Triumph T120 – Rock ‚N‘ Rocket

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Irgendwann kritzelte Roland die Zeichnung seines Traumbikes auf ein Stück Papier. 20 Jahre später stand seine Triumph T120 vor uns.

Mädchen träumen von Prinzen, Jungs von Mopeds, einfache Sache. Und bei beiden dauert es bis zur Erfüllung des Traumes oft Jahre. Mädchen verbringen diese mit Fröschen, die nie Prinzen werden, Jungs wie Roland fahren SR 500, XT 500 und peinliche Mittelklasse-Kröten.

Ein Traum auf Papier

Und daneben noch die Herzensguzzi, die als Café-Racer-Umbau in Rolands Garage steht. Und trotzdem, der Traum von der Starrrahmen-Triumph, der bleibt immer. Vor vielen Jahren malt er sie schon auf Papier, Freund Günny hat eines der Bildchen sogar in seinem Wohnzimmer hängen.

Houston, wir haben kein Problem: Die Tacho-Rakete treibt uns völlig problemlos auf Höchstgeschwindigkeit – und der ganze Weltraum ist ein roter Bereich

Jedes Mal, wenn die zwei über ein neues Projekt sprechen, denkt Roland an die Bilder und an »seine« Triumph, geworden ist daraus aber lange nichts. Und irgendwann, da geht alles ganz schnell. Kurzentschlossen kauft er eine verbastelte T 120 aus Nürnberg.

Beim Kauf ein Sündenfall

»Total vorverlegte Rasten, Doro Pesch auf dem Tank, na ja, ein Moped aus den 90ern«, beschreibt er die Sünden eines anderen. Immerhin, der Motor läuft. Und da alles in einen Passat passen muss, wird die Möhre noch vor dem Transport direkt zerlegt.

Ehrensache: Dieses Eisen muss klassisch getreten werden

Modetrends sind dem Biebesheimer zu kurzweilig, er mag das Klassische, Zeitlose. Schwarz und Chrom werden also irgendwie zur Pflicht beim starren Umbau, eine Prise Rock’n’Roll gehört sowieso dazu. Und Selbstbauen auch: »Plug and Play ist nicht meine Sache … man muss schon schwitzen, sich Gedanken machen, tüfteln und etwas entstehen sehen«, erzählt der Hobbybastler.

Ein Spritgefäß aus Tschechien

Eine Basis für einen geeigneten Tank fand er in den Spritgefäßen von tschechischen Jawas. »Der hat so eine Sicke obendrauf, und die passt besonders gut zum originalen Schutzblech einer Speed Twin«, erklärt er die Wahl, ein bisschen umschweißen muss er den Behälter allerdings schon noch. Das Schutzblech bringt er mit einem Wagenheber von den originalen 18 auf die angepeilten 16 Zoll.

Die Minirockets an den Zündspulen sind selbstgefräste Jungs-Phantasien

Fenderstruts und Nummernschildhalter legt der Selfmade-Schrauber filigran aus. Trotz seines Eifers finden auch ein paar Kaufteile den Weg an die Bonnie. Beim Freakie, der selbst gerade einer TR 6 zu Straßenehren verholfen hatte, kauft Roland nicht nur die neuen Speichenräder und die LED-Beleuchtungseinheit fürs Heck, sondern bekommt ’ne Menge Spritgespräche obendrauf.

Handmade ist Tr(i)umph

Also selber machen. Und da handmade nun mal Tr(i)umph ist, nimmt sich Roland am Ende sogar die Lackierung selber vor. »Wie willst du auch einem Lackierer sagen, wo das Rubinrot wie durch das Schwarz durchscheinen soll? Schließlich soll die rote Rakete auf dem Tank nur beim zweiten Hinsehen zu erkennen sein. Also selber machen«, gibt sich der Schrauber kompromisslos.

Starr nach vorne ohne lästigen Ballast: Das Baujahr 1952 genehmigt die Umsetzung aller schlanken Wünsche ohne allzu große TÜV-Akribie

Nur für die Pinstripes und den ebenfalls handgemalten Schriftzug übt er vorher kräftig, »am Schraubstock, am Beachcruiser der Freundin, auf’m Handy und dem Klodeckel … schöne Sauerei«, lacht Roland. Die Meisterprüfung am Moped fällt dagegen vergleichsweise dezent aus. Und da das Ding nun mit ein paar Pinselstrichen den Namen »Rocket« weghat, sollen auch welche dran.

Kickerpedal aus der CNC-Fräse

Roland übernachtet an der Dreh- und Fräsmaschine von Kumpel Werner und hält morgens die zwei Zündspulenverkleidungen und ein paar mehr Goodies im Raketendesign in den Händen. Das Kickerpedal entsteht ebenfalls auf der CNC-Fräse. Die Zündkabel sind jetzt quasi die Zündschnüre der Raketen, und wenn es zündet, dann eilt die aus dünnem Blech geschnittene Tachonadel über die farblich passende Tachoscheibe.

Perfekt fügt sich der Jawa-Tank ins Geschehen ein. Weißwandreifen, selbstgenähter Solosattel, Faltenbälge und obligatorische Fishtails sind Fifties pur

Der Fahrer sitzt dabei auf dem mit Mutters Nähmaschine genähten Solositzbezug. Und während der Fahrtwind die Nase kühlt, pumpt das Öl durch Kupferleitungen und den nachgerüsteten Ölfilter. Elektrik? Roland zieht die nötigsten Kabel durch den Rahmen, auf eine Batterie verzichtet er, dafür ist in der verkleinerten Munitionsbox Platz für Werkzeug.

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DM 3/26

Rocket rockt

Seine erste Ausfahrt führt den Hessen schließlich direkt auf eine unserer Verlagsparties. Dort drücken wir dem Piloten gleich mal ’ne Visitenkarte in die Hand und verabreden ein Fotoshooting. Abgehoben!

Triumph Rocket rockt: Was im Serienslang für die dickste aller Triumphs steht, wird im Rockabilly-Custom-Sound zum vibrierenden Starrrahmen-Schüttler



Technische Daten
Modell Triumph T120
Baujahr 1952
Erbauer Roland Anzer

Motor
Typ Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler
Hubraum 649 ccm
Bohrung x Hub 71 x 82 mm
Luftfilter offene Trichter
Vergaser Amal 930
Auspuff Fishtail m. angepasstem Krümmer
Getriebe Viergang
Sekundärtrieb Kette
Leistung 47 PS bei 6700/min
Drehmoment 70 Nm bei 4300/min
Vmax 165 km/h
Fahrwerk
Rahmen Einschleifen-Stahlrohr-Starrrahmen
Gabel Triumph-Tele
Räder Speiche, vo. 100/90-19, hi. 150/80-16
Bremsen vorn Duplex-Trommel, hinten Simplex-Trommel
Zubehör
Lenker T-Bar
Instrumente MMB-Minitacho
Tank Jawa mod.
Sitzbank Eigenbau
Heckfender Triumph
Rücklicht LED
Metrie
Leergewicht 180 kg
Radstand 1670 mm

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Fotos: Dirk Behlau
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