»Wann zum Teufel wurde diese Fat Boy gebaut« ist eine der häufigsten Fragen, die sich Olof Grönkvist immer wieder anhören muss. Die Antwort ist einfach: Nie!
Die Antwort auf obige Frage ist schnell erklärt, denn angetrieben wird Olofs »Flat Boy« von einem echten Franzosen. Der kleine V8, ein Erbstück aus der Verschmelzung von Ford France und Simca, war seinerzeit in der viertürigen Limousine Vedette verbaut. Doch beginnen wir von vorn.
Klassikerliebe
Olof ist eigentlich fest in der Oldtimer-Szene verwurzelt. Er besitzt eine feine Sammlung von Autos, die er selbst restauriert hat. »Ich habe mir das selbst beigebracht. Dabei kann ich wunderbar entspannen. Bei neuen Autos wechselt man einfach nur ein Teil aus. Aber diese alten Klassiker zu restaurieren, ist von der technischen Seite her richtig interessant.«, erklärte uns der Schwede.

Bei seinem Besuch auf der Pennsylvania Car Show in Hershey sah Olof einige Bikes mit V8-Motoren. Neben den dicken Boss Hoss fuhren auch mehrere von einem Amerikaner, der sich selbst »Honest Charley« nannte, aufgebaute Modelle mit Seitenventilern herum. »Sowohl die Dickschiffe mit Chevrolet-Motoren als auch diese Bikes von Charley fand ich einfach nur hässlich.
Ein kleiner V8
Damals begann ich darüber nachzudenken, wie man es besser machen könnte«, nannte uns Olof den Grund für die Entstehung der Flat Boy. Da sich der Autosammler mit der Historie der meisten Marken auskennt, wusste er von dem kleinen V8-Motor, der in seinen Grundzügen noch aus den 30ern stammt.

Zuhause angekommen, machte er sich sofort auf die Suche nach einem Exemplar. Im Internet wurde er fündig. Zwar musste er für die Abholung mal eben 600 Kilometer in den schwedischen Norden reisen, doch das war für Olof kein Thema. Ihn hatte der Ehrgeiz gepackt.
Schlank trotz Achtzylinder
Trotz der massiven Maschine sollte das Bike so kompakt und schlank wie möglich werden. Um dies zu realisieren, griff Olof auf die Hilfe von Fachleuten zurück. Den speziellen Rahmen bestellte er bei Calle’s Chopperdelar.

Weitere Unterstützung erhielt er von Rolf Andersson, der selbst schon einige V8-Bikes aufgebaut hatte. Er nutzte dafür meist Rover-Motoren. »Rolf brachte mich dazu, auf ein Getriebe zu verzichten.
Ausschließlich Harley-Parts
Das Bike hat nur einen Gang. Über die Kupplung und eine Umlenkung kommt die Kraft dann ans Hinterrad«, erklärte uns Olof den simplen Antrieb. Damit das Bike so aussieht wie ein Modell, das Harley nie baute, kamen ausschließlich Parts der Factory zum Einsatz.

Von der Springer-Replika bis zum Heckfender stammen alle Teile von Bikes aus Milwaukee. Den Motor hätte Olof gern noch etwas gedopt. Doch für den 2.350-ccm-Triebling gab es kaum Teile. Schon gar keine für Tuningmaßnahmen. So blieb es bei einer Revision und dem Einbau einer Wasserpumpe mit höherem Durchsatz. Wieder ein Tipp von Rolf.
Der lange Weg zur Simca Harley
Die Umbauzeit der »Simca-Harley« gestaltete sich langwierig. Um sich selber eine Deadline zu setzen, meldete sich Olof mit dem Bike für die Custom Motor Show in Jönköping an. Damit gab es kein Zurück mehr. Olof wollte sich nicht nachsagen lassen, er mache leere Versprechungen. Tatsächlich war das Bike rechtzeitig fertig. Allerdings musste es in die Halle geschoben werden.

Der Motor lief noch immer nicht. Doch auch dieses Problem konnte bald behoben werden. Vor seiner Jungfernfahrt war Olof aufgeregt wie lange nicht mehr. »Ich kann gar nicht beschreiben, wie sich das anfühlte. Das war auf jeden Fall das geilste Bike, das ich je gefahren bin. Das ist so was von Macho, da bekommst du Haare auf der Brust«, lautet die Beschreibung.
Nicht viel Drehzahl, aber bester Klang
Auf einigen Treffen war Olof mit seinem Bike der Publikumsmagnet. Die Leute waren begeistert und wollten vor allem den Sound hören. »Okay, das Bike ist kein PS-Monster. Die maximale Drehzahl liegt bei rund 4.000 Umdrehungen pro Minute. Aber der Sound ist einfach klasse«, so der stolze Erbauer. Kein Wunder, den Auspufftrakt hat er selber gebaut.

Einige Details verbessern. Vielleicht bekommt die Flat Boy auch noch mal ein anderes Lackkleid. Doch spätestens im Frühjahr hat Olof noch einen wichtigen Termin.
Mit dem Bike im Oldtimer-Club
»Ich bin wegen meiner Autos auch Mitglied im Vintage Ford V8 Club. Nach den Clubstatuten gehört auch der kleine V8 zur Familie«, freut sich Olof diebisch.

















