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Vorab: Neben der Möglichkeit, jeden anderen für euer Bike zugelassenen Lenker anzubauen, kann man natürlich auch einen bisher nicht der Betriebserlaubnis entsprechenden oder einen selbstgebauten Motorrad-Lenker anschrauben.  

Voraussetzung ist die Einhaltung der technischen, sicherheitsrelevanten und rechtlichen Anforderungen. Je nachdem, wofür man sich entscheidet, ist das Vorliegen einer ABE ausreichend, ein Teilegutachten mit Anbauabnahme notwendig oder sogar eine komplette Einzelabnahme durchzuführen. Hintergrund ist die jeweils notwendige schriftliche Bestätigung, dass das Material die notwendige Festigkeit aufweist sowie Freigängigkeit und ein korrekter Anbau vorliegen. 

Motorrad-Lenker: Der Anbau mit ABE ist unproblematisch

Bei einem im Handel oder beim Hersteller erworbenen Anbauteil werden die Erfordernisse hinsichtlich Material und Festigkeit bereits durch das passende Gutachten bestätigt. Passt der Lenker zu eurem Bike, ist auch die Einhaltung der Typengenehmigung durch das Gutachten bestätigt. Der Anbau ist in diesen Fällen unproblematisch. In diesem Fall reicht es die vorliegende ABE mitzuführen. Ist euer Bike nicht in der ABE aufgeführt, muss erst geprüft werden, ob auch mit dem Anbau eines an sich nicht für diesen Motorradtyp zugelassenen Anbauteils die Wirksamkeit der Betriebserlaubnis erhalten bleibt. Denn Besagter hat dann zwar ein Teilegutachten, d. h. die Bescheinigung, dass er als Lenker taugt, aber die Eignung für das nicht in der ABE aufgeführte Motorrad ist eben noch nicht vom Hersteller geprüft und bescheinigt.

Ohne E-Prüfnummer ist eine Einzelabnahme erforderlich

Diese Einführung war wichtig, um die Probleme eines Lenkereigenbaus aufzuzeigen. Denn für den Eigenbau bedeutet das, dass insbesondere Material, Geometrie und Festigkeit den Anforderungen eines Lenkers gerecht werden müssen und der Lenkeinschlag ausreichend, aber nicht anschlagend ist. Das Problem: Material, Festigkeit und sonstige sicherheitstechnischen Anforderungen sind nachzuweisen. Und da wir bei einem Eigenbau sind, landen wir wieder an dem Punkt der fehlenden E-Prüfnummer, d. h. es ist eine Einzelabnahme nötig. Also Stahlrohr kaufen, auf Länge schneiden, das Ding biegen, bohren, anbauen und fertig, klingt nur in der Theorie gut. Bei Recherche zur technischen Handhabung des Vorhabens begegnete ich argen Zweifeln hinsichtlich der Umsetzbarkeit einer sauberen Arbeit ohne entsprechendes professionelles Werkzeug. 

Ein Motorrad-Lenker darf nicht einfach angebaut werden

Wer es dennoch angehen möchte, sollte von vornherein an ein entsprechendes Material- und Festigkeitsgutachten denken, die vom Hersteller angegebenen Maximallasten und -momente bzw. Maximalbiegewinkel und -radien nicht überschreiten, sowie den Biegevorgang ordnungsgemäß dokumentieren. Danach bei TÜV/ Dekra, je nachdem, wo bei euch der amtlich anerkannte Sachverständige seine Begutachtungen durchführt, eine Einzelabnahme durchführen lassen. Ob es sinnvoll ist, den Aufwand und das Geld dafür in die Hand zu nehmen, sollte jeder vorab mit Weitblick für sich entscheiden. Denn Fakt ist: Ein sicherheitsrelevantes Bauteil wie der Lenker darf nicht einfach angebaut werden. Hier muss der Prüfer wissen, dass Material und Verformung den Sicherheitsanforderungen entsprechen. Erst mit der entsprechenden Abnahme ist dann auch die Betriebserlaubnis sicher.

Den eingetragenen Lenker nachzubiegen, ist keine gute Idee

Für weniger Risiko bei Abnahme, Fahrbetrieb und für die Sicherheit, einen zertifizierten Customlenker zu erhalten, ist eine Anfrage bei einem professionellen Lenkerhersteller mit den entsprechenden Vorstellungen, Individualmaßen und Angaben zum Bike dringend anzuraten und vorzuziehen. Und weil es oft nachgefragt wird: Den eingetragenen Lenker nachzubiegen, ist keine gute Idee. Jede Modifizierung führt nicht nur zu einer Änderung des genehmigten Typs, sondern birgt in diesem Bereich das Risiko eines Bruchs. Es erlischt somit die Betriebserlaubnis, da die Verkehrssicherheit zumindest theoretisch wesentlich beeinträchtigt ist.

Wehe, wenn ein Unfall auf das Eigenbauteil zurückgeführt wird

Sollte das Kind einmal in den Brunnen gefallen sein und ein Mangel festgestellt worden sein, oder im schlimmsten Fall ein Lenkerbruch einen Unfall mit Schädigung Fremder verursacht haben und dies auf ein Eigenbauteil zurückgeführt wird, ist dringend eine anwaltliche Vertretung zu empfehlen. 

Info | kreisel-jena.de

Romy Kreisel
Rechtsanwältin und Fachanwältin für Verkehrsrecht bei | Website

Romy Kreisel ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Verkehrsrecht. Seit Juni 2018 analysiert sie für die CUSTOMBIKE präzise Gesetzestexte, klärt in ihrer Kolumne »Recht und Info« Rechtsfragen rund um das Custombike-Thema und macht juristische Formulierungen für den Leser verständlich.