Sieht aber jung aus, der Kerl, meint ihr. Und? Ein Österreicher hat einer Triumph 6T zu einem neuen Leben verholfen.
Irgendwie läge es auf der Hand, diesen eklatanten Altersunterschied zum Thema dieses Portraits zu machen. Schließlich ist es eher unüblich, dass ein Mittzwanziger ein beinahe drei mal so altes Motorrad fährt. Man könnte dann über dauerdaddelnde Jugendliche schreiben, und wie ungewöhnlich es doch ist, wenn statt eines von Oma finanzierten Fiesta ein klassisches Bike in der Garage des Grünschnabels steht.

An dieser Stelle verzichten wir aber gerne darauf, die üblichen Vorurteile runterzubeten. Denn Martin aus dem Vorarlberg ist ganz zweifellos einer von uns. Als gelernter Maschinenmechaniker schraubt der Österreicher selbst an seiner Triumph GT, Baujahr 1952. Außerdem liegen ihm kritikloser Konsum und Wegwerfmentalität völlig fern, und damit steht er unter seinen Altersgenossen gar nicht so alleine da.
Dauergast in der Garage
Gekauft hat Martin seine 650er Triumph von einem älteren Herrn: „Sie war zum Chopper umgebaut und fuhr ganz ordentlich.“ Um ein eigenes, lässiges und ernsthaftes Custombike zu besitzen, hat Martin dann gemeinsam mit seinen Freunden Hannes und Andy jede freie Minute in der Werkstatt verbracht.

Sie speichten die Felge in ein 16 Zoll-Harley-Hinterrad außermittig ein, lagerten den vibrationsgefährdeten Öltank in Gummi und frästen einen Adapterring, um eine 12 Volt-Lichtmaschine anbauen zu können. Anschließend lackierte Martin das komplette Bike selbst. Es gelang ihm außerdem, den als notorischen Kleckerer bekannten Pre Unit-Paralleltwin öldicht zu bekommen: »Vor allem am Innenprimär lief das Öl nur so raus:«
TÜV in allen Details
Da Martin seine Triumph im Alltag fahren will, zählt nicht nur der oberflächliche Showeffekt, sondern auch das konsequente Abstellen sämtlicher Fehlerquellen und Beheben typischer Schwachstellen. Daher soll das Bike auch TÜV erhalten: »In allen Details«, zeigt Martin auf den offenen Luftfilter.

Wir plaudern mit Martin weiter über den verbauten Zylinderkopf einer 1970er Tiger, über den selbsentwickelten Bypass, über den Benzintank vom Accessories-Versandhandelund vieles mehr. Wie gut, dass wir nicht die übliche Leier über den Nachwuchs runtergenudelt haben …












