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Aus der Schweiz kommt ein radikales Sportbike mit BFO-Gitterrohrrahmen und dem Motor einer Honda CBR 900RR.

Ohne TÜV, das hat den letzten Kick gegeben«, Andreas weiß, warum er, Andi und Dani eine Bewerbung zu unserem damaligen »Build-da-Fukker-Contest« abgeschickt hatten. Die drei Schweizer Motorradfreaks, die seit Ewigkeiten zusammen schrauben, wollten schon lange was richtig Wahnsinniges bauen und wir als Fukker-Initiatoren bestanden eben nicht auf eine Zulassungsfähigkeit des gebauten Bikes. Das Projekt der Jungs, die aus der Fighterszene kommen und schon einigen Hondas und Suzukis zum bösen Look verholfen hatten, faszinierte uns von Anfang an.

Honda CBR 900RR meets BFO-Prototypen-Rahmen

Ein Prototypen-Rahmen von BFO aus England sollte die Basis für den Fukker sein, eine Honda CBR 900RR den Antrieb stellen, eine lange Schwinge – satte 15 Zentimeter länger als das Original – dem Bike einen unvergleichlichen Supersport-Look geben. Wir konnten einfach nicht anders und schickten die Jungs ins Rennen. Rahmen, Schwinge, den Motor aus einer verunfallten CBR, sowie zwei PVM-Speichenräder, die Andreas für 450 Euro im Netz ersteigert hatte, bildeten die Basis für den Fukker. 2290 Euro hatte das alles zusammen gekostet, bleiben 2700 Euro als Restbudget. Team »Prototyp« macht sich akkurat an die Arbeit.

 

Die lange Schwinge ist nicht nur Stilmittel, sie verhindert den ungewünschten Überschlag beim brutalen Einsatz des Turboladers

 

»Wir setzten uns immer wieder Wochenziele und kleine Meilensteine, die wir bis zu einem bestimmten Datum erreichen wollten«, erzählte Andreas, der Designer und Architext unter den drei Freunden. Zusammen mit Andy, dem Dreher, Fräser und Schweißer des Teams und Helikopter-Mechaniker Dani schraubte Andy fast ein halbes Jahr an jedem Wochenende ohne Ausnahme an dem Projekt, sogar einen Teil ihres Jahresurlaubs opferten die Freunde für ihr Bike. Der Rahmen sollte zwar über die passenden Motoraufnahmen für den Honda-Vierzylinder verfügen, tat er aber nicht.  »Wir mussten alles komplett umschweißen, damit der Motor passte.« In den zwei Oberrohren des Rahmens befindet sich der Benzintank, ein drittes Rohr bauten die Jungs dazu, um dort die Elektrik verlegen zu können. Dazu kam Andreas auf eine Schnapsidee. Irgendwann im Sommer teilten uns unsere Schweizer nämlich mit, sie würden einen Turbolader verbauen.

Die K&J-Schwinge ist von Haus aus geil

»Im Fightersforum, in dem wir uns rumtreiben, ist ein Typ, der hat gute Erfahrungen mit Billigladern aus China gemacht. Die kosten so zwischen 80 und 180 Euro, das war es uns wert«, grinst Andreas. Die Jungs bauen das System inklusive Plenum und Druckleitungen, Scavengerpumpe, Benzinpumpe, Druckregler, Dampfrad und eben dem China-Lader komplett selbst. Den Motor lackieren sie außerdem in sattem Rot, eine Kampfansage. Die K&J-Schwinge ist von Haus aus geil, da sie erstens die Fuhre langstreckt und zweitens das 18-Zoll-Rad im Heck richtig gut zur Geltung bringt. Als Gimmick verzichtete das Team auf Federbeine, ihr Fighter bleibt starr.

 

Zum technoiden Stil tragen das ins Rohrende integrierte Minimalcockpit und die stets sichtbare Mechanik entscheidend bei

 

Die Frontlampe bekam die gleiche Optik wie die Rahmenrohre und besteht aus einem möbelhausüblichen Küchen-Einbauspot, nach hinten leuchten LED-Stripes, ein paar Fußrasten aus Fernost geben dem Fahrer halt. Das Fahrwerk ihrer »Rocket Sprocket« bleibt unlackiert, wurde allerdings komplett glasperlgestrahlt. Ein starker Kontrast zum tiefroten Motor. Als wir das Bike nach Fertigstellung zum ersten Mal sehen durften, raubt es uns den Atem. »What a Fukk!«. Mit dem Wissen, niemals straßentauglich sein zu müssen, haben die Herren ordentlich einen rausgehauen. Die Zukunftspläne der Jungs sind übrigens glasklar. »Der Motor läuft, das Bike fährt. Wir werden alles noch etwas feiner einstellen und auf den Prüfstand gehen. Und dann direkt auf die Viertelmeile.«