Manche Bikes passen in keine Umbaukategorie. Es wäre wohl auch nicht angemessen, diese Yamaha VMax als eine von vielen bezeichnen zu wollen.
»Ich möchte niemanden kopieren, ich baue Bikes in meinem eigenen Stil. Und so etwas habe ich jedenfalls noch nie gesehen«, die Selbsteinschätzung des Schweden Torgil Duncansby beim Blick auf die eigene Kreation ist absolut angebracht. Den kreativen Kopf füllt er regelmäßig mit Input von außen. Torgil liest alle Custom-Magazine, die er in die Finger bekommt.
Die Großen als Vorbild
Auch die einschlägigen TV-Shows kennt er, genau wie die Namen aller führenden Customizer. Besonders schätzt er Roland Sands, Dave Cook und Gard Hollinger. Seine spezielle Bewunderung gilt aber Billy Lane.

»Der Kerl bewegt sich zwischen Genie und Wahnsinn. Dabei zögert er nicht, einfach neue und einzigartige Sachen zu erschaffen. Das versuche ich auch«, erklärt uns der selbstständige Zimmermann. Normalerweise verdient er sein Geld mit der Renovierung von Häusern für betuchte Leute. Diese Objekte richtet er, je nach Gusto der Auftraggeber, auch mal in gewagten Stilen und mit ungewöhnlichen Materialien ein.

Dass er ein ungewöhnlicher Mensch ist, zeigt sich auch an seinem nicht sehr schwedisch klingenden Nachnamen. Duncansby liegt an der nordöstlichen Spitze von Schottland. Hier fiel Torgil vor seiner Verlobten auf die Knie und fragte sie, ob sie ihn heiraten wolle.
Pragmatische Basis
Den Namen übernahmen sie dann auch noch. Wer jetzt noch zweifelt, dass der Schwede nicht der Norm entspricht, der sollte sich sein Bike mal genauer ansehen. Es handelt sich hier bereits um sein zweites VMax-Projekt. Allerdings ist er kein absoluter Fan des Modells. Vielmehr hat das ganz pragmatische Gründe, wie uns Torgil erzählt: »Der Preis ist schuld.

Parts für die Mäxxe gibt es immer noch relativ günstig. Den Motor habe ich für auf einem Schrottplatz in England gekauft. Ein weiterer Vorteil: Ich muss nicht noch extra leistungssteigerndes Zubehör kaufen. Und die Japaner bauen gute Qualität. Das hat mich überzeugt.« Das Projekt begann mit dem Bau des Rahmens.
Simple Elektrik
Der ist über dem Motor etwas höher ausgefallen, da dort eine Batterie Mikunis ihren Dienst tut. Die serienmäßigen CV-Vergaser mussten weichen. Zwar wäre beim Einbau einer Einspritzanlage weniger Platz verbraucht worden, doch der Stockholmer wollte die Elektrik so simpel wie möglich halten.

Als nächstes stellte er sich der Herausforderung, den Kardanantrieb auf Kette umzurüsten. Das ging leichter als gedacht. Die Antriebswelle wurde verlängert, bekam ein Stützlager und ein Ritzel verpasst. Fertig. Die Kette läuft nun durch die natürlich auch selbst gebaute Monoschwinge zum Hinterrad. Das stammt aus einer Honda VFR und wurde auf 12 Zoll verbreitert.
Kraftwerk mit 330er Walze
Das war nötig, um den fetten 330er Avon aufziehen zu können. Trotz aller Bedenken wegen der Handlichkeit wollte Torgil hier nicht auf den fetten Schlappen verzichten. Die Optik war ihm wichtiger. Das Frontend stammt wieder von Yamaha. Eine Warrior-Gabel führt das Rad einer R1 inklusive Bremsanlage. Nachdem das Gröbste erledigt war, ging es um die Details.

Im örtlichen Fahrradladen kaufte Torgil einen Brooks-Sitz. Doch an Landsmann Stellan Egelands Weltmeister-Bike »Hulster« war ebenfalls ein Brooks-Sattel verbaut. Weil Torgil das nicht kopieren wollte, baute er sich letztlich einen eigenen Sitz aus Carbon.
Miss Mayhem ist ein Weibchen
Im Laufe des Aufbaus hatte der Schwede einige Probleme zu lösen. Das brachte ihn darauf, das Bike »Mayhem« zu nennen. Die Bezeichnung steht für nichts anderes als Chaos. Zum Schluss nannte er das Gefährt schließlich »Miss Mayhem«. »Bikes sind wie Schiffe, weiblich«, lautet die interessante Erklärung des Schweden. Das Bike ist, bis auf fehlende Blinker und den Kennzeichenhalter, straßentauglich – in Schweden natürlich.

Für solche Feinheiten fehlten Zeit und Lust. Auf der Norrtälje Custom Bike Show erregte die Miss Mayhem unsere Aufmerksamkeit. Zwar hatte sie da noch Probleme – der Auspuff schepperte am Kühler – doch inzwischen läuft das Bike wie ein Schweizer Uhrwerk.
Next Max Please!
Pläne für ein weiteres V-Max-Projekt existierten da bereits. Den Motor will Torgil mit einer selbst gebauten Einspritzanlage versehen – ausgelegt für den in Schweden weiträumig erhältlichen Biosprit E85. Keine Frage, wieder ein besonderes Vorhaben – irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn.










