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Heute testet Frau Reuter Motorständer für einen kleinen Dax-Eintopf und Aufkleberentferner, der so ziemlich alles entfernt, was nicht aus Metall ist. Und er hat in die Röhre geglotzt und etwas entdeckt, was ihr wahrscheinlich schon lange kennt …

Einen Ständer kann man immer mal gebrauchen. Diese elementare Weisheit kommt aus dem Wissensfundus meines Freundes Hippie. Allerdings stammt die Floskel noch aus Zeiten, in denen er am Wochenende mal hie und da eine weibliche landwirtschaftliche Hilfskraft oder eine seiner Frisörinnen flachlegte.

Hippie hatte nie einen richtigen Ständer …

Aktualisiert sollte es heute wohl heißen: Ein Weinglas kann man immer mal gebrauchen, denn seit er bei Frau Kleinfeld den Garten macht, wird er regelmäßig mit Riesling und anderen Scheußlichkeiten gefüttert. Und Frau Kleinfeld wird er wohl kaum flachlegen. Das verstieße gegen das Artenschutzgesetz und gegen die Genfer Konventionen. Hippie hatte außerdem nie einen richtigen Ständer. Also, einen Ständer, wie er hier besprochen werden soll. Denn es geht, und ich ahne, dass ihr euch nun wieder beruhigt zurücklehnt und aufatmet, um Motorständer.

Was früher gut war, klappt auch heute noch: Der einfache Aufbau eines Motorständers für einen alten Harley-WL-Motor

Hippie baut seine Motorständer stets aus Holz. Das ist nicht mal abwegig, denn sogar im Werkstatthandbuch zur Harley-Davidson WL/WLA/WLC wird der einfache Aufbau eines Motorständers aus Holzklötzen beschrieben. Besser noch: Sogar eine Hebebühne, oder besser: »Arbeitsbühne mit Auffahrrampe« wird minutiös aufgeführt – ebenfalls komplett aus Holz. Nun hab ich grundsätzlich nichts gegen Holz, aber ein Motorständer darf gerne auch schlank und etwas schick sein, finde ich. Darum hab ich mir damals in den Achtzigern für meine WLA einen einfachen Stahlständer aus 25-Millimeter-Vierkantrohr geschweißt.

Frau Reuter testet: Motorständer für Daxe

Das ist bei Harleys allgemein ganz einfach (gewesen), weil es nur vier Haltebolzen gibt, die auch noch senkrecht angebracht sind. Vorn und hinten auf zwei unterschiedlichen Höhen. Sowas ist also wirklich simpel zu basteln. Mittlerweile bin ich aber recht faul geworden ich schraube zwar nur zu gerne an Motoren, aber jedes mal einen passenden Ständer zu schweißen, finde ich eher nervig. Man kann Motorständer auch fertig kaufen.

Ständer für die hängende Aufnahme von Reuters Dax-Aggregat

Für meinen Shovel-Motor hab ich mal einen Ständer für rund achtzig Mark bei Speedmonsters gekauft. Das ist einfach nur ein viermal geknicktes, vier Millimeter starkes Stahlblech mit vier Bohrungen. Einfacher geht es nicht. Sowas gibt es heute noch bei W&W in etwas schicker für 75 Euro. Wenn nun aber etwas exotischere Motoren dran sind, bleibt nur der Selbstbau oder – und nun schließt sich der Kreis – die Suche übers Internet, speziell auf eBay. Und weil ich immer noch mit der unglaublich langsam vorangehenden Restaurierung der Honda Dax meines Freundes Tommy beschäftigt bin, stellte sich auch hier irgendwann die Frage: Wie bringe ich den verkackten Motor dazu, sauber auf der Werkbank zu stehen, ohne dass er mir dauernd umkippt?

Endlich den Motor anständig auf der Werkbank abstellen

Dieser kleine Motor ist nämlich recht zerklüftet und bietet wenig Möglichkeiten, ihn einfach mal eben auf einen Ständer zu setzen. Bei eBay hab ich dann aber einen Herren gefunden, der auch Motormontageständer für eher spezielle Modelle anbietet (eBay-Verkäufername: »talent50«). Die Verarbeitung des von ihm gebauten Dax-Ständers ist okay, in diesem speziellen Fall darf man keine Wunder erwarten, denn der Dax-Motor ist bekanntlich hängend befestigt. Entsprechend tricky muss also die Umsetzung des Motorständers sein. Allerdings geht das in diesem Fall auf Kosten der Stabilität des Ständers. Darum klemme ich immer noch ein Holzklötzchen unter den Motor, damit er nicht so im Halter rumschwingt, wenn ich Hand anlege, denn der Motor wird hier ja nur von einem (!) Bolzen mit gerade mal fünfzehn Millimeter Durchmesser in der Schwebe gehalten. Jedenfalls kann ich den Motor nun endlich anständig auf der Werkbank abstellen und am Ende des Tages einfach in die Ecke schieben – ein deutlicher Gewinn an Lebensqualität.

Für 45 Euro kannste ihn nicht selbst machen

Dieser etwas komplizierter aufgebaute Ständer hat mit Porto rund 45 Euro gekostet. Dafür könnte ich ihn nur selbst machen, wenn ich das Material bereits hier rumliegen hätte. Hab ich aber nicht. Falls ihr also mal einen speziellen Motorhalter braucht – bei talent50 könnt ihr auch wegen seltener Modelle anfragen. Im echten Leben heißt der Mann passenderweise Martin Blech und hat nahezu einhundert Prozent positive Bewertungen. Ich finde es toll, wenn Leute sowas bauen. Danke, Herr Blech!

Macht richtig sauber: Eigentlich gedacht für das Ablösen von Kleberesten, taugt das Mellerud-Produkt für die Entfernung von fast allem, was nicht metallischen Ursprungs ist

Ganz am Rande möchte ich euch noch eine Flüssigkeit vorstellen. Diesmal OHNE Alkohol. Ich weiß im Grunde genommen gar nicht, wobei es sich hier wirklich handelt. Ich hatte es im Baumarkt gekauft, weil die mich beratende Pusse meinte, damit bekäme ich ALLES weg. Das hätte ich natürlich gern sofort bei Trump ausprobiert, aber der ist ja so weit entfernt. Ich wollte einfach nur extrem hartnäckige Dichtungsreste entfernen, darunter auch Sikaflex, was bekanntlich klebt wie afghanische Katzenscheiße. Mein kurzes, schmerzloses Urteil: Das Zeug ist großartig. Obwohl es mit »Aufkleber Entferner« betitelt ist und überwiegend aus anionischen Tensiden besteht, ist es außerordentlich aggressiv gegen alles, was nicht metallenen Ursprungs ist.

Den Aufkleberentferner nicht für Aufkleber verwenden

Fast vergleichbar mit einem starken Abbeizer. Ich hab jedenfalls respektvoll Gummihandschuhe getragen, als ich damit mein Motorgehäuse saubergemacht habe. Und danach noch die Lüftungsluke vom Wohnwagen, aber das gehört gar nicht hierher. Für Aufkleber würde ich das Zeug übrigens gar nicht verwenden, da gibt es besseres. Aber bei Teer, Ruß, Dichtungsresten und anderen Motorverkeimungen hilft das Zeug gut. »Mellerud Aufkleber und Klebereste Entferner« heißt es, kostet rund sieben Euro und ist in jedem Baumarkt zu finden.

Ein Serienjunkie wird unser Martin nicht mehr, aber »Breaking Bad« hat ihn dann doch so sehr geflasht, das er um eine Empfehlung auf diesen Seiten nicht drumrum kommt

Und was noch? Etwas Kultur? Kinder, ich weiß, 75 Prozent von euch haben »Breaking Bad« längst gesehen. Wahrscheinlich schon vor Jahren. Ich hatte es bis letzten Monat noch nicht. Aber als hier zu Hause Langeweile aufkam, weil das Wetter scheiße war, hab ich mit meinem Sohn diese Box mit der gesamten Serie gekauft. Und was soll ich sagen – das ist ja großartiges Kino! Mit Abstand das Beste und Fesselndste, was mir filmisch in den letzten zehn Jahren vor die Flinte gekommen ist. 

Was soll ich sagen – das ist ja großartiges Kino!

Ihr wisst, ich bin auch künstlerisch hoch anspruchsvoll, eben ein Schöngeist. Ich grüße sogar Blumen und Parkuhren, wenn sie hübsch und wohlgeformt sind. Und gerade darum kann ich diese Serie nur empfehlen: Sie ist so hammerklug gefilmt und auch noch astrein synchronisiert, dass es eine wahre Freude ist, den Mist zu verfolgen.

Frau Reuter schaut in die Ferne

Sehr spannend, grotesk, erträglich brutal – nicht so schlimm wie ein bekackter Tatort mit Schwill Teiger – und in jedem Fall extrem unterhaltsam. Sehr geil! Davon will ich mehr. Eine fette Empfehlung an die 25 Prozent, die es noch nicht kennen.

Ich geh jetzt raus in die Garage. Hippie kocht da gerade was aus dem Aufkleberentferner und Toilettenreiniger. Er meint, das kann man anschließend rauchen. Woll’n wir doch mal sehen …

In Liebe – Euer Martin

 

Frau Reuter
Frau Reuter bei CUSTOMBIKE

Martin Reuter ist unter seinem Pseudonym »Frau Reuter« inzwischen zweitdienstältester Mitarbeiter der CUSTOMBIKE. Der freischaffende Künstler rezensiert mit spitzer Feder und scharfem Wort Produkte, die seiner Meinung nach etwas Aufmerksamkeit bedürfen. Im wahren Leben ist er als Illustrator, Fotograf und Textautor tätig und spielt ganz nebenbei Bass und Orgel in der zweitschlechtesten Band der Welt. Kulinarisch betrachtet kocht er scharf und trinkt schnell. Als echtes Nordlicht badet er selbstverständlich nur in Salzwasser. Seine Vorlieben sind V8-Motoren und Frauen, die Privatfernsehen verschmähen. Stilecht bewegt er eine 76er Harley, restauriert eine Yamaha SR 500 und bewegt sich politisch korrekt die meiste Zeit mit dem Fahrrad fort.