Artikel speichern

0

Heute testet Frau Reuter: Selfmade-Lackierung, Benzinhahn und Universalschalter für Blinkanlagen

Wie immer sind wir alle völlig ausgebrannt. Finanziell, seelisch und körperlich. Der Jahreswechsel fordert Höchstleistungen von uns, und man sollte den Ball flach halten, damit sich alles wieder in einem sortieren und entspannen kann. Anders ist es bei Hippie: Er wechselt ab Weihnachten einfach die Schnapssorte, um im neuen Jahr wieder auf seinen gewohnten Obstler umsteigen zu können. Außerdem beginnt er das Jahr mit einem Projekt. Schon im November fing er an zu nerven: »Welche Farbe nehm ich denn, das wird bestimmt teuer, Gold ist bestimmt schwul, wer kann denn das für mich machen …«. Es geht um die Lackierung seines Motorrades. Eigentlich sind es ja nur drei Teile: Schutzbleche und Tank. Hippie macht einen Riesenaufriss deswegen und geht allen gewaltig auf die Nüsse, zumal er fast gar keine Kohle für so eine Aktion hat. Irgendwann platzt Köppke am Tresen der Kragen: »Alter, nerv nich immer mit deiner Scheißlackierung rum! Kauf dir ’n paar Farbdosen und jauch die Kacke über die Teile und fertig. Kost dreißig Mark. Arschlecken.« Er nimmt einen großen Schluck Bier und meditiert den Hintern der neuen Tresenkraft an. »Höhö«, quakt Hippie, »das sieht immer blöd aus. Hab ich damals schon bei meiner Mofa versucht. Das is Pfusch. Das kann nur ’n Lackierer.«

Universeller Dosenlack

Nun bin ich aber plötzlich wach. Ich ziehe meinen Kopf aus dem Bierglas und brilliere: »Hippieschatzi, man schleift den Kram an, grundiert das, sprüht Farbe drüber, haut Klarlack drüber und baut das an. So geht das. Macht der Lacker genauso. Hab ich gerade mit der Gitarre von meinem Sohn gemacht. Kannst du selbst angucken. Prost!« Ich bin schon ein Held! Hippie ist von den Socken. »Zeich her – das will ich sehen!«. Wir lassen anschreiben und wandern in die Garage, wo die einst völlig versaute Stratocaster vom Sohn zum Trocknen hängt. »Hammer!«, staunt Hippie. »Wie geil, Fötzlein«, haucht Köppke ehrfurchtsvoll. Na ja – und am nächsten Tag sind wir dann zum Lackfritzen und haben eingekauft. Und wenn Hippie sich beim Anschleifen nicht so unsagbar schwer tun würde, hätte ich euch hier nun ein paar schön lackierte Motorradteile zeigen können. Das wird aber wohl erst zu Ostern was. Hippie braucht Zeit. Da aber Gitarren und Schutzbleche sich grundsätzlich kaum unterscheiden, seht ihr auf alle Fälle, dass man mit etwas Hingabe durchaus eine ansprechende Lackierung hinbekommt.

Mein Freund Hippie stolpert wieder planlos durch die Winterzeit. Deswegen riet ich ihm zum Selberlackieren …

Ich mach sowas immer draußen auf der Mülltonne, solange die Außentemperatur über 15 Grad ist. Darunter ist es zu kalt. Anschließend lass ich den Kram in der zart beheizten Garage trocknen. Wichtig ist mir an dieser Stelle, euch diese wunderbaren Dosen ans Herz zu legen, weil ich damit die bisher besten Ergebnisse erzielt habe. Entscheidend ist die letzte Schicht aus Zweikomponenten-Klarlack. Ohne den geht bei mir gar nichts. Der gibt dem Metalliclack am Ende die schöne Tiefe und schützt nachhaltig vor mechanischer und chemischer Beanspruchung. Er ist sogar benzinfest. Den Füller kann man sich eigentlich sparen, es sei denn, man hat arge Riefen im Bauteil.

Frau Reuter lackiert wie eine Göttin

Ich hab bei der Gitarre einfach den Primer, also Grundierer, aufgetragen, am nächsten Morgen im Abstand von 30 Minuten zwei Lackschichten blau draufgeghauen und  – gegen die Empfehlung meines Lackhändlers – einen Tag gewartet und dann schön fett den Klarlack aufgesprüht. Der Klarlack ist ein echtes Wunderzeug: Lack und Härter sind in einer Dose. Man muss am unteren Dosenende einen Stift herausziehen und umdrehen, dann öffnet sich das Härterbehältnis in der Dose. Nun wird kräftig geschüttelt und anschließend hat man etwa eine halbe Stunde Zeit, den Kram zu verbrauchen. Fertig! Nach zwei Tagen Trocknung bei Zimmertemperatur (etwa 20 Grad) hab ich mit 1000er Schleifflies etwas angeschliffen und danach mit Polierpaste von Hand drüberpoliert.

… habe ich bei der Gitarre vom Sohnemann auch hinbekommen

Danach war die Sache perfekt. Und genauso soll Hippie das auch machen. Das wird für seine drei Teile etwa 70 Euro kosten. Der Motip Grundierer kostet etwa 5 Euro, der Lack liegt bei etwa 8 Euro und der tolle Klarlack von ColorMatic kostet in der 200-ml-Variante 14 Euro. Ich nehme lieber zwei kleine Dosen als eine große, weil ich dann wegen des Härters nicht in Zeitnot gerate. Die große 500-ml-Dose kostet rund 30 Euro. Leute – damit kann selbst ein Baumschüler eine astreine Lackierung zustande bringen. Probiert es aus. Solch schöne Sachen gibts nur im Fachhandel. Finger weg vom Baumarkt!

Frau Reuter testet: Universelle Benzinhähne

Und hier was ganz Feines: Meinem Bengel war am Mofa der Benzinhahn kaputt gegangen. Details erspare ich euch. Was nun? Das Stichwort ist Karcoma. Hab ich zufällig im Internet gefunden. Die Firma stellt in Deutschland preiswerte Benzinhähne her – mit allen möglichen Anschlussgewinden. Ein Traum für jeden Customizer. Der neue Hahn hat nur 15 Euro gekostet und funktioniert tadellos.

Sohnemann die Zweite: Der Bengel hat den Bezinhahn von seinem Ufomofa geschrottet. Deswegen musste ein neuer her. Der kam mit der Post von Karcoma und strich nur 15 Euro von seinem Tagesgeldkonto

Es sind sogar zwei unterschiedliche Anschlussnippel dabei. Wichtig ist: Ihr müsst das Anschlussgewinde an eurem Tank kennen – also Gewinde, Steigung und ob Links- oder Rechtsgewinde. Seht mal in den Produktkatalog von karcoma.com. Die haben da Hähne mit Gewinden von M12 bis M22. Das sollte uns doch reichen, oder?

Universellste Schalter

Und zu guter Letzt meine Billigeroberung schlechthin: Der Universalschalter für meine Blinkanlage. Passt an metrische und zöllige Lenker, kostet bei Louis nur knapp 10 Euro und tut, was er tun soll. Lediglich die etwas seltsame Beschaltung hat mich ein wenig irritiert. Darum hab ich das mal für euch aufgemalt. Köppke ist daran nämlich intellektuell gescheitert (BG heißt übrigens Blinkgeber, wer hätte das gedacht?).

Louis-Universalschalter: Die Beschaltung ist ein kleiner Hürdenlauf, daher hat euch der Onkel das mal aufgemalt. Ansonsten kinderleich anzubauen!

Der Druckknopf an der Oberseite taugt als Hupknopf, den unteren, kleinen Knopf würde ich nicht benutzen, der ist doof. Gutes Teil, leicht an- und abzubauen und angenehm in der Erscheinung. Ihr seht, ich habe mir trotz Lebkuchengeschwür und Glühweinleber richtig den Arsch aufgerissen. Das nächste Mal wird es wieder ganz entspannt und voller Überraschungen sein …

Es grüßt der Klugscheißer vor dem Herrn – Euer Martin

 

Frau Reuter
Frau Reuter bei CUSTOMBIKE

Martin Reuter ist unter seinem Pseudonym »Frau Reuter« inzwischen zweitdienstältester Mitarbeiter der CUSTOMBIKE. Der freischaffende Künstler rezensiert mit spitzer Feder und scharfem Wort Produkte, die seiner Meinung nach etwas Aufmerksamkeit bedürfen. Im wahren Leben ist er als Illustrator, Fotograf und Textautor tätig und spielt ganz nebenbei Bass und Orgel in der zweitschlechtesten Band der Welt. Kulinarisch betrachtet kocht er scharf und trinkt schnell. Als echtes Nordlicht badet er selbstverständlich nur in Salzwasser. Seine Vorlieben sind V8-Motoren und Frauen, die Privatfernsehen verschmähen. Stilecht bewegt er eine 76er Harley, restauriert eine Yamaha SR 500 und bewegt sich politisch korrekt die meiste Zeit mit dem Fahrrad fort.