Was haben eine Grillfleischbestellung und eine Yamaha R1 gemeinsam? Nicht viel, aber bei genauer Betrachtung findet sich doch ein Zusammenhang.
Der deutsche Griller und der deutsche Zweiradenthusiast haben eines gemeinsam. Ihre Sturheit, wenn es darum geht, was auf den Grill kommt und wie ein Motorrad zu funktionieren hat. Ich bin da ein guter Deutscher: Auf den Grill gehört Fleisch und in ein Motorrad ein Verbrennungsmotor und natürlich Sprit in den Tank.
Stromanschluss auf dem Tank
Zucchinis grillen funktioniert genauso wenig wie Elektromotorrad fahren. Dies war meine feste Überzeugung – bis zu dem einschneidenden Erlebnis mit dieser Yamaha R1 und dem Stromanschluss auf dem Tank. Dass der Besitzer und Entwickler dieses doch sehr eigenartigen und ungewöhnlichen Bikes immer für eine Überraschung gut ist, war schnell klar, als ich seinen Fuhrpark gesehen hatte.

Heiko Fleck baut Dieselmotoren in alte Fatboys oder neue Speed Triples und eben auch mal ’ne Batterie in den Supersportler. Ein Frevel? Nein, es ist am Ende doch Schraubergeist, der hinter solchen Ideen steckt.
Ein Frevel? Nein, Schraubergeist!
Als Louis-Guillaume Perreaux 1868 sein Dampfmotorrad entwickelte und patentieren ließ, wurde er wahrscheinlich von den Pferdebesitzern belächelt. Und was ist? Pferde sind aus dem heutigen Straßenbild gänzlich verschwunden, bis auf ein paar Cowboys auf Reklametafeln.

Die Zeit wird uns einholen, irgendwann ist das Öl alle und unsere Kinder oder Enkelkinder werden dann wohl nur noch auf Elektrobikes durch die Gegend düsen. Also warum soll man nicht mal was Neues probieren. Gesagt, getan und rauf auf die E-R1.
Yamaha R1 – Da fehlt doch was?
Das Erste, was auffällt, wenn man den Schlüssel dreht: Es fehlt etwas. Das Vibrieren und Surren eines 998-Kubik-Reihen-Vierzylinders zum Beispiel. Da ist in dem Fall absolut nichts – kein Brummen, Surren, Vibrieren oder Wackeln, einfach nichts.

Die Frage nach dem »Ist die schon an?« kann man sich sparen, die Kontrolllampe sagt »Ja«. Kein Ganghebel, keine Kupplung, also was tun? »Einfach am Kabel ziehen«, sagt der Erfinder.
Leistungsentfaltung pur
Gut, wir tun, wie uns geheißen, schon geht sie los, die bunte Fahrt. Das Drehmoment ist gewaltig, die Leistungsentfaltung direkt verfügbar und treibt die R1 ziemlich zügig auf eine angenehme Reisegeschwindigkeit. Die Reichweite der Akkus ist sehr fahrstil-abhängig, dementsprechend sollte man für die Vollgasstrecke die Heimatsteckdose nicht aus den Augen verlieren.

Es macht Spaß, das Ding zu bewegen, auch wenn das Schalten und Kuppeln fehlt. Ein weiterer Vorteil des relativ geräuschlosen Vorwärtsgleitens ist schnell offensichtlich, den MP3-Player braucht man nicht so laut aufzudrehen wie sonst. Alles in allem macht das Ding wirklich Spaß, auch wenn die Reichweite und der Topspeed nicht mit einer echten R1 zu vergleichen sind.
Verbrenner bleibt Verbrenner
Aber über eine Sache sollten wir uns alle im Klaren sein, irgendwann verschwinden die Verbrennungsmotoren aus dem Straßenbild, genauso wie die Pferde verschwunden sind. Und noch was steht trotzdem unumstößlich fest, Zucchinis gehören nicht auf den Grill und ein Verbrennungsmotor bleibt ein Verbrennungsmotor. Aber ganz leise darf ich es trotzdem sagen: Die Elektro-R1 rockt!

Alles Elektrisch
Was in Deutschland noch immer hinterherhinkt, fährt im Rest der Welt schon voll auf Angriff. Elektrobikes erobern Märkte, und waren nicht zuletzt auch auf Rennstrecken dabei. Selbst auf der Isle of Man gab es schon mal eine emissionsfreie Elektro-Klasse – die allerdings 2020 eingestellt wurde.
Dadurch, dass wir hintendran sind, muss Heiko bei Bau seiner Elektrobikes auf Importmaterial zurückgreifen. Im Falle der R1 setzt er dabei auf indisch-englische Agni-Motoren mit Wechselspannung und einer Ausrichtung auf 70 bis 120 Volt, die er über einen Schweizer Importeur bezieht. Bevor der Antrieb ins Chassis darf, ist ordentlich Pfriemelei angesagt.
»Eine Woche dauert der Bau des kompletten Blocks schon«, erklärt Heiko das Zusammenstecken der einzelnen Lithium-Mangan-Zellen mit meterweise Draht. Vor der Fahrt ist Aufladen angesagt, ein bis drei Stunden dauert das. Danach kann man bis zu 100 Kilometer weit fahren, maximal 160 km/h schnell. Der Stromverbrauch für diese Strecke liegt zwischen ein und zwei Euro. Mit genügend Kleingeld können Reichweite und Topspeed mittels mehr Akkus noch erhöht werden, dann gehts mit 200 km/h bis zu 150 Kilometer weit.














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