Im Zuge der Retromode ist es nur logisch, dass auch US-Boys britische wieder entdecken. Modelle wie diese 2002er Triumph Bonneville werden mit den bekannten Stilmitteln gechoppt und gebobbt.
Was aus Nähmaschinen mit Migrationshintergrund doch so alles werden kann. Zum Beispiel der Marktführer im Document Business. Denn die modernen TA-Bürosysteme haben ihren Ursprung im früheren Nürnberger Motorradwerk von Siegfried Bettmann und Maurice Schulte.

Nachdem die beiden Emigranten Nähmaschinen nach England importiert und in Birmingham hergestellte Fahrräder exportiert hatten, gab’s mit der beginnenden Motorradproduktion die Triumph Engineering Company in England und eben das Triumph Werk Nürnberg. Sogar die Triumph-Automobile, hierzulande am bekanntesten der Sportwagen Spitfire, wuchsen aus dem deutschen Samen. Für die schwäbische Korsettmanufaktur namens Triumph sind die gebürtigen Bayern jedoch definitiv nicht verantwortlich.
Style statt Sport
Dafür beginnt bei ihnen eben irgendwie die Kausalkette für diesen Bob Chop Job. Angesichts eines solchen schlichten US-Schnittchens ist der fette Brotkasten Trophy 1200 mit seinem wassergekühlten Vierzylinder verziehen, mit dem Triumph 1990 nach sieben Jahren Leblosigkeit Wiederauferstehung feierte. Zwar trägt die aktuelle Bonneville ihren Namen aus einer Schlacht, die ihre Oma auf dem Salzsee gewonnen hat, und sie selbst ist nicht halb so geschwindigkeitsgeil wie die ehrwürdige Lady in jungen Jahren.

Aber hey, glaubt jemand ernsthaft, eine Harley Sportster sei ein Sportmotorrad? Na also. Den Amis ist das letztlich sowieso egal, wenn der Hocker bei 55 Meilen pro Stunde nur laut genug ist. Endet der Auspuff kurz hinterm Krümmer, wie an dieser Bonnie von Brett C. Swanke, braucht man vorne auch keine Bremse.
Auf Alt getrimmt
Lautes Pfeifen rettet Leben, oder so. Aufgebaut bei Cove Custom Cycles in Edgewater, haben die Jungs aus Florida die 2002 geborene Engländerin hübsch auf alt getrimmt. Mit einer Springer-Gabel von Bare Knuckle Choppers und einem Einzelsitz zwischen Knuckle-Lampe und legendärem Sparto-Rücklicht sind wesentliche Stilelemente einer solchen Zeitmaschine schnell montiert.

Fürs gefühlsechte Schalten anno neunzehnhundertpaarundzwanzig sorgt ein Jockey-Shift mit Kupplungshebel. Und Weißwandreifen im 16-zölligen Bobber-Format mit 130er Breite vorn und 190er hinten beamen den Betrachter zurück in frühere Dekaden. Der Tank ist orginol mit dezenten Scallops an der Oberseite, Flatfender und Harley-Beine legen das Heck tiefer. Mehr braucht’s nicht.
The Devils rides Triumph
Denn statt aus einem Motorrad ein Einspurauto á la Harley-Davidson Electra Glide zu züchten, mit Sitzheizung, Kühlbox, Quadrophonie und Satellitennavigation, kann der American Way of Drive auch in die andere Richtung führen: Man lässt einfach alles weg, was nicht nach Motorrad aussieht. Wie sagt doch ein T-Shirt-Spruch so schön: »God rides a Harley? The devil rides Triumph!«















