Die Yamaha XS 650 ist ein Herzensprojekt – bewaffnet mit Schleifmaschine und Schweißgerät nahm Jan es in Angriff
An Motorrädern werkelt der Niederländer Jan schon länger, verfallen ist er den Choppern. Den letzten, eine Triumph, kaufte er noch, umgebaut natürlich, maßgeschneidert auf ihn. Selbst einen Chopper bauen? Nein, zu groß war der Respekt, »ich war doch nur so ein Bastler«.

Immerhin, aus dem Basteln wurde mit der Zeit bauen. Während die Triumph als Fahrgerät diente, entstand in Jans Schlafzimmer – ja, richtig gelesen – ein erstes eigenes Projekt, eine Honda CB 500. Zudem hatte er sich zum gemeinsamen Fahren einen Freundeskreis aufgebaut. In dem Zuge traf er Peet, der die Leidenschaft fürs Schrauben genauso teilte wie die für alte Motorräder. Und die Yamaha Dragstar, die Jan zwischenzeitlich fuhr, war dann auch schnell nicht mehr sein Ding.
LENKKOPF ALS EYECATCHER
»Seitdem wir uns kennen, treffen wir uns jede Woche, manchmal nur einmal, manchmal viermal. Zum Schrauben und zum Diskutieren«, erzählt Peet, »ich finde nicht alle Ideen von Jan gut und ich bestehe drauf, möglichst viel selbst zu bauen. Wir kaufen wenig, hier liegen genug Stahlreste rum, aus denen man noch was machen kann«. In Peets Werkstatt entstand der XS-Chopper. »Den Stil finde ich selber gut, daher war ich bei dem Projekt sofort mit am Start.«

Die Yamaha war bei Kauf bereits generalüberholt, motortechnisch eine gute Sache. Allerdings wusste der optische Rest nicht zu gefallen, so fiel es Jan und Peet nicht schwer, die Säge anzusetzen. Um den Stil der 70er-Jahre in die Niederlande der Neuzeit zu holen, war allerdings mehr nötig als ein reiner Chop-Job.

Der Rahmen wurde von Nick Heere, Meister seines Fachs, umgebaut. Er ist nun länger, starr gelegt, mit einer verchromten »Schwinge« versehen und trägt den markanten Lenkkopf, der den Gooseneck zum Gooseneck macht. Details wie die verchromten, selbstgebauten Blockstützen unter dem Tank machen das Motorrad zudem zu einem Einzelstück.
Yamaha XS 650 mit langer Gabel
Aber noch etwas ist elementar, will man standesgemäß wie die Urväter unterwegs sein. »Eine lange Gabel natürlich«, weiß Jan. Zwar hatten sie es erst mit kurzen Holmen probiert, gefallen wollte das den Freunden aber nicht. Also musste Überlänge her. »Dadurch hängt das Motorrad leicht nach hinten und man sitzt schön tief, so wie es sich gehört.

Aber durchaus auch unruhig beim Fahren, weswegen wir uns für einen stabilen Fender im Stil von Crazy Frank entschieden.« Der passende King-and-Queen-Sitz ist selbstgebaut, die Polsterung übernahm Menno Lenting auf Maß. Vervollständigt wurde das Set Up von einem hohen, handgebogenen Lenker, der eine saubequeme Sitzposition bietet – also, zumindest so bequem, wie es ein Chopper maximal zulässt.
Schonung für Schutzengel und Geldbeutel
Auch wenn Peet gern auf eine Vorderbremse verzichtet hätte, überwog letztlich der Sicherheitsgedanke. So wurden die Originalräder der XS beibehalten, samt Scheibe vorn und Trommel hinten – was Schutzengel und Geldbeutel gleichermaßen schont.

Noch ein schönes Gimmick versteckt sich unter der Sitzbank. Was wie ein Öltank aussieht, ist keiner. In dem vermeintlichen Gefäß steckt die Elektrik der XS, deren Kabel laufen durch Ölleitungsattrappen. Das schwarze Gold dagegen wird im zweigeteilten Tank gebunkert.
Yamaha XS 650 in tiefem Blau
Neben den dezenten Details darf die Farbe knallen. Alles, einschließlich des Rahmens, ist in einem schönen tiefen Blau lackiert. Jan lacht: »Wir haben lange über Farbe diskutiert, bis ich eine Dose Kaugummis kaufte, die genau die richtige Farbe hatten. Mit den Kaugummis gingen wir zum Lackierer, und so wurde die Yamaha Menthol-Fresh-Blue.« Flammen in Blattsilber und Pinstripes setzte Frank »Inca« Stienen auf den blauen Lack.

Am Ende sind die Freunde Jan und Peet sehr zufrieden mit ihrem Projekt, »ihr werdet keine zweite solche XS finden«, sind sie sicher und wenden sich neuen Arbeiten zu. Bei Peet entsteht gerade eine Sportster und Jan arbeitet an etwas, »was einfach nur Spaß macht. Ihr werdet schon sehen.«















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