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Cafe Racer auf Brit-Bike-Basis entstehen nicht nur in England. Diese rassige Norton Commando CR 750 RR stammt aus dem Nordosten Italiens.

Wer sich für ein neues oder neuwertiges Motorrad aus dem Hause Norton interessiert, der hat viele Möglichkeiten, sich seinen Traum vom kernigen Engländer zu erfüllen. Da gibt es zum einen die seit 2005 in Kleinserie gefertigte Commando 961, die sich zwar an die klassischen Vorbilder anlehnt, bei der es sich aber um eine komplette Neukonstruktion mit Einspritzanlage und 17-Zoll-Fahrwerk handelt. Allerdings durchlebte die wiederauferstandene Traditionsmarke zuletzt sehr turbulente Zeiten und ist aktuell in Hand der indischen TVS Motor Company. Mal schauen, wie es da weitergeht …

Die Norton Commando ist auch fabrikneu zu haben

Weiterhin gibt es seit einigen Jahren bei Norton-Spezialisten wie Norvil fabrikneue Commandos zu kaufen – 850er Fastbacks, 920er Production Racer oder gar brutale 1000er. All diese Reproduktionen entsprechen den Commandos der 60er- und 70er-Jahre, sie werden jedoch mit aktuellen Materialien und technischen Verbesserungen zusammengebaut. Gelochte Doppelscheibenbremsen, Primärbelt oder E-Starter können auf Kundenwunsch verbaut werden. 

Edel und schnell: Gerade mal 170 Kilo wiegt der Road Racer, liegt bei einem Leistungsplus von etwa zehn Prozent gegenüber der Serie. Dazu sieht das Ding noch verdammt gut aus. Hat mal wer 20.000 Euro?

Noch mal anders geht man bei der italienischen Manufaktur Stile Italiano vor. Gianluca, Chef der 80 Kilometer nördlich von Venedig beheimateten Firma, verwendet alte Originalmotorräder und baut diese nach seinen Designvorstellungen als Cafe Racer, Street Tracker oder Roadster auf. Anders als viele andere Classic-Bike-Schrauber baut Stile Italiano aber keine Motorräder im Kundenauftrag. Kompromisslösungen, die aus eigenen Wünschen und den Vorstellungen der Kunden entstehen, lehnen die Italiener ab. »Wir bauen Motorräder ausschließlich so, wie wir sie schön finden«, so Gianluca selbstbewusst.

Norton Commando mit Hemmings- und Norvil-Teilen

Auf diese Art und Weise ist auch die hier präsentierte Commando CR 750 RR entstanden. Ein Kunde hatte den Italienern einen überholten Commando-Motor verkauft, der bereits mit Hemmings- und Norvil-Teilen und einem Zylinderkopf mit polierten Kanälen ausgestattet war. Gianluca grinst: »Zwar hat der Twin die originalen 750 Kubik, aber locker zehn Prozent mehr Leistung als der Serienmotor, also rund 60 PS.«

Eine seltene Dunstall-Gabel schaffte es aus dem Werkstattregal an die Engländerin. Anders als beim Original bremst die Italo-Norton auch hinten mit Scheibe

Dieses drehfreudige Aggregat hatte der Perfektionist für seinen Road Racer vorgesehen. Ein verchromter Rahmen und eine seltene Dunstall-Gabel mit integrierten Bremszangen lagen noch im Regal. Daraus sollte nun ein britisches Bike mit italienischem Spirit zusammenwachsen. 

Bei einem Leergewicht von lediglich 170 Kilo geht auch mit 60 PS was

Falcon-Stoßdämpfer, ein Highpipe-Auspuff-Unikat von Virex und eine 17-Zoll-Endurofelge im Heck (Gianluca: »eine Provokation«) ergänzten das Grundgerüst. Der Fiberglastank von Dunstall, ein Höckersitz, zurückverlegte Rasten und Clip-ons sorgen für das Finish eines klassischen Straßenrenners. Bei einem Leergewicht von lediglich 170 Kilo stehen schneidigen Landstraßenausflügen nun keine überflüssigen Pfunde mehr im Wege. 

Der Umbau mixt Retro-Optik und moderne Materialien, baut trotz klassischem Design auf Tank und Sitzhöcker aus Fiberglas. Die Highpipes sind eine Sonderanfertigung

Am Ende kosten eine Norvil-Commando und eine 961er Fuel-Injection-Commando nahezu gleich viel, und auch die sorgfältig aufgebaute Italo-Norton hat ein Preisschild auf Augenhöhe: rund 20.000 Euro. Welche würdet ihr nehmen?

Info |  stileitaliano.com

 

 

Dirk Mangartz