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In den letzten Jahren erleben Digger-Umbauten ein kleines Revival. Ein besonders schönes Beispiel dafür rollt durch Las Vegas – mit dem Twin einer Triumph T140, aber davon abgesehen völlig eigenständig.

Bis heute weiß niemand so richtig, wo die Bezeichnung »Digger« eigentlich herkommt. Entscheidend beteiligt waren an deren Entstehung aber AEE Choppers. Die präsentierten 1973 die »Street Digger«, was als erste Nennung des neuen Gattungsnamens gilt. Das Bike orientierte sich an den Dragster-Bikes der 60er.

»Sonny Boy Paint« in Los Angeles traf mit der Lackierung des Bikes voll ins Schwarze – obwohl es ja doch eher farbenfroh zugeht

Stilelemente waren eine lange, flache Silhouette, ein kleiner, meist eckiger Tank und ein kraftvoller Motor. Der sorgte dafür, dass sich die Hinterräder auf losem Untergrund schnell eingruben – und graben heißt auf Englisch eben »to dig«. Ob auch die gewöhnungsbedürftigen Fahreigenschaften der langen Bikes eine Rolle bei der Namensfindung gespielt haben, ist nicht überliefert. Fest steht aber, dass Kalifornien als Digger-Mekka gilt, der Stil aber auch anderswo viele Freunde hat.

Mit dem Motor einer Triumph T140 fing es an

US-Customizer Paul Ponkow spezialisierte sich ausschließlich auf das Customizing im 60er- und 70er-Jahre-Stil, und schreckte dabei auch vor extremen Umbauten nicht zurück. Er war Gründer des inzwischen eingestellten Labels „Bones Legacy“ in Las Vegas und restaurierte dort historische Bikes. Nebenher baut er aber auch Custombikes im Stil der 60er/70er-Jahre auf Harley- und Triumph-Basis. Vor einigen Jahren brachte Pauls Geschäftspartner Richie einen aufwändig polierten Brit-Twin mit, den er in einem alten Triumph-Chopper entdeckt hatte.

Was aussieht wie der Flakon einer noblen Parfummarke ist das Rücklicht des Diggers. Und blinken tut es auch noch

Die Jungs von Franz & Grubb in Hollywood machten den Motor mit neuen Kolben und Ventilen wieder frisch. Nach der Behandlung befand sich der glänzende T140er Paralleltwin, Baujahr 1974, wieder in bester Verfassung, wurde aber noch auf eine Zündung von Morris Magneto umgerüstet. Ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Als der Motor wieder bei Paul auf der Werkbank stand, beschloss der, einen Digger im Stil der 70er damit zu bestücken.

Klassischer Digger-Starrrahmen mit langem Gooseneck

Da gleichzeitig noch zwei weitere Projekte in Arbeit waren, konnte er ohne Zeitdruck einen passenden Rahmen organisieren. Die Suche führte ihn zum Rahmenhersteller David Bird. Der vertreibt seine Frames aber normalerweise nur über ein Händlernetz und nicht direkt an Endkunden. Über mehrere Bekannte kam der Kontakt aber dennoch zustande und David willigte ein, Paul einen besonderen Rahmen zu fertigen. So entstand nach langen Diskussionen am PC ein klassischer Digger-Starrrahmen mit langem Gooseneck.

Innerlich gestärkt und hübsch aufpoliert präsentiert sich der 750-ccm-Twin aus einer 1974er Bonneville

In den verbaute Paul einen modifizierten Triumph-Lenkkopf, dessen besondere Form besser zum Projekt passte als ein Harley-Teil. Dann wurde das Lager mit satten 43 Grad Rake montiert und eine um 14 Zoll verlängerte Springergabel von Cyclops angepasst. Das mit nur einer Feder ausgestattete Frontend kombinierte Paul mit einem 19-zölligen Rad der italienischen Marke Facem. Obwohl optisch ähnlich, ist das Hinterrad eine Sonderanfertigung der amerikanischen Firma Invader in 18 Zoll. Dessen spezielle Nabe verschraubte Paul mit einer originalen Triumph-Trommelbremse.

Psychedelische Farben und ein Prismentank

Während der Arbeiten stieß Paul in seinem Lager zufällig auf den passenden Digger-Tank. Der brauchte allerdings einige Zuwendung, weswegen er seinen Kollegen Christian ansprach, den Betreiber von Sosa Metalworks. Der Metallkünstler verschweißte Prismentank und Heckfender fest mit dem Rahmen und steuerte einige eigene Ideen bei. Er gestaltete unter anderem das filigrane LED-Rücklicht, das beim Bremsen zu blinken beginnt und so die Verzögerung anzeigt.

Kalifornien galt als das Mekka der Digger-Umbauten. Heute wird das Erbe vor allem in Las Vegas gepflegt

Die perfekte Auspuffanlage für seinen Digger fand Paul schließlich bei Lucas von The Factory Metal Works (TFMW). Sie verläuft eng an der rechten Seite von Motor und Rahmen entlang, was die schlanke Linie des Bikes weiter betont. Nachdem das Bodywork erledigt war, kam der Rahmen zu »Sonny Boy Paint« nach Los Angeles. Dort beschrieben Paul und Richie nur knapp ihr Konzept und nannten die bevorzugten Farben. Das reichte Sonny Mouneu, dem Inhaber des Ladens, als Inspiration.

Triumph T140 Digger bekommt »Artistry in Iron-Award«

Letztlich brauchte die farbenfrohe Lackierung zwar etwas länger als geplant, fing aber perfekt den Spirit des Diggers ein. Pauls Mühen waren nicht umsonst. Dank der Hilfe seiner Kollegen fährt er heuten eine Triumph durch Las Vegas, die dort seit den 70ern keiner mehr gesehen hat. Davon war auch die Jury der »Artistry in Iron« beeindruckt und zeichnete Pauls Digger mit dem Editors Choice Award aus. Eine große Ehre.

 

Steve Kelly