Woodstock, Easy Rider, Mondlandung und Freie Liebe – die von Bill Dodge aufgebaute Triumph transportiert ein Lebensgefühl so unverkrampft wie ihren Fahrer
Vor 57 Jahren landeten zwei Amerikaner auf dem Mond. Angereist in einer großen Colabüchse mit einer technischen Ausstattung, die heute kaum zum Betrieb einer Play Station ausreicht. Dass dieses Abenteuer schon irgendwie klappen sollte, hatten vorher ein paar hemdsärmelige Techniker am Rechenschieber ausprobiert, weil ihr Präsident gesagt hat, das muss so. Und es war tatsächlich so, unglaublich!
Alles Hollywood
Würde heute kein Mensch mehr wagen, wo wir uns ohne Satellitennavigation nichtmal vom Kindergarten zum Matratzen-Outlet trauen. Klar also, dass manche einfach nicht glauben können, dass eine Handvoll Verrückter wirklich ihre Spuren auf dem Trabanten hinterlassen hat, nur um im Kalten Krieg eine Propagandaschlacht zu gewinnen. Alles bloß großes Hollywood, plappern sie mehr oder weniger intelligent ins weltweite Netz.

Aber es gibt ja auch Leute, die glauben, die Erde könne niemals über drei Milliarden Jahre alt sein, sondern müsse vor sechstausend von einem alternden Hippie während der Arbeitswoche als eine Art Modelleisenbahn gebastelt worden sein. Am Sonntag war er dann zu müde zum Spielen. Schwamm drüber.
Bling’s Cycles als Trendsetter
Vor 40 Jahren landete auch dieser Motor, und zwar in Amerika. Er kam aus einer fremden Welt, England, und war Teil einer gigantischen Invasion, die Triumph zum erfolgreichsten Motorradhersteller der Welt gemacht hatte. Das war halt nur ein kurzes Vergnügen, und im weiteren Überlebenskampf hat sich der kleine Geselle mit lediglich 650 ccm heute in einem Rahmen von Bling’s Cycles eingenistet.

Einen Zweizylinder im Starrrahmen, mögen Skeptiker einwenden, das können Menschen doch niemals schon vor 100 Jahren gebaut haben. Und Hinterradfederung soll möglich sein? Teufelswerk!
Keine 100.000-Dollar-Bikes
Dem stimmt Bill Dodge, der Eigner von Bling’s Cycles in Tinton Falls/New Jersey, durchaus zu. Weil er am liebsten alles weg lässt, was zum Motorradfahren nicht unbedingt nötig ist. Denn Bill hat einen Auftrag: Arbeitermotorräder. Nachdem er seit seinem 16. Lebensjahr an Autos und Motorrädern schraubt und am Ende seiner Karriere bei

einem kalifornischen Edel-Customizer gelandet war, beschloss er 2005, diesem industriellen Charakter des Umbauens den Rücken zu kehren. Er wollte nicht mit 100.000 Dollar-Bikes den Reibach machen, sondern einfach sein Ding durchziehen und Böcke bauen, die seine eigenen sein könnten. »Schnelle, funktionale, einfache Huren«, wie er sagt. Günstige Alltagsschlampen, die zur Arbeiterklasse passen, und nicht für Hollywood-Stars gestylt werden.
Bescheiden und cool
Entsprechend kommt die Durty Trumpet für Jaime die Straße runter, wie eine Kassiererin im Kleinstadt-Supermarkt. Adrett im hellblauen Kleidchen, ein bisschen in den 1970ern hängen geblieben, sympathisch schlicht. Bescheiden, nicht mit Chrom und Hubraum protzend, aber jederzeit bereit, auszubrechen. Mit ihrem topfiten Herz und der kurzen, derben Aussprache ist sie der richtige Kumpel für eine Kneipentour.

Keine Verletzungsgefahr an abstehenden Handhebeln, der Handjob wird zwischen den Beinen erledigt. So ’ne einfach gestrickte 40-Jährige ist das Beste, was ein Biker kriegen kann. Wenn du von ihr absteigst, reibt sie dir den geplagten Rücken mit Franzbranntwein ein. Weiche Federn wären da entgangene Lebensfreude.
Kickstart, Los!
»A Working Class Heroe is something to be«, pries John Lennon damals, und Buzz Aldrin startete die Mondfähre mit einer Kugelschreibermine zum Rückflug, nachdem der Schalter abgebrochen war. Man braucht eben keine penetranten Lebensratgeber und elektronischen Helferlein in jedem Winkel, man muss nur einfach die Dinge anpacken. Kickstart, und los.
Info | blingscycles.com











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