Jahrelanger Dämmerschlaf macht aus Motorrädern in der Regel arge Rostlauben. Reparatur und Restaurierung lassen sie allerdings neu erblühen. Wer das allein nicht schafft, holt sich Hilfe beim Profi. Wir haben einem bei der Aufbereitung alter Räder über die Schulter geschaut

Ein Vierteljahrhundert hatte die Honda im Dornröschenschlaf verbracht – viel Zeit, um viel Patina anzusetzen. Aber gut, jammern bringt nichts, will man die alten Kisten zu neuem Leben erwecken. Deshalb fangen wir an, und zwar bei den schönen, klassischen Speichenrädern.

Die Oberflächen der Originalräder hatten unter jahrzehntelangem Dasein in feuchter Umgebung arg gelitten

Wolfgang Maiers Special Wheel Company, in Ditzingens Ortsteil Heimerdingen bei Stuttgart beheimatet, hat sich in Sachen Speichenrad in langen Jahren einen Namen gemacht. Vom Großvater Karl 1952 als Fahrradgeschäft gegründet, entwickelte sich das Geschäft unter Wolfgangs Vater Manfred zur Radspannerei weiter, ab 1980 begann man sogar mit der Serienproduktion von Speichenrädern für diverse Hersteller.


Heute ist das Know-how von SWC fast Alleinstellungsmerkmal, ernstzunehmende Konkurrenz ausgesprochen dünn gesät und der fachmännische Rat von Wolfgang in der Szene gefragt. Der Oldtimer- und Customboom hat die Auftragslage nicht geschmälert.

Kurzum, in Heimerdingen hat man alle Hände voll zu tun. Dieses Mal mit unseren Honda-Rädern, deren Bestandteile wie die aller von SWC gebauten Räder zum Strahlen und Beschichten das Haus zwischenzeitlich verlassen.


… die Chromschicht war großflächig abgeblättert oder unterrostet

Zunächst werden die Räder und im Anschluss deren Radnaben demontiert, gesäubert und entfettet. Bei den Felgenringen ist der Chrom teilweise unterrostet. Nach dem Strahlen ist die Oberfläche aber ausreichend glatt, um beim späteren Kunststoffbeschichten ein ordentliches Ergebnis zu erzielen. Das ist zumindest unsere Meinung.

Perfektionist Maier aber tut sich schwer. »Selbstverständlich richte ich mich nach dem Wunsch des Kunden. Bei Felgen in diesem Zustand aber greife ich normalerweise auf neue Ringe zurück.« Die finden sich im großen Warenlager in Heimerdingen ebenso wie alles andere, was zum Räderbau nötig ist.


Bohrwinkel muß zum Speichenbild und Nabenmaß passen

Felgen und Speichen werden als Halbzeuge eingekauft und dann den jeweiligen Bedürfnissen angepasst. In die Stahlfelgen werden dazu die passenden Löcher gebohrt und diese dann gepunzt (Punzen nennt man die Einbuchtungen im Felgenring, in die sich die Köpfe der Schraubnippel hineinsetzen). Dabei müssen die Bohrwinkel unbedingt zum Speichenbild und zum Nabenmaß passen, sonst werden die Speichen gebogen, was im Betrieb auf Dauer zum Bruch führen kann.

Für die Nachfertigung von Rädern zahlloser Motorradtypen hat SWC im Laufe der Jahrzehnte ein umfangreiches Felgensortiment aufgebaut. Das lagert zwar nach wie vor in den Regalen, auf die im Rechner zusammengeführten Maße hat Wolfgang aber heute auf Knopfdruck unmittelbaren Zugriff.

Sind die Ringe fertig bearbeitet, werden sie entweder verchromt, poliert oder in Wunschfarbe kunststoffbeschichtet. Alufelgen kauft SWC wegen der nötigen Härtung nach dem Bohren und Punzen in fertigem Zustand ein.

Mit dem Einfädeln der -Speichen in die mattschwarz beschichteten Radnaben beginnt der Zusammenbau der Komponenten zum vollständigen Rad

Auch die Speichen werden als Rohlinge aus Stahl oder V4A-Edelstahl in gängigen Durchmessern und Hakenwinkeln geliefert. Vor Ort werden sie abgelängt, die Gewinde für die Nippel werden zur Vermeidung von Kerbbrüchen aufgerollt statt aufgeschnitten. Für höhere Zugfestigkeit fertigt SWC auch Dickendspeichen mit größerem Durchmesser an einem (Einfach-Dickend) oder an beiden (Doppel-Dickend) Speichenenden an, wofür der Rest der Speiche maschinell reduziert werden muss.


Zur genauen Identifikation einer Speiche sind mit Gewindegröße, Schaftstärke, Länge vom Ende bis zur Hakeninnenseite, Hakenwinkel, Hakenlänge und Nippelmaß eine ganze Reihe an Maßen erforderlich. Nach Fertigstellung wird auf die Stahlspeichen abschließend eine Vernickelung oder Verchromung aufgebracht. Chromatierte oder glanzverzinkte Speichen bietet Maier nicht an, »denn die rosten mit der Zeit oder bilden unschöne Oxidationsflecken aus«.

Explodierende Kosten beim Umau oder Restaurieren

Da, wie wir wohl alle aus schmerzvoller Erfahrung wissen, die Kosten bei Umbauten oder Restaurierung ohnehin gern aus dem Ruder laufen und in unserem Falle für die Arbeiten selbst ohne Verwendung neuer Ringe Kosten von gut 500 Euro auflaufen werden, beschließen wir, auf diese Zusatzkosten von 200 Euro (Stahlfelgen verchromt) bis 320 Euro (Alufelgen) zu verzichten.

Das Gleiche gilt fürs Vorbereiten der Naben. Hier lassen wir zwar die Brems-trommel ausdrehen und neue Radlager einsetzen, mit Ausnahme des Bremshebels an der hinteren Felge, der verchromt werden soll, verzichten wir aber auf eine Politur als Untergrund der Kunststoffbeschichtung. Das spart weitere 200 Euro.

Und das Ergebnis? Das gibt Skeptikern wie Zuversichtlichen gleichermaßen recht: Vergleicht man die Kunststoffschicht auf Felgen und Naben mit Maiers Musterstücken, sind natürlich Makel erkennbar. Dafür allerdings muss man schon sehr genau hinschauen. Auf der Website hat SWC alle potenziellen Arbeiten mit Preisen akribisch aufgelistet. Dort kann sich jeder Interessent im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten an seinen individuellen Perfektionsgrad selbst herantasten.

Das fertige Resultat ist mit 500 Euro kein Schnäppchen, doch neue Felgenringe mit polierten Naben hätten, je nach ausgesuchtem Felgenring, mindestens 900 Euro gekostet

Nachdem die beschichteten Teile schließlich in aller Pracht vor uns auf der Werkbank liegen, geht es ans Einspeichen der – im Falle der CB-Räder – jeweils vierzig Speichen pro Rad. Ausgesucht haben wir uns dafür Standard-Edelstahlspeichen mit vernickelten Nippeln. Hat man sich die Anordnung der Speichen gemerkt, ist das kein größeres Problem.

Knifflig jedoch wird es, wenn es Schritt für Schritt daran geht, die eingesetzten Speichen auf die erforderlichen 1500 bis 2000 Newton vorzuspannen und dabei das Rad perfekt zu zentrieren, was einiges Know-how voraussetzt. Selbst wenn auf allen Speichen gleich viel Zug ist, kann das Rad dennoch einen Seiten- oder Höhenschlag aufweisen.

Nicht günstig, aber trotzdem fast 400 Euro gespart

Das Resultat, das schließlich vor uns liegt, ist mit rund 500 Euro für alle anfallenden Arbeiten kein Schnäppchen, aber sein Finish rechtfertigt den finanziellen Aufwand durchaus. Mit neuen Felgenringen und polierten Naben wären wir je nach ausgesuchten Felgenringen bei mindestens 900 Euro gelandet. Das einzige Problem: Der Rest des Neuaufbaus wird sich an der Erscheinung dieser Räder messen lassen müssen.

Info | swc-maier.de