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Parts für Motorräder gibt es zur Genüge – weltweit. Dank Internet ist es für viele völlig egal, wo sie kaufen, Hauptsache, der Preis stimmt. Billig sollte aber eben nicht das Hauptargument sein, wenn es um den Teilekauf geht. Wir haben den seitlichen Kennzeichenträger des Breisacher Zubehörspezialisten Wunderkind-Custom im gesamten Entstehungsprozess, von der Idee bis zum fertigen Produkt, begleitet – und erkären euch gern, warum Qualitat am Ende ihren Preis hat.

Kennzeichenträger sind unter Motorradbesitzern immer ein Thema, meist auch ein viel diskutiertes. Bekanntermaßen sind die Serienteile der verschiedenen Motorradhersteller mal mehr, in der Regel aber eher weniger ansehnlich. Motorradbesitzer kennen das und meist wird dieses Bauteil auch schnell gegen ein Zubehörteil ausgetauscht. Für  einen Hersteller wie Wunderkind-Custom beste Gelegenheit sein Know-how einzubringen und selbst einen Kennzeichenträger zu entwickeln. »Dabei steht am Anfang immer die Idee«, wie Vertriebsleiter Detlef Achterberg erklärt. »Wir schauen uns jedes Motorrad an, gerade wenn neue Modelle erscheinen, und überlegen uns, was wir für die Individualisierung herstellen können. 

Der Entscheidungsprozess findet immer direkt am Motorrad statt

« Dabei findet der eigentliche Entscheidungsprozess immer in der Werkstatt und direkt am Motorrad statt. Das Team, das in der rund zweistündigen Produktbesprechung verschiedene Ideen einbringt und diskutiert, besteht aus vier Mitarbeitern: Thomas Schwärzle, Ingenieur für Fahrzeugtechnik, Thomas Rein, Zweiradmechaniker Meister, Detlef Achterberg, Vertriebsleiter und gelernter Mechaniker, und Christian Mehlhorn, dem Geschäftsführer. Dabei folgt alles festgelegten Abläufen, denn vor der Produktentwicklung stehen Besprechungen, werden Ansichten diskutiert, bevor es in die Entwicklung geht, die sich wiederum in Konstruktion und Prototypenbau aufteilt.

Neben der Idee, einer der wichtigsten Schritte, bevor es an die Konstruktion geht: die Maßaufnahme. Diese erfolgt direkt am Motorrad

Anschließend folgt der wichtigste Schritt, ohne den die Entstehung eines neuen Bauteils überhaupt nicht möglich wäre: die Maßaufnahme am Motorrad. Hier wird penibel erfasst, wo und wie das Bauteil später am Fahrzeug befestigt werden soll. Mittels CAD-Software erfolgt die Konstruktion am Computer aus der anschließend ein Rendering entsteht. Sind alle optischen Aspekte geklärt, gehen die Daten an einen 3D-Drucker. Das Hightech-Gerät fertigt in einem mehrstündigen Druckvorgang ein dreidimensionales Modell aus einem speziellen Kunststoff. Keine billige Angelegenheit, denn je nach Bauteilgröße werden pro Druck mehrere hundert Euro fällig. Der Vorteil liegt aber in der Zeitersparnis und dass der Prototyp erstmals am Motorrad verbaut werden kann.

Der 3D-Druck ist enorm wichtig für den Entwicklungsprozess

Außerdem sind zu diesem Zeitpunkt Änderungen noch gut möglich, was häufig vorkommt, wie Detlef Achterberg bestätigt. Dann wird das Bauteil erneut gedruckt. »Es ist eine wichtige Phase im Entwicklungsprozess, schließlich haben wir auch die Gelegenheit Fehler zu korrigieren. Es kommt aber auch manchmal vor, dass alles über den Haufen geworfen wird und wir ganz von vorn anfangen.« Ist dagegen alles in Ordnung, werden Fertigungszeichnungen mit allen Maßen und Toleranzen erstellt, die schließlich an die Produktion übergeben werden. Hier muss der Fräser nun die Maschine programmieren und einrichten. Ein Prozess, der weitere vier bis fünf Stunden in Anspruch nimmt, bevor die Maschine anlaufen kann.

Der Aluminiumrohling für die Kennzeichenplatte wiegt rund 1,4 Kilogramm. Übrig bleiben nach dem Fräsen lediglich 250 Gramm

Die ersten aus den Maschinen »fallenden« Teile, werden erneut verbaut und getestet, denn erst, nach bestandenen Funktionsprüfungen, kann endlich die Serienproduktion starten. Ein Teil wie der Kennzeichenrahmen benötigt rund elf Minuten Maschinenlaufzeit netto, mit Einlegen und Herausnehmen insgesamt vierzehn Minuten. Dabei bleiben von einem 1,4 Kilogramm schweren Alu Block lediglich 250 Gramm über. Man kann sich nun leicht ausrechnen, wie viel Stück an einem Arbeitstag produziert werden können. »Um produktiv zu sein, läuft die Maschine etwa eine Woche, um überhaupt die benötigten Stückzahlen zu erreichen«, ergänzt Christian Mehlhorn.

Auch Kennzeichenträger müssen gesetzlichen Auflagen genügen

Zur gleichen Zeit laufen Materialprüfungen, werden Gutachten beantragt, wird die Logistik vorbereitet und alles Weitere koordiniert. Zum Schluss werden Verkaufsmaßnahmen festgelegt und das Marketing geplant. »Schließlich verkaufen sich die Teile nicht von alleine«, wie ein grinsender Detlef Achterberg zugibt. Der Entwicklungsaufwand ist, gemessen an den gesetzlich verlangten Auflagen und den eigenen Qualitätsansprüchen, hoch. Für ein Teilegutachten oder gar eine EG-Betriebserlaubnis gibt es zu Recht hohe Hürden, so müssen erforderliche Qualifikationen und Prüfungen nachgewiesen werden. Zudem ist Deutschland kein Billiglohnland, in dem schnell angelernte Kräfte Maschinen bedienen.

Idee, Entwicklung und Produktion werden im Team besprochen und entschieden: Christian Mehlhorn, Detlef Achterberg, Thomas Rein und Thomas Schwärzle (von links nach rechts)

Betrachtet man alles im Zusammenhang, erklärt sich fast von selbst, warum »Made in Germany« seinen Preis hat. Dafür bekommt der Kunde aber auch ein geprüftes Qualitätsprodukt, bei dem er sich darauf verlassen kann, dass es die gestellten Anforderungen erfüllt und der Hersteller auch dafür haftet – im Falle eines Falles. Sicher, es ist ein Leichtes, geklonte Produkte aus Asien zu kaufen. Die sehen mitunter ziemlich identisch aus, und da stellt sich der Laie schon die Frage, warum er das vermeintlich gleiche Bauteil zum Bruchteil des Originals bekommt. Schnell heißt es dann: »Da wird wieder nur der Name bezahlt.« Falsch, denn oft genug verbirgt sich der hohe Aufwand unter der Oberfläche.

Aluminium ist nicht gleich Aluminium

Welches Material tatsächlich bei der Herstellung verwendet wurde, erfährt der Internetkunde beim Anbieter aus Fernost nämlich nicht. Aluminium ist nicht gleich Aluminium und gefälschte Gutachten retten einen auch nicht, wenn zum Beispiel ein sicherheitsrelevantes Bauteil plötzlich und unerwartet seinen Geist aufgibt. Den Rest kann sich jeder selbst dazu denken. Deshalb: Augen auf beim Kauf. Es gibt nichts geschenkt und es hat seinen Grund, warum Qualitätsbauteile ihren Preis haben.

Info | wunderkind-custom.com

 

Christian Heim