Der Trip Out in England hat sich in der Event-Szene etabliert. Wir blicken zurück auf die erste Ausgabe, bei der wir mittendrin waren
Die meisten Füße in dieser Freitagnacht sind nackt, der DJ legt gerade die Doors auf, das kleine Zelt ist überfüllt mit tanzenden Menschen, eine Fellweste fliegt uns entgegen, jemand drückt uns eine Flasche englischen Cider in die Hand. die Luft riecht nach Gras. Aus der wogenden Menge kommt ein Mann auf uns zu, umarmt uns sofort herzlich: »You are the Germans? Welcome, good to have you here.«
Trip Out – Veranstaltung mit Herzblut
Der Mann heißt Andy Porter, sein Herzblut steckt in dieser Veranstaltung. Ein Jahr lang hat er sie zusammen mit seiner Frau Anna und den guten Freunden Estelle und Loggy vorbereitet. Sein Traum eines Treffens im Stil der 70er Jahre geht an diesem Wochenende in Erfüllung. Hier in Bedford, etwa 100 Kilometer nördlich von London.

Am nächsten Tag sitzen wir bei sensationellem Wetter – völlig untypisch für England – mit Andy auf der Wiese, lassen unseren Blick über Autos, Bikes und Menschen wandern und unterhalten uns über die englische Szene. »Sicher, wir haben unsere Cafe Racer-Jungs, die zum Ace Cafe fahren. Die Streetfighter-Buben zieht es zur Isle of Man und die Rockabillys fahren nach Hemsby oder zum Hayride. Und dann haben wir recht erfolglose Möchtegern-Customshows mit viel Bling und dem ganzen Kram. Ich wollte was anderes, was Authentisches, was ohne großen Kommerz, ohne Touristen, mit handgeschraubten Karren. Seventies-Style, da steh ich drauf.«
Chopperflair mit Liebe zum Detail
Als wir uns ins Bikeshow-Zelt trauen, verstehen wir sofort, was Andy meint. Abgesehen von einer liebevollen Deko mit Flokati-Teppichen, bunten Glitterfetzen und selbstgemalten Hinweisschildern, erschlägt uns hier die geballte Power von handgemachten Motorrädern. Zwar haben lediglich knapp 40 Bikes Platz in dem Zelt – sie mussten im Vorfeld für die Show gemeldet werden – aber die Karren haben es in sich: Springergabeln, Sissybars, Sargtanks, Doppelscheinwerfer, Metalflake-Lacke und starre Rahmen bestimmen den Look der ausgestellten Panheads, Shovels, japanischen Reihenvierzylinder und Triumphs.

Auf dem weitläufigen Gelände außerhalb stehen noch massenhaft mehr Motorräder, viele von ihnen wären ein Bikeporträt wert. Wir kommen heftig ins Schwitzen, als wir entscheiden müssen, was wir für separate Fotoshootings auswählen. Und noch heftiger schwitzen Andy und seine Jury bei der Auswahl der besten Bikes der Show für die spätere Pokalvergabe. Nochwas ist bemerkenswert: Lediglich ein einziges Motorrad der Show entstand in einer professionellen Werkstatt.
Bike zu Gewinnen
Über dem Podest, auf dem die Honda CB steht, baumelt ein »Win«-Schild. Der wunderschön kantige Chopper, gebaut von Boneshaker aus den englischen Midlands, wird unter allen Besuchern des Trip Outs verlost. Mick aus London, der selbst mit seiner Pan nach Bedford reiste, wird am Sonntagnachmittag der Gewinner sein. Noch ahnt er nicht, dass er mit zwei Bikes die Heimreise antritt.

Andy reißt uns aus unseren Gedanken beim Anblick der bunten Motorräder: »Kommt mit, der Pig Out-Contest geht los.« Sieben Männer und eine Frau sitzen an einer langen Tafel, die Hände auf dem Rücken mit Tape fixiert, ein traditionelles englisches Essen vor sich – und dann wird auf Zeit gefressen, die Menge jubelt. Nur ein Skater am Tisch isst mit Genuss, er wollte nur ein kostenloses Mittagessen haben, bevor es wieder auf die umlagerte Ramp geht, um dem Volk die besten Tricks zu zeigen.
The Trip Out – Eine grpße Familie
Und später ganz lässig über Chopper und Minirods zu jumpen und der Fresskönig bekommt währenddessen ein grunzendes Plastik-Schwein als Trophäe. Noch ein Contest zieht zu späterer Stunde die Besucher an. Gesucht wird »Mr. Beardo«, der Mann mit dem schönsten Gestrüpp im Gesicht. Marky gewinnt und läuft fortan stolz mit Schärpe und Trophäe über den Platz. Diese Samstagnacht wird nicht nur ihm in Erinnerung bleiben. Reihenweise Besucher lassen sich plötzlich »Trip Out«-Tattoos an die möglichsten und unmöglichsten Stellen tätowieren. Wir machen mit, freuen uns über unsere neuen Tattoos und werden so Mitglied der Trip-Out-Familie, sowas haben wir noch nie erlebt.

Schließlich ist Sonntag, die Prämierung der besten Karren steht an: Rinus aus Holland und seine Shovel dürfen sich fortan mit dem »Best Harley«-Schild schmücken, Der liebevoll bemalte »Best Chopper«-Tank-Pokal bleibt in dagegen England. Der beste Bobber ist eine heimische Bonneville, Best of Show gewinnt eine Honda. Das Volk jubelt!
Nächster Trip Out im September
Der Druck von einem Jahr Vorbereitungszeit fällt von allen Verantwortlichen ab. Andy nimmt uns erneut in die Arme: »Schön dass ihr da wart, gute Heimreise, wir sehen uns wieder.« Und das padenn solange wir auch suchen, es gab keinen Minuspunkt an dieser Veranstaltung. Hier war einfach alles so echt, wir wollen zurück – auf den Planeten Trip Out. Nächste Chance: Vom 5. bis 7. September 2025
Info | thetripout.co.uk




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