Warum eine gebobbte Yamaha XS 650 auf direktem Wege zur Traumfrau führen kann. Ein wahres Märchen.
Eine Peinlichkeit für paparazzi-verwöhnte Promi-Damen ist es, im gleichen Fummel auf einer Party abgelichtet zu werden. Nicht ganz so krass, aber doch irgendwie befremdlich ist es, an einem anderen Bike die Spezialteile oder Umbauten zu sehen, die man am eigenen Motorrad dran hat und für einzig hielt. So ging es Nao, als er sich in Tokio auf seinem Yamaha-XS-Bobber im morgendlichen Berufsverkehr zwischen den Autos durchschlängelnd ins Büro durchkämpfte.

Und wie es beim Schlangestehen nun mal so ist, bewegte sich die andere Kolonne diverser Scooter und Motorräder eine Fahrspur weiter rechts wesentlich schneller an den Autos vorbei als bei ihm. Und plötzlich sah er im Augenwinkel das gleiche Metallic-Giftgrün im Sonnenlicht blitzen, das er auf seiner XS für einmalig hielt. Eine winzig kleine Honda wieselte da rechts an ihm vorbei, nur eine Wagenbreite weit weg.
Eine Honda in Grün
Und weg war sie! Nicht nur die Honda, denn Nao konnte noch sehen, dass da eine Frau am Lenker zirkelte. Das ist in Tokio nichts Besonderes, aber dieses Grün! Nao bekam vor Neid einen ähnlichen Farbton im Gesicht.

Von Neugierde getrieben wechselte die Gesichtsfarbe ins Rötliche und die Yamaha schnell die Fahrspur, um dranzubleiben. So eine XS ist ja schon eine Drehmoment-Dampfwalze, aber wenn sich alles staut, auch die Zweiräder, hilft das eben auch nichts. An einer Ampel kam Nao dann endlich direkt hinter dem kleinen Rücklicht zum Stehen, das genauso aussah wie sein eigenes.
Offene Tüten – schon immer sexy
So offene Sidepipes haben ja den Vorteil, dass sie akustisch die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wenn sie im Leerlauf vor sich hinblubbern. Ein kurzes Lächeln blitzte unter der Halbschale zu Nao zurück, und die Honda-Pilotin machte einen scharfen Haken nach rechts zwischen den Autos durch, schob dann das Mopped über den Zebrastreifen zur anderen Straßenseite und fuhr weg. Ja, so kann man auch abbiegen.

Der Radstand von Naos XS ist viel zu lang für solche Manöver, und er musste pünktlich ins Büro. Aus der Traum.
Wiedersehen macht Freude
Aber am nächsten Samstag fuhr Nao gleich zu Daisuke von Animal Boat, dem Customschrauber, der seine XS aufgebaut hatte. Denn diese kleine Honda trug genau Daisukes Handschrift und diesen Grünton! Und während sie bei einer Dose Kaffee aus dem Verkaufsautomaten so dastanden und Daisuke höflichst klarzumachen versuchte, dass so eine große Dose Farbe unter Umständen schon für mehr als ein Motorrad reichen kann, hielt genau vor ihnen die kleine Honda mit einem Farbauftrag, der unwiderruflich aus besagter Farbdose kam.

Die Fahrerin stieg ab, obwohl man bei so langen Beinen und so niedriger Sitzbank eigentlich nicht von Absteigen sprechen kann. Romi, so stellte Daisuke sie Nao vor, hatte ähnliche Fragen den Farbauftrag betreffend an Daisuke, der sich mit einem Lächeln wegen eines anderen Kunden entschuldigte und sich so der potenziell peinlichen Situation entzog.
Minibike customized
Nao spendierte Romi einen Kaffee und fragte nach den Umbauten der Honda. Nun, Romi sieht nicht nur gut aus, sondern hat auch Ahnung. Ihre Honda ist eine CJ 50 J R&P von 1975.

Die Jungs von Animal Boat haben einen Tank von einer Yamaha TY 50 draufgeschraubt und die kleinen Räder mit fetten Reifen im Format 6.70-10 von einer Suzuki RV VanVan 90 eingebaut. Dazu wurde das Rahmenheck geändert und der Schwingarm um 70 mm verlängert. Und natürlich alles grün lackiert.
Hübsche Kleinigkeiten
Dazu Kleinigkeiten wie ein offener Ansaugtrichter und kurzer Auspuff – auch offen. Ein vorderes Schutzblech, das den Reifen abdeckt, wäre wohl größer als der Rest der Maschine und wurde deshalb weggelassen. Ein giftiger, kleiner Bobber! Deshalb in Grün!

Romi will von Nao wissen, ob der Tank auf der Yamaha nicht von einer Honda CB 50 stammt. Nao ist ziemlich erstaunt ob so viel Fachwissen, muss das bejahen und versucht, seine eigene Kompetenz an die Frau zu bringen. Auch seine XS 650, mit Baujahr 1978 kaum jünger als die Honda, hat eine verlängerte Schwinge und den Rahmen gestreckt.
Yamaha und Honda – ab sofort im Doppelpack
Darin drehen sich kantige, auf Aluhochschulterfelgen montierte 4.00-18-Zoll-Avon-SM-Reifen. Die 33-mm-Keihin-CR-Rundschiebervergaser sorgen für gutes Drehmoment und Ansprechverhalten. Ob sie auch mehr Höchstleistung bringen, interessiert Nao nicht sonderlich.

Ihn interessiert mehr das Lebensgefühl und das Design. Romi geht’s genauso, und beide haben dann schnell herausgefunden, dass sich die Gemeinsamkeiten nicht nur auf Custombikes beschränken. Da macht’s gar nichts, dass beide Maschinen nur Einzelsitze haben – ab jetzt wird trotzdem zu zweit gefahren.
Mehr Hubraum als ein Schnapsglas
Und wenn Nao sagt, dass seine XS ordentlich Hubraum hat im Gegensatz zu Romis Schnapsglas-Honda, dann holt Romi ihren 1970er Dodge Challenger Coupé mit 6,3-Liter-V8 aus der Garage. Den leiht sich Nao auch gern mal aus. Auch wenn er knallrot ist und nicht giftgrün.













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