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Heute testet Frau Reuter Lenkerhalter von Rocket Inc., EMR-Politur von Ambassador und die Chronicles des gerade 80 Jahre alt gewordenen Bob Dylan – eine echte Leseempfehlung.

Auf der letzten CUSTOMBIKE-Show hab ich diese wunderschönen Riser, auf Deutsch »Lenkerhalter«, gefunden. Am Stand von Dock66 stachen sie mir sofort ins Auge, weil sie nämlich so unsäglich schlicht sind und definitiv oldschool aussehen. 

Frau Reuter testet Lenkerhalter: Coole Oldschool Riser

Im Grunde sind die Riser mittig durchgesägte Dogbones, die am unteren Ende ein Gewinde für die Haltebolzen erhalten haben. Die Dinger gibt es in Alu schwarz, Alu geschliffen und aus Messing. Kein Chromprotz, kein Billet-Schnickschnack, einfach gegossenes Metall, wie es auch unsere Großmütter an ihren Chopper geschnallt hätten. Auf der Website von Dock66 findet ihr auch noch jede Menge andere Riser, auch für metrische Lenker, aber diese hier sind mir die liebsten.

Kein Protz, kein Schnickschnack: Dock66 bietet unter dem Label »Rocket Inc« astreine Oldschool-Parts an. In die schlichten Riser hat sich unsere Frau Reuter schon mal direkt verliebt

Etwas ist bei der Montage zu beachten: Schlaumeier könnten auf die Idee kommen, bei dem Befestigungsgewinde handele es sich um ein schlecht geschnittenes 7/16“ UNC, dem ist aber nicht so. Also nicht nachschneiden! Es ist ein hierfür übliches 1/2“ x 13 UNC-Gewinde. Diese Bolzen sind natürlich nicht im Lieferumfang enthalten, weil ja alle Gabeln unterschiedliche Materialstärken haben. Ihr müsst dafür also ins gut sortierte Schraubengeschäft gehen. Für 99 Euro könnt ihr diese zeitlos eleganten Stücke erwerben. Sie sind in Deutschland hergestellt, haben aber kein TÜV-Gutachten. Macht nix, hab ich auch nicht.

Nun kommt was ganz Feines!

Und nun? Ja, ihr kleinen Schneehasen, nun kommt was ganz Feines! Sehr selten werde ich mal von Herstellern beschenkt. Und wenn doch, habe ich immer Magengrummeln, diese Produkte objektiv zu beurteilen. Wenn es Mist ist, muss ich es zurückschicken oder wenigstens beim Hersteller anrufen und sagen, dass der Kram so schrottig ist, dass ich es nur im Magazin zerreißen kann. Auch das ist unangenehm. Dieses Mal jedoch, und hier eröffnen wir den Fall »Ambassador«, ist alles anders. 

Zwei Dosen der EMR-Politur kosten 50 Euro – das relativiert sich aber schnell, weil die Politur ein paar Jahre hält und einiges kann

Ich hatte vor einigen Jahren schon mal das nicht nur gut riechende, sondern auch sehr gute Korrosionsschutzöl SR Super vorgestellt. Damit kann man auch ganz herrlich Dreckverkrustungen anlösen. Nun aber habe ich von Ambassador zwei Dosen bekommen, die mir schlicht die Hosen ausgezogen haben. Und zwar EMR fein und EMR grob Retro Polish. Beide Mittel basieren auf einer uralten Rezeptur aus dem Hause Ambassador und sind – ich schwöre, ich bin nicht betrunken – das Beste, was mir jemals als Putz- und Poliermittel vor die Flinte gekommen ist. Ich habe einiges über dieses Wundermittel gelesen, bevor ich selbst zu Werke gegangen bin. Und das, was ich dann mit diesen ebenfalls wohlriechenden Pasten angerichtet habe, übertraf all meine Erwartungen.

Selbst hartnäckigster Dreck ist machtlos gegen EMR grob

Meistens wird EMR in Zusammenhang mit der Reinigung und Politur von Aluminiumteilen erwähnt. Das ist auch gut so, denn selbst hartnäckigster Dreck ist machtlos gegen EMR grob. Selbst jahrelang im Garten rumliegende Aluteile bekommt man damit fast auf Hochglanz geputzt. Das »fast« hat seine Berechtigung, denn alles, was ihr mit EMR fein und grob macht, läuft am Ende auf einen seidigen Glanz hinaus, der SEHR edel aussieht.

Vorher/nachher: Das Wunderzeug von Ambassador demonstriert am Auspuffkrümmer von Martins E-Glide

Wer mehr Lametta wünscht, geht am Schluss noch mal mit Autosol Metal Polish rüber, dann habt ihr einen Glitterglanz, den auch Hanni und Nanni bezaubernd finden. In den meisten Fällen ist aber schon das Endergebnis nach einer EMR-Kur mehr als seligmachend! Vom Hocker gehauen hat mich jedoch die Tatsache, dass es auch die extrem verranzten mexikanischen Auspuffkrümmer meiner alten E-Glide zu retten vermag. Dazu habe ich mich, aus reiner Neugierde, mal in die Eiseskälte gesetzt und ein paar Minuten auf den Rohren rumgewienert.

Tränen der Rührung liefen mir an den Wangen herunter

Schon nach 30 Sekunden war mir klar, dass EMR wirklich ein Wundermittel ist. Der festgebrannte Dreck löste sich sogar unter dem schwachen Druck meiner zitternden Händchen, und etwas Nacharbeit mit EMR fein brachte den oben erwähnten seidigen Glanz zu Tage. Und alles OHNE Kratzspuren. Tränen der Rührung liefen mir an den Wangen herunter und froren am Kinn fest, dass es eine wahre Freude war. EMR selbst ist auf Fettbasis hergestellt. Wem die Paste zu dick ist (bei minus 4 Grad ist sie geradezu störrisch), dem sei angeraten, etwas Sonnenblumenöl oder Olivenöl zur Hilfe zu nehmen, damit wird die Paste weicher/flüssiger, wirkt weniger radikal und erreicht noch besser die Poren und Lunken in Gussteilen.

Ich benutze als Putzlappen stets unsere ausrangierten Frottee-Handtücher, die sind dick genug, um die Paste in jede Rille und jeden Kratzer zu drücken. Eine Nachbehandlung der Teile ist im Grunde nicht nötig, da EMR bereits konservierende Eigenschaften besitzt, ich habe aber voller Freude noch mal mit dem SR Super nachgewischt, damit es richtig schick aussieht. Zumindest fürs Foto … Ihr findet dieses Produkt unter www.ambassador-chemie.de und werdet feststellen, dass 500 Gramm von EMR fein und grob jeweils 25 Euro kosten. Macht also 50 Euro für zwei Dosen. Klingt erstmal viel, ist aber, gemessen am Ergebnis und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die beiden Dosen etliche Jahre halten werden, ein echtes Schnäppchen. Ja, es ist mein voller Ernst: Dieses Zeugs ist der ultimative Hammer! Ganz nebenbei hat mir Herr Wunderlich von Ambassador noch ein schönes Messingpinselchen mitgeschickt, das man für 5,50 Euro kaufen kann – dieser kleine Freund ist tatsächlich eine gute Hilfe beim Putzen von zerklüfteten Bauteilen. Gibt es sicher auch bei meinem Freund Schoppe, könnt ihr ruhig gleich mitbestellen, falls ihr sowas noch nicht habt. Gutes Teil!

Gute Nacht Bob!

Weniger gut finde ich seit über 40 Jahren das Genuschel von Bob Dylan. Der Typ ist mir jahrzehntelang so auf den Senkel gegangen, dass ich ihn als Erfinder des Sodbrennens krönen muss. Hippie und Köppke hingegen finden ihn klasse, weil er so tolle Texte macht und musikalisch inspirierend wirkt. Ich hab mich dann mal aus freundschaftlichen Gründen etwas näher mit dem Sackgesicht auseinandergesetzt, hab mit meinem Sohn Filme über ihn gesehen, seine Platten gehört, was fast Alkoholiker aus uns gemacht hat, und dann hab ich seine Autobiografie gelesen. UND DIE IST GUT! 

Schreibt besser, als er singt: Bob Dylan, der nuschelnde Nobelpreisträger. Ach ja: Glückwunsch zum Achtzigsten!

Verdammt noch eins, blöd ist der Mann nicht! Selten hab ich so gern gelesen. Auch wenn er ein Arschloch ist, weil er den Nobelpreis, den er nicht verdient hat, nicht selbst abgeholt hat. Auch, wenn er ein miserabler Motorradfahrer ist und nicht mal anständig bremsen kann – die Chronicles von Dylan sind eine echte Leseempfehlung für jeden, der die 60er und 70er noch mal lebhaft beschrieben haben möchte. Warum Lemmy vor ihm gehen musste, ist mir dennoch schleierhaft …

Ich widme mich jetzt weiter meiner Auspuffanlage und sinke nieder vor Herrn Wunderlich von Ambassador. Danke, danke, danke! Und ihr, meine Lieben, macht euch jetzt mal langsam an den Frühjahrsputz, sonst geht es ohne Abendbrot ins Bett.

In Liebe, Euer Martin