Low Budget – E-Bike im Dragstyle

Manche Ideen sind einfach zu verrückt. Wenn sich dann daraus solche Geschichten wie die des Dragstyle E-Bike, umso besser

Um es vorweg zu nehmen, wir werden jetzt keine Kategorie für E-Bikes einführen, dafür sind wir zu sehr dem Verbrennungsmotor verpflichtet, der nach wie vor untrennbar mit der Customszene verbunden ist. Doch hin und wieder wagen auch wir einen Blick über den berühmten Tellerrand – erst recht, wenn uns solche ungewöhnlichen Custombikes wie dieses E-Bike begegnen. 

E-Bike im Dragstyle – Bereit, jeden Betrachter zu foppen

Als die Bike-Fotos in unserer Redaktion eintreffen werde ich stutzig, muss zweimal hinschauen. Das, was meine Augen beim ersten Blick sehen, entspricht nicht dem, was mein Verstand aus dem Erfahrungsspeicher abruft. Mehr Informationen müssen her, mehr Fotos und ich will unbedingt die Geschichte dahinter wissen. Wer ist so verrückt und baut ein E-Bike, frech getarnt als Dragstyler, bereit jeden Betrachter zu foppen, der sich keine Zeit für einen genauen Blick nimmt? 

Motorrad- und Fahrradtechnik in Kombination: Die 26-Zollfelge wurde neu eingespeicht und mit einem Nabenmotor versehen. Die Scheibenbremse passt auch an Mountainbikes

Roy zählt vor allem echte Zweiräder zu seinem Besitz, also solche mit Verbrennungsmotor, die Lärm machen und nach Freiheit riechen. »Das sind aber überwiegend ältere Modelle, hauptsächlich von Simsons«, klärt er auf. Doch diesmal will er etwas Verrücktes, Einzigartiges. »Thunderbikes Unbreakable  ist so ein Custombike, das mir extrem gut gefällt.

E-Bike im Dragstyle – Ein Fahrrad dient als Basis

Doch das liegt außerhalb meiner Reichweite.« Trotzdem möchte er den Traum nicht aufgeben und entscheidet sich, etwas Außergewöhnliches zu wagen und quasi ein Fahrrad als Basis zu nehmen. Damit wenigstens das Gefühl, ein motorisiertes Zweirad zu bewegen, erhalten bleibt, soll ein Elektromotor als Antriebsquelle dienen.

Sattler Ron von Specialworkz hat mit drei Lagen Alcantara und Nappaleder für eine perfekte Sitzauflage gesorgt

Und hier kommt Sirko Röder ins Spiel. Der Spezialist für Elektro-Custombikes hat für Roys Tochter schon einen irren Bollerwagen mit 20-Zöllern gebaut und scheint geradezu prädestiniert, die Idee vom Dragstyler umzusetzen. Gemeinsam hirnt man ein wenig, entwirft und macht sich auf die Suche nach den erforderlichen Teilen.

Fahrbarkeit spielte keine Rolle

Immer mit der Unbreakable als Vorbild, nur mit einer anderen Zielsetzung. Fahrbarkeit spielt keine Rolle, denn »… letztlich sollte es einfach nur ein Dekostück werden. Vor allem aber wollte ich wissen, wie »echte« Motorradfahrer auf das fertige Bike reagieren.«

Jederzeit bereit, verrückte Ideen umzusetzen: Roy hat es durchgezogen und ein äußerst ungewöhnliches E-Bike auf die Räder gestellt – auch wenn es nur als Dekostück dient

Irgendwann im Frühjahr starten die beiden den Aufbau und machen sich an die Konstruktion des Rahmens, den sie schließlich aus Rohren biegen. Referenzpunkt sind dabei nur die Räder, die sie zuvor auf die Hebebühne gestellt haben. »Das war nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Mehrmals wurde alles wieder auseinander gesägt …

Wir haben mehrmals alles auseinander gesägt und wieder von vorn angefangen.« Sie machen die gleiche Erfahrung wie viele von uns beim Aufbau eines Custombikes: Nicht alles verläuft immer wie geplant. Auch der selbstgesteckte Termin, das E-Bike zu Thunderbikes Jokerfest fertig zu bekommen, muss schnell fallen gelassen werden. Zu vieles ist unerledigt und die Zeit vergeht schneller, als ihnen lieb ist.  

Der Kettenantrieb funktioniert, doch wer in die Pedale tritt, wird schnell fest-stellen, dass das bei dem Gewicht eine sehr anstrengende Sache ist

Dafür steht schnell fest, dass ein Nabenmotor im Vorderrad für den Vortrieb sorgen soll. Um die Täuschung perfekt zu machen, wird aus Twin-Cam-Zylindern und Sportsterteilen ein Fake-Motor gebaut, der als Behausung für die Regelelektronik und den Akku dient.

Die starre Gabel und die Einarmschwinge sind Eigenbau

Der handgearbeitete Tank dagegen ist zwar hohl, aber auch verschweißt und hat keinerlei Funktion, außer der Optik. Um das Bodywork am Chassis zu vollenden, wird aus Rohren eine starre Gabel gebaut. Auch die zur linken Seite offene Einarmschwinge ist ein Eigenbau. 

Fetter 280er Hinterreifen: Die waren einst brutal angesagt – aber nicht bei E-Bikes

Bei der Wahl der Räder werden keine Kompromisse gemacht. Die Dimensionen von Vorder-und Hinterradfelge würden jedem »echten« Custombike gut zu Gesicht stehen, denn mit einem 26-Zoll-Vorder- und einem 18-Zoll-Hinterrad mit entsprechender Bereifung, ist die Fahrradnummer ad acta gelegt, auch wenn Pedale samt Kette eine gewisse Funktion vortäuschen.

Genug Leistung, um kein rollendes Hindernis zu sein

»Als Antrieb taugt das aber nicht wirklich«, ergänzt Roy. »Durch das Fahrzeuggewicht, die Sitzposition und Haltung ist es fast unmöglich vernünftig voranzukommen, ohne sich die Beine zu brechen. Doch dafür haben wir ja den E-Motor verbaut.« Und dieser hat, gemessen am Gesamtfahrzeuggewicht, doch überraschenderweise genug Leistung, um nicht als rollendes Hindernis im Straßenverkehr für Unverständnis zu sorgen.

Wir sind ja absolute Verfechter von analogen Runduhren. In diesem Fall passt ein digitales Mäusekino jedoch tatsächlich besser

»So um die fünfzig Kilometer pro Stunde macht der schon.« Gas gegeben wird dabei auf herkömmliche Weise, nämlich mit dem rechten Griff am Lenker. Spielt aber letztlich alles keine Rolle, da das Bike nicht für die Straße geplant ist. Da Roy berufstätig ist, wird überwiegend abends und an den Wochenenden geschraubt. Kein leichtes Unterfangen, wenn die Familie ebenfalls Zeit einfordert.

Insgesamt zieht sich der Aufbau über rund neun Monate

»Ich habe wirklich viel Glück, denn meine Frau stand immer hinter mir und hat alles mitgetragen. Sonst hätte ich das Projekt nicht durchziehen können.« Insgesamt zieht sich der Aufbau dann doch über rund neun Monate. Eine lange Zeit, in der auch ein modifizierter Heckfender sowie ein Eigenbau-Sitz noch den Weg ans Bike finden, bevor es Farbkünstler Moschi von Spektacolor in die Finger bekommt.

Kassensturz

Eigentlich ist der mehr auf Autos spezialisiert, tobt sich dann aber richtig aus, hat immer wieder neue Ideen, bis das Bike endlich fertig ist. »Irgendwie hat das alles eine Eigendynamik bekommen, die nicht mehr aufzuhalten war«, zieht Roy sein Fazit aus dem Aufbau. Zur Motorradmesse in Magdeburg darf der E-Dragstyler dann an den Stand von Harley-Davidson.

Das E-Bike im Dragstyle steht als Deko in der Küche

»Die Reaktion der Besucher war unerwartet positiv. Viele haben das Bike zuerst nicht als Fahrrad mit E-Motor erkannt. Erst beim zweiten Hinsehen war klar, was da vor ihnen steht.«

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Info | roeder-bikes.de | spektacolor.de

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Technische Daten
Modell Eigenbau-E-Bike-Dragstyler
Baujahr 2017/2018
Erbauer Röder-Bikes, Roy Rybarsch

Motor
Typ Crystalyte-H-Series-4080, Elektro-Nabenmotor im Vorderrad, 48V, 21Ah-Akku
Motorgehäuse Eigenbau, Lager für Controller und Akku
Zylinder Harley-Davidson Twin Cam
Primärseitendeckel Harley-Davidson Sportster
Leistung ca. 1500 Watt
Vmax < 55 km/h
Fahrwerk
Rahmen Eigenbau-Starrrahmen
Gabel 50-Millimeter-Rohre, Eigenbau, starr
Schwinge Einarmschwinge
Räder vorn 26-Zoll-Stahlfelge mit Speichen, hinten zweiteilige 18-Zoll-Alufelge mit Speichen
Reifen vorn Metzeler mit 120/55 R26, hinten Metzeler mit 280/35 R18
Bremsen vorn und hinten 190-Millimeter-Scheibenbremse, Shimano Saint BR M820
Zubehör
Lenker 20-Millimeter-Rohre
Lenkerhalter Eigenbau, auf Gabelrohre angepasst
Tankattrappe Eigenbau, in Rahmen integriert
Sitz Eigenbau-Kunststoffschale mit dreilagigem Alcantara und weißem Nappaleder
Heckfender 300 Millimeter breiter, Custom-Stahlfender, bearbeitet
Scheinwerfer Bullet Grooved, 109 Millimeter Durchmesser
Rücklicht LED
Instrumente LCD-Display
Lackierung Spektacolor
Metrie
Leergewicht 75 kg
Radstand 1500 mm

Beitrag veröffentlicht

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von

Fotos: Benjamin Grna
Fotos sind urheberrechtlich geschützt

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Kommentare

Eine Antwort zu „Low Budget – E-Bike im Dragstyle“

  1. Avatar von Patrick Mamerow
    Patrick Mamerow

    hallo ich wollte gerne fragen wie teuer das Bike ist obwohl man das bei Ihnen bestellen kann

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