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Heute testet Frau Reuter Benzin zur Überwinterung eures Mopeds, ärgert sich über mistmadige LED-Lampen und rät nochmals dringend zur Lemmy-Biographie  

Es kann nicht immer alles gut sein. Wer weiß das besser als wir Deutschen. Wir leben in einem Land, in dem es für Zweiräder eine Pflicht gibt, tagsüber mit Licht zu fahren. Für Vierräder – früher hießen sie Autos, sahen allerdings auch so aus – gilt diese Pflicht nicht. Und? Muckt einer im Land gegen diese Ungerechtigkeit auf? Nein. Ebenso eine Sauerei ist die Tatsache, dass es an der Tankstelle gar kein richtiges Benzin mehr gibt. Es handelt sich hierbei vielmehr um eine Plörre aus Benzolverbindungen, die absolut giftig sind, diversen Additiven (sicherlich nicht minder giftig) und Alkohol aus Biomasse (gesund). 

Frau Reuter – Kleine Benzinkunde

In normalem Benzin sind bis zu fünf Prozent Alkohol, im E10 sind bis zu zehn Prozent Alkohol. E10 macht also schneller betrunken. Benzin ist, das kann nicht oft genug gesagt werden, HOCHGIFTIG. Benzol ist für die Lunge eine Katastrophe. Es wird jedoch auch gern direkt über die Haut aufgenommen. Insofern ist es ein Wunder, dass ich noch lebe, denn in den ersten Jahren meiner Schrauberei bin ich recht arglos mit dieser Suppe umgegangen, habe darin Teile gewaschen, in der Garage übernachtet und hatte immer einen Reservekanister im Auto, der fröhlich vor sich hingestunken hat. Böse, böse Welt. Schlimm, das alles. Aber immerhin: Damals war es wirklich noch Benzin.

Das nehmen auch die Profis: Zweimal im Jahr das Additiv von Moto X-treme in den Tank und schon richtet Benzin weniger Schaden an und der Bock springt im Frühjahr über die Wiese wie junge Rehe beim Balztanz

Heute hat der Sprit eine Haltbarkeit von etwa einem halben Jahr. Spritkonzerne attestieren ihm zwei Jahre Haltbarkeit, was aber völliger Unsinn ist. Wenn ich also im Oktober meine Kiste in die Garage stelle, am besten mit vollem Tank, holt sich der im Benzin enthaltene Alkohol erstmal fröhlich das Wasser aus der umliegenden Luft. Das Spiel treibt er bis in den März, wenn die Karre wieder gefahren werden will. Bis dahin haben sich aber auch noch diverse Zersetzungprozesse im Sprit abgespielt, die dafür sorgen, dass ich jetzt etwas im Tank habe, was nicht mal mehr im aufgeschlossenen Hinterindien als Brennstoff verkauft werden würde.

Der Sprit stinkt mehr nach Pisse als nach Tankstelle

Nach einer Einlagerung von mehreren Jahren ist der Sprit völlig im Eimer. Er stinkt mehr nach Pisse als nach Tankstelle, hat eine andere Farbe angenommen und brennt nur noch schlecht und qualmend. Was tun? Nun, im Alltag kommen wir nicht umhin, uns mit dieser zweifelhaften Plörre über Wasser zu halten. Es gibt jedoch zwei Methoden, dem Motorradmotor was Gutes zu tun: Erstens kann man ein Additiv verwenden, das den Alkohol davon abhält, sich Wasser aus der Luft zu holen und gleichzeitig vorhandenes Wasser absorbiert.

Richtiges Benzin, was eine Freude. Aspen4 ist eigentlich für Rasenmäher gedacht, verrichtet aber auch am Motorrad beste Arbeit. Einfach vorm Winterschlaf in den Tank kippen und im März mit Normalbenzin auffüllen – alle glücklich

Man kann dieses Additiv ein- oder zweimal im Jahr in den Tank kippen, besonders aber vor der Winterpause. Der Sprit wird dadurch nicht besser, richtet aber weniger Schaden an und der Bock springt im nächsten Frühjahr wenigstens auf Schlag wieder an. Das von meinem Freund Malte verwendete Zeug heißt Formula FSP2 und kostet etwa 13 Euro. Oder aber, man verwendet vor dem Einlagern des Motorrades RICHTIGES Benzin. Das bekommt man überall da, wo Rasenmäher verkauft werden. Ich nenne es mal Rasenmäherbenzin. Rasenmäher werden in der Regel im Winter nicht benutzt.

Frau Reuter – Große Benzinkunde

Und seit wir den »modernen« Sprit haben, gibt es gern mal Probleme mit dem Anspringverhalten im Frühjahr. Oder noch schlimmer: Manche Hightech-Rasenmäher haben schon Vergaser oder Schwimmerkammern aus Plastik, wie der meines Freundes Ingo. Ingos Mäher hat 500 Euro gekostet. Als der Bückel im ersten Frühjahr nach der Winterpause nicht ansprang, mussten wir feststellen, dass die gesamte Schwimmerkammer vom Sprit zerfressen war. Der Bock war tot. Eine Beschwerde beim Händler wurde abgewedelt mit der Aussage, man müsse ja zum Winter den Sprit ablassen. Die Schwimmerkammer hat übrigens gar keine Ablassschraube.

Da preist der Reuter noch vor Monaten die LED-Lampen von Zweibrüder an und dann das. Zweimal kaputtgegangen, taugt nix

Lieschen Müller soll also jedes Mal zum Herbst den Vergaser zerlegen, allen Sprit ablassen, auffangen und dann bei der Schadstoffsammelstelle abgeben. Sach mal, wo sind wir hier eigentlich? Ich war dann mit Ingo bei Burkhard in der Kneipe, wir hatten reichlich Cola mit Additiv. Irgendwann hat ein Schlaumeier am Tresen erzählt, dass es dieses Rasenmäherbenzin gäbe und damit sei alles geritzt. Und das haben wir nun gekauft, es nennt sich ASPEN4 und kostet etwa fünf Euro pro Liter.

Nach zwei Bier war dann plötzlich Ruhe …

Letzte Woche haben wir unsere Mäher komplett leer gefahren. Da haben sich die Nachbarn ziemlich gefreut, weil der Rasen nämlich längst gemäht war, der Mäher aber noch fröhlich im Leerlauf auf der Terrasse rumtuckerte, bis der Tank leer war. Nach zwei Bier war dann plötzlich Ruhe und wir haben den Rasenmähersprit reingetan. Dann noch eine Extrarunde gedreht, damit das Zeug überall schön im Kreislauf ist und ab in den Schuppen damit.

Neues Objekt der Begierde ist nun die Taschenlampe von Brennenstuhl. Viel Glück, kleiner Martin

Und wisst ihr, was wir jetzt bei unseren Böcken machen? Genau das gleiche. Da langt notfalls ein Liter im großen Tank. Ingo hat sich trotzdem gleich einen ganzen Fünf-Liter-Kanister in den Tank gehauen. Im Frühjahr wird mit Tankstellensprit aufgefüllt und fertig. Dies ist also sozusagen die Bio-Methode mit echtem Benzin. Das enthält Naphta, ein schweres Alkalythbenzin und ist butanhaltig. Das gleiche Zeug verkauft Zippo als Feuerzeugbenzin. Auch dieser Sprit ist hochgiftig und selbst ein amputierter Vollpfosten kann sich ausrechnen, dass eine mit Zippo-Fluid angezündete Fluppe alles andere als gesundheitsfördernd ist. Aber egal: Der Motor freut sich ein zweites Arschloch, das kann ich garantieren.

Brennenstuhl-Leuchte – Der Name erinnert an angezündete Scheiße

Nun hab ich mich aber versabbelt, meine Herren! Trotzdem noch was NICHT Gutes: Bei meiner Zweibrüder-LED-Taschenlampe ist das Batteriefach kaputtgegangen. Außerdem sind darin meine teuren Batterien ausgelaufen, wie es scheint. Dies ist nun das zweite Mal mit einer unserer Zweibrüder-Lampen passiert und diesmal muss ich das Teil wegschmeißen, weil es das Batteriefach nicht als Ersatzteil gibt, denn die Lampe wird nicht mehr produziert.

Scheißegal, ob ihr Lemmy mögt oder nicht, aber Martin sagt, diese Biographie müsst ihr einfach lesen. Die Jahres­zeit bietet sich dafür an, also ab mit euch in den nächsten Buchladen

Bei ausgelaufenen Batterien funktionieren LED-Lampen einfach nicht mehr, das hab ich wiederholt feststellen müssen. Also werde ich als Reaktion darauf nie wieder eine Zweibrüder-Lampe für 60 Euro kaufen, sondern habe mir bei Schoppe eine billige 20-Euro-Leuchte von Brennenstuhl geleistet. Der Name erinnert zwar an angezündete Scheiße, aber die Lampe tut, was sie soll. Und wenn DIE auch noch den Geist aufgibt, hab ich wenigstens nur 20 Euro zum Fenster rausgeworfen. Arschlecken.

Echte jetzt? Lemmy ist schon sechs Jahre unter der Erde

Man kann’s kaum glauben, aber Ende des Monats ist es schon sechs Jahre her, dass Lemmy von uns gegangen ist. Und allen, die es bis jetzt nicht getan haben, möchte ich nochmals die wunderbare Autobiografie von Herrn Kilmister empfehlen. Jetzt zum Winter genau das Richtige für uns Leseratten. Für knappe zehn Euro kann man hier wunderbar in den Anekdoten des leider viel zu früh verstorbenen Motörhead-Bassisten und Sängers schwelgen, was eine wahre Freude ist.

Frau Reuter

Selbst für Nichtfans wie mich eine echte Offenbarung! Kaufen und lesen, am besten gleich mehrere kaufen und verschenken. Dies ist eine waschechte Dezember-Empfehlung. So, und nun geh ich eine rauchen. Und natürlich zünde ich die Kippe mit gesundem Gas an. Erdgas – das muss ja was ganz Gutes sein.

In Liebe, Euer Martin

 

Frau Reuter
Frau Reuter bei CUSTOMBIKE

Martin Reuter ist unter seinem Pseudonym »Frau Reuter« inzwischen zweitdienstältester Mitarbeiter der CUSTOMBIKE. Der freischaffende Künstler rezensiert mit spitzer Feder und scharfem Wort Produkte, die seiner Meinung nach etwas Aufmerksamkeit bedürfen. Im wahren Leben ist er als Illustrator, Fotograf und Textautor tätig und spielt ganz nebenbei Bass und Orgel in der zweitschlechtesten Band der Welt. Kulinarisch betrachtet kocht er scharf und trinkt schnell. Als echtes Nordlicht badet er selbstverständlich nur in Salzwasser. Seine Vorlieben sind V8-Motoren und Frauen, die Privatfernsehen verschmähen. Stilecht bewegt er eine 76er Harley, restauriert eine Yamaha SR 500 und bewegt sich politisch korrekt die meiste Zeit mit dem Fahrrad fort.