per Breitband-Lambdasonde überwacht. Damit kann das System auf unterschiedliche Temperaturen und Luftdruck-Schwankungen der Atmosphäre reagieren – je nach Motordrehzahl und Drosselklappenstellung.

So etwas wie Verschlucken kommt überhaupt nicht mehr vor, und die Leistung liegt unter allen Umständen immer am mechanisch maximal Möglichen.« Peter weiß, wovon er spricht, denn er hat auf dem Gebiet schon einiges auf dem Kerbholz. Seit vielen Jahren arbeitet er mit dem System und entwickelte es stetig weiter.
Equipment
Herzstück der ganzen Geschichte ist die Blackbox: Scheepers Steuergerät ist ein solides Stück Hightech mit multiplen Funktionen – auch Data-Recording zählt zum optionalen Repertoire. Das Ganze ist also, je nach Bedarf oder Einsatzzweck, modular aufrüstbar. Bei der Vollversion arbeitet die Zündung der Blackbox im dreidimensionalen Kennfeld per »Direct Coil Control«.

Dabei wird jeder Brennraum im Arbeitstakt mit einem exakten Zündfunken versorgt, während normale Zweispulen-Systeme stets einen weiteren Funken im »toten Arbeitstakt« vergeuden. Das ist deswegen ein großer Vorteil, weil dem selektiven Zündfunken (Direct Coil Control) stets die doppelte Zeit zur Aufladung zur Verfügung steht – gerade bei höheren Drehzahlen macht das Sinn.
Aufrüstung
Wenn die Blackbox einmal im Bordnetz eingebaut ist, öffnen sich Tür und Tor für weitere Aufrüstungen: Egal ob Turbo- oder Kompressor-Umbau – die Zauberkiste ist für die totale Kontrolle gerade unter verschärften Bedingungen ein unbedingter Vorteil. Sogar eine zusätzliche Lachgaseinspritzung kann damit intelligent angesteuert werden.

Grundsätzlich ist das Motormanagement zum Nachrüsten für jeden Verbrennungsmotor geeignet, egal, wie viele Zylinder versorgt werden sollen. Harley-Vauzwei, Triumph-Triple, Japan-Four … – für jedes Triebwerk jeder Marke gibt’s gleich mehrere maßgeschneiderte Lösungen. Und weil das so ist, macht eine »Plug‘n‘Play«-Lösung kaum Sinn. Jedes Bike wird individuell in Scheepers Vollgas-Labor umgerüstet. Von der Vollversion mit komplett neuem Kabelbaum bis zur abgespeckten Variante.
Info | scheepers-motorsport.com












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