Der Lack ist ab – das sieht man. Aber will man sein Motorrad zerlegen, nur um den Motor zu lacken? Nö – denn es geht auch anders. An einem einzigen Abend. 

Unsere Hauptdarstellerin – eine starre 883er Sporty von 1988 – wurde dereinst auf den Namen »Snake P.« getauft. Weil beim Umbau jedoch ein wenig geschludert wurde, löst sich der schwarze Lack am Motor immer mehr in Wohlgefallen auf. Und das stört die Optik – wenn auch nicht die Funktion des auf 1200 Kubik getrimmten Aggregats. Klar, fahren kann man noch. Aber gerade als Besitzer schaut man immer wieder auf den Lackfraß.


Self-Made Motorlack

Natürlich kann man nun das ganze Moped zerlegen und eine Komplettsanierung durchziehen. Wer jedoch nur den Motor duschen will, der bekommt das auch ohne Komplettdemontage geregelt. Lässt sich die Aktion zu zweit doch in kaum vier Stunden durchziehen. Und damit haben wir hier ein astreines Abendprogramm vor der Nase. Das beginnt allerdings dann doch mit ein wenig Demontage: Der aus den 70ern stammende Tank, der Auspuff sowie die Fußrasten müssen weg, damit die Zylinder möglichst frei im Raum stehen. Im Falle der Zündspule empfiehlt es sich, die Anschlüsse durchzunummerieren: Man möchte ja später auch wieder alles zusammenbauen.

Auch der Vergaser geht auf Reisen, und wird die nächsten paar Stunden zwecks Zugentlastung an einem Stück Draht an die Gabel gehängt. Dann muss man auch den Gaszug nicht aushängen und schon gar nicht erneut einstellen. Das spart Zeit. Das Rückgrat des starren Zodiac-Rahmens wiederum stört uns nicht. Im Prinzip geht es nur darum, mit möglichst überschaubarem Aufwand möglichst viel von den zu lackierenden Flächen des Motors freizulegen, dem nun alle Löcher mit sauberen Lappen oder Tüchern verstopft werden. Auch im Falle von Bohrungen kommt Papier zum Einsatz, würden sich doch sonst die Gewindegänge mit Farbe zusetzen. Man kann natürlich auch alte Schrauben eindrehen – im Falle der Zündkerzen eben dann alte Kerzen.


Die eigentliche Arbeit ist das Abkleben sämtlicher Details. Bis alles penibel gecovert ist, vergeht locker die Hälfte der prognostizierten Gesamtdauer von rund vier Stunden

Jetzt kommt die chemische Keule ins Spiel – und zwar nicht zu knapp. Denn ohne eine penible Putzaktion wird der neue Lack auf den unumgänglichen Fett- und Ölresten flugs wieder abblättern. Und das hatten wir ja schon. Also greift die Schrauberhand zum Bremsenreiniger, mit dem sich auch enge Stellen oder die Kühlrippen gut säubern und entfetten lassen.

Zum Ausgleich dürfen wir uns dann wie Verhüllungskünstler Christo fühlen – nur wickeln wir nicht den Berliner Reichstag ein, sondern unser Bike. Und zwar bitte sehr sorgfältig, wobei wir zunächst mit Kreppband jene Kanten abkleben, die nicht lackiert werden sollen. In unserem Fall sind das zum Beispiel die Zylinderköpfe und die seitlichen Kurbelgehäusedeckel. Ach ja: ausreichend Kreppband in verschiedenen Breiten kostet nicht die Welt, und sollte deshalb immer in ausreichenden Mengen vorhanden sein. Und auch ein paar Zentimeter Schrumpfschlauch können ein Segen sein, lassen sich doch damit zum Beispiel die Stehbolzen der Auspuffanlage schützen. Auch die verchromten Rohre der Stößelstangen sollen weiterhin für Polierorgien bereit stehen: Also kleben wir unten und oben einen Streifen Krepp, bevor wir ein Stück Papier zuschneiden, das wir dann um die Rohre wickeln als seien es Zigarren. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl geht das recht flott.


Trotzdem wird man eine Weile beschäftigt sein, bis das ganze Bike so abgeklebt ist, so dass kein Risiko besteht, durch irgendeine Lücke auf den Sattel oder Chromflächen zu nebeln. Idealerweise arbeitet man hier zu zweit: Das geht schneller, ist launiger – und vier Augen sehen einfach mehr als zwei.

Gleichmäßiger Auftrag von hitzebeständiger Farbe in mehreren Schichten verhilft dem V2 zu neuem Glanz

Dann geht’s zur Sache: Mit dem Heißluftföhn werden die Oberflächen nochmals abgeblasen und leicht angewärmt, dann trocknet auch die Farbe aus der gut geschüttelten und nicht zu kalten Sprühdose schneller. Und auch Rotznasen werden vermieden, wobei man die natürlich hitzebeständige Farbe ohnehin im Fachhandel besorgen sollte und nicht auf dem Flohmarkt. Wir haben uns für »Corona Schwarz Matt« von Normfest entschieden; gibt’s beispielsweise auch silbern im Handel für ’nen Zehner die 400-Milliliter-Sprühdose. Damit arbeiten wir zügig, aber nicht hektisch. Immer wieder schütteln wir die Dose, wobei wir in möglichst gleichmäßigem Abstand sprühen. Der immer wieder über die frisch lackierten Bereiche blasende Föhn trocknet die Farbe schnell ab: Das schaffen selbst Anfänger, die ja notfalls an einem alten Karton ein wenig üben können. Für alle gilt jedoch: Schutzmaske und Handschuhe sind kein Firlefanz. Und eine gute Belüftung des Arbeitsbereichs natürlich auch nicht.

Nachdem alle Flächen – und besonders in den Ecken und beispielsweise hinter den Stößelschutzrohren muss man sorgfältig auf einen gleichmäßigen Farbauftrag achten – lackiert sind, kann man sich eine kleine Pause gönnen. Man kann aber auch umgehend mit dem Auspacken beginnen, was dann ein bisschen wie Weihnachten ist. Eine gebogene Anreißnadel hilft, das Papier um die Stößelrohre abzuknibbeln, während eventuell zu gut abgeklebte Eckchen mit einem kleinen Pinsel nachgearbeitet werden sollten. Einfach in den Plastikdeckel der Dose sprühen und mit sicherer Hand nachpinseln.

Nach dem Auspacken sieht der fertig lackierte Motor aus wie aus dem Laden

Danach dann heißt es: Der Zusammenbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge. Und wenn das erledigt ist, dann steht dem nächsten Ritt nichts mehr im Wege. Außer vielleicht das gepflegte Feierabendbier mit dem guten Freund und Helfer. Denn der wird ebenfalls seine helle Freude haben an solch einer überschaubaren und doch sichtbar erfolgreichen Lackieraktion. Wir bedanken uns bei „Rigid65“ für die tolle Aktion und die gute Zusammenarbeit!


Info | www.rigid65.de