Auch wenn einem keine Fehler unterlaufen, kann der Spruch »beim nächsten Mal mache ich alles anders« sinnvoll sein. Umbauprotokoll einer Yamaha XV 1900.
Lange bevor sie für ihre Victory- und Indian-Umbauten bekannte wurden, haben sich Ludwig und Peter von H&B Motorcycles vor allem um japanische Cruiser gekümmert. Im Rückblick darauf kommen einem einige technische Schmankerl in den Sinn: 280er Schluffen, Einarmschwingen, Dickspeichen und mehr. Es war oft aus dem Vollen geschöpft worden.
Exklusiv, aber zurückhaltend
Dieser Umbau auf Yamahas XV 1900 Midnight Star ist da schon anders und auch weit zurückhaltender. Natürlich, auch hier durfte es exklusiv sein.

Aber eben das Ganze eher in Richtung oldstylig, statt absolutem Übermaß
Preisdrücker
Garant für ein zufriedenstellendes Ergebnis war die leicht verunfallte Yamaha XV 1900, die während einer Probefahrt unsachgemäß im Grünen abgestellt wurde. Der Lenker war verbogen, der Tank eingedrückt und die Chromzierleisten verbogen, auch das linke Trittbrett und der Scheinwerfer waren nicht mehr zu retten.

Normalerweise laufen da enorme Kosten auf, um den Originalzustand wiederherzustellen, aber das ist einem Customizer ja zuwider. Und da kam der Preisvorteil durch den Schaden gerade recht, da die beschädigten Teile sowieso auf der Austauschliste standen.
Mattweiß, eine eher ungewöhnliche Lackwahl
Außer dem Tank, der hatte seine Daseinsberechtigung noch nicht verwirkt. Aber ein wenig Veränderung konnte der schon vertragen. Neben der Wiederherstellung der Oberfläche wurde der cleanen Optik zuliebe ein Popup-Tankdeckel implantiert. In diesem Zusammenhang drängte sich natürlich die Frage nach der neuen Farbgestaltung auf.

Auch hier griff der gute Vorsatz, die Wahl fiel entgegen der früheren Effektlackierung auf ein einfaches Mattweiß. Hieraus resultierte dann auch die Idee mit der Billardkugel, der schwarzen 8.

Obwohl es eigentlich von der Grundfarbe her ein Widerspruch ist, erhielt das Bike hiernach auch seinen Namen – Black Eight. Der Bezug zum Billard führte auch zu den diversen Bohrungen, die man immer wieder in Deckeln oder dem vorderen Fender findet.
Farbunterschiede
Da zwischen Pulverbeschichtung und Lackierung trotz gleicher Farbnummer Abweichungen auftreten können, bekamen auch die Felgen ihr Weiß aufgesprüht. Die hintere wurde vorher noch auf die Felgenbreite von 9 Zoll aufgeblasen.

Dank Verwendung eines dünneren Belts läuft das Rad noch immer mittig. Für die nötige Bodenhaftung sorgen die Cobras von Avon. Dazu Ludwig: »Avon hatte da gegenüber dem alten Venom einen Riesensprung nach vorne gemacht.« Damit der verwendete 250er hinten auch gut sichtbar ist, kam diesmal kein seitlicher Kennzeichenhalter zum Einsatz.
Kein seitliches Kennzeichen
»So’n Teil haut man sich beim Schieben und Verladen immer in die Haxen«, meint Ludwig und spricht da wohl aus Erfahrung. Aber Moment, wenn das Nummernschild nicht an der Seite ist, blockiert es doch den Blick auf den Reifen, oder?

Also, es gibt da eine alte und doch seltener genutzte Möglichkeit: auf dem Fender. Zur Verwirklichung diente die originale Halterung, unterstützt von einem neuen Unterlegblech. Beim Lenkeisen ging Ludwig ganz unkonventionelle Wege. Auf einer Messe sah er das hier verbaute Z-Modell, aber nur als Prototyp.
Z-Lenker, Kabel innen
Die Produktion, geschweige denn ein TÜV-Gutachten, waren gerade in Planung. Er bekniete den Händler so lange, bis er zusagte, das erste gefertigte Serieneisen nach H&B zu schicken. Nach Erhalt wurde es sofort farblich angepasst und für die Kabelinnenverlegung angebohrt. Der Einzug der Strippen gestaltete sich wegen der spitzen Winkel äußerst schwierig.

Am Ende wurde aber alles gut – fast ein bisschen schade, dass die goldenen Zwiten der Japan-Cruiser vorbei sind.
Info | H&B Motorcycle












