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Heute testet Frau Reuter eine Werkstattleuchte, die die äußere Anmutung eines Raumschiffes hat und Helge‘s leckeres alkfreies Fahrbier.

Ich wollte eigentlich nur Schrauben kaufen. Ich steh also bei Schoppe am Tresen und Dennis bedient mich. Das ist das Sackgesicht, das mir grundsätzlich die Frage stellt, ob die Schrauben für meine Bremsen sind. Dann rückt er nämlich kein VA raus, sondern nur schwarze oder verzinkte Stahlschrauben. Er ist nämlich sehr um meine Gesundheit besorgt. Das bin ich nun aber auch, denn die VA-Schrauben, die er mir gerade auf den Tisch geknallt hat, sind für meinen Seitenständer und ich frage ihn höflich, ob DIE denn stabil genug seien, meinen Seitenständer zu halten, der ja mein schweres Motorrad hält. »Na logo«, sagt er, »du hampelst ja nicht auf deinem Bock rum oder so.« »Doch«, sage ich, »das mach ich ganz oft, nur mit einer Federboa bekleidet, und dann mach ich Nacktfotos von mir und verkaufe die im Internet.« Er stutzt kurz und sagt dann: »Die würde ich doch schon gerne mal sehen.« Man nennt das eine sich stabil aufbauende Verkäufer-Kunden-Beziehung, ideal für erfolgreiche Geschäfte, eine Win-win-Situation für beide Seiten. Die Bilder kriegt er natürlich nicht zu sehen, aber die Schrauben halten, meint er. Auch mich fetten Sack auf dem fetten Motorrad. Wir werden sehen. 

50 Euro für ’ne läppische Werkstattleuchte?

Aber weil wir gerade so schön am Plaudern sind, lasse ich ihn noch wissen, dass ich eigentlich noch eine Werkstattleuchte brauche. Ich arbeite gerade an der Schaltanlage in Bodennähe und da ist es immer ziemlich dunkel. Und Dennis zieht sofort ein kleines viereckiges Raumschiff aus dem Regal und ruft fünfzig Euro auf. Och, denke ich, das ist eigentlich ziemlich teuer und außerdem sieht das Ding echt scheiße aus. »Musst du ja nicht kaufen, aber du hast nach ’ner Werkstattleuchte gefragt.« Irgendwas an diesem Satz hat mich herausgefordert und ich kaufe das Ding tatsächlich. Kann ich ja wenigstens meinen Lesern zeigen, dann ist ’ne halbe Seite voll und ich bin fein raus.

Außergewöhnlich hell, der »Brennenstuhl Akku LED-Arbeitsstrahler«. Der bringt sogar Licht in Frau Reuters dunkelste Stunden – das sind die nach zuviel Eierlikör und sowas

Hm. Zuhause pack ich das Ding aus und die Frau sagt gleich »Oh, das sieht ja schick aus!« Da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich Ehepartner auch nach hundert Jahren Ehe die Dinge dieser Welt beurteilen. Dann knipse ich die Raumschiff-Lampe an und sehe ziemlich helles Licht, in das man besser nicht reinschaut. Ist bei Tag aber wenig beeindruckend. Dann gibts erst mal Mittag und etwas Arbeit und ein Bier, und abends geh ich dann in die Garage zum Böckchen, um zu schrauben. Und schau an: Die blöde Lampe von Dennis leuchtet wie Teufel! Und zwar nicht kegelförmig, wie die Lampen, die wir sonst so kennen, sondern fast im Winkel von geschätzten 160 Grad, ohne zum Rand dunkler zu werden. Ich habe ein Flutlicht gekauft! Und nun bin ich restlos begeistert und trinke einen Obstler auf Dennis und die gute Beratung.

Die blöde Lampe leuchtet wie der Teufel!

Mit Schnaps und Bier handelt es sich mittlerweile um eine Win-win-win-win-Siuation. Die Lampe heißt »Brennenstuhl Akku LED-Arbeitsstrahler 10 W« und sieht aus wie ein Zwergenraumschiff. Das ist Fakt. Fakt ist aber auch, dass sie einen eingebauten Akku hat, der bei voller Leuchtkraft drei Stunden halten soll. Das ist aber dann viel zu hell, finde ich. Betätigt man den Einschalttaster gleich nach dem ersten Knipsen ein zweites Mal, wird die halbe Leuchtkraft aktiviert. Das genügt allemal zum Schrauben und damit hält der Akku sechs Stunden. Aufgeladen wird das Ding mit jedem normalen USB-Ladegerät, wie es für Handys und Rasierapparate oder Kameras verwendet wird. Ich hab das Teil über Nacht aufgeladen und schätze die Ladedauer mal auf 4–5 Stunden ein. Auf der Rückseite des Gerätes ist unter einer Klarsicht-Schutzklappe eine Akku-Zustandsanzeige versteckt, außerdem der USB-Ladeanschluss und, oh wie praktisch, ein USB-Ausgang, um damit wiederum andere Geräte aufladen zu können. Diese Lampe ist also gleichzeitig so ’ne Art Power Bank.

Die Lampe kann angeblich Stürze aus zwei Meter Höhe überleben

Das Ding ist feuchtigkeitsgeschützt und kann angeblich Stürze aus zwei Meter Höhe überleben, was ich jetzt nicht ausprobiert habe. Sie steht durch den mehrfach einrastenden Klappgriff in unterschiedlichsten Positionen und kann natürlich auch daran aufgehängt werden. Na klar hat die robuste Bauweise auch einen Nachteil: Das Lämpchen wiegt 850 Gramm, also fast ein Kilo. Macht nix, denke ich mir. Man kann das Ding lässig über den Boden schlittern lassen, alle Bedienelemente sind schön versenkt, die Kanten sind kunststoffgeschützt. Für mich der Einkauf des Jahres. Bei Amazon kriegt ihr die Lampe schon für unter vierzig Euro, ich lass mich aber lieber fachmännisch von Dennis anmaulen, da hab ich mehr Spaß beim Einkauf. Geliefert wird die Lampe mit Kabel und Tasche, das Netzgerät müsst ihr zu Hause rumliegen haben.

Meine Empfehlung des Monats – wer hätte das gedacht, Fahrbier!

Das Thema Bier hatten wir ja schon auf dem Tisch. Und ich sage es immer wieder gerne: Ich kann alkoholfreies Bier nicht ausstehen. Ich finde, das ist wie Gummipuppen ficken. Irgendwas fehlt. Wahrscheinlich das gute Gespräch vorweg. Nun soll es aber ja ein ganz leckeres alkfreies Bier geben, das heißt »Helge‘s Fahrbier«. Für das Apostroph hinterm Namen sollte man Helge natürlich die Ohren langziehen, fürs Bier allerdings nicht. Helges Bier ist ganz klar an die motoraffine Kundschaft gerichtet und kommt in meinem Fall in einem wirklich flotten 6er-Pack-Karton mit sechs aufgemalten Zylindern daher. Ist schon mal schön anzuschauen. Das Bier selbst ist für mich eine Herausforderung. Ich reiße die erste Flasche also mittags um zwölf auf und fühle mich etwas schmutzig. Bier zur Mittagszeit! Nun hat das Getränk gerade unsägliche zehn Grad, was mir VIEL zu kalt ist. Aber der erste Schluck ist schon mal erschütternd lecker. Ich reiche das Bier an den Sohn weiter und der meint: lecker. Is ’n Pale oder sowas. Stimmt, steht drauf.

Fast kein Alkohol: Trotz wenig Umdrehungen macht das alkoholfreie Fahrbier ganz doll gute Laune. Das könnte am hohen Hopfenanteil liegen – oder ist einfach nur ein Placebo-Effekt, auch egal

Ein Pale hat seinen geschichtlichen Ursprung in England und ist nichts anderes als ein helles, obergäriges Bier. Helge verkauft ein India Pale, das hat deutlich mehr Hopfen an Bord. Schmeckt man gut raus, nervt aber nicht. Hopfen in hohen Dosen macht impotent, es wachsen einem Titten und man kann nicht mehr einparken. Aber die Dosis im Pale ist dennoch vernachlässigbar. Durch den höheren Hopfenanteil ist das India Pale länger haltbar als ein Pale. Das hat man sich im 18. Jahrhundert ausgedacht, als das Bier noch mit Schiffen in die Kolonien geschippert wurde. Die Burschen da im Dschungel hätten ’ne ziemliche Krawatte gekriegt, wenn man ihnen abgelaufene Plörre angedreht hätte. So viel zur Historie. Das Bier von Helge hat nur 0,4 Prozent Alkohol, also etwas mehr als ein richtiges Alkoholfreies. Vielleicht mag ich es deswegen trinken, ohne zu kotzen. Auf Zimmertemperatur gebracht (das ist meine Welt!) schmeckt das Zeugs ganz außerordentlich gut, da kommt dann auch der eigentliche Geschmack voll durch.

Nun kann ich endlich auch ohne Alkohol schlechte Laune haben

Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid, solltet ihr mal auf fahrbier.com nachlesen, was die Suppe alles kann. Eins ist mal sicher: Nach etwa vier Bier stellt sich tatsächlich sowas wie eine leicht trunkene Heiterkeit ein. Das kann aber auch am Hopfen liegen, der aus einem die Vorstufe zur Tunte macht. Oder liegt es doch am homöopathischen Alkoholanteil?  Wie sagt so schön einer von Helges Vorzeigekunden auf der Homepage: Nun kann ich endlich auch ohne Alkohol schlechte Laune haben. Recht hat er. Danke, Helge, da haben andere Leute schon viel schlechtere Süppchen gekocht. Für mich die einzige Alternative zum Echtbier!

Noch ein heisser Tipp, wie man ein anständiges Wochenende einläutet

So ihr Lieben, nun werde ich mich gleich wieder mit meiner verranzten Federboa im Flutlicht der neuen Lampe auf dem Bock räkeln und mir vorher eine schöne Flasche Wein in den Arsch stecken. So läutet man ein anständiges Wochenende ein. Hab ich mal im Privatfernsehen gesehen.

Einen schönen, gummipuppenfreien Frühling wünscht euch
euer Martin

Frau Reuter – kurz bevor er sich eine schöne Flasche Rotwein … zu Gemüte führt
Frau Reuter
Frau Reuter bei CUSTOMBIKE

Martin Reuter ist unter seinem Pseudonym »Frau Reuter« inzwischen zweitdienstältester Mitarbeiter der CUSTOMBIKE. Der freischaffende Künstler rezensiert mit spitzer Feder und scharfem Wort Produkte, die seiner Meinung nach etwas Aufmerksamkeit bedürfen. Im wahren Leben ist er als Illustrator, Fotograf und Textautor tätig und spielt ganz nebenbei Bass und Orgel in der zweitschlechtesten Band der Welt. Kulinarisch betrachtet kocht er scharf und trinkt schnell. Als echtes Nordlicht badet er selbstverständlich nur in Salzwasser. Seine Vorlieben sind V8-Motoren und Frauen, die Privatfernsehen verschmähen. Stilecht bewegt er eine 76er Harley, restauriert eine Yamaha SR 500 und bewegt sich politisch korrekt die meiste Zeit mit dem Fahrrad fort.