Bei jeder Fahrt ganz vorn dabei? Dann sind auch die Lenkkopflager irgendwann hinüber. CUSTOMBIKE zeigt, wie man sie in der eigenen Garage wechselt.
Beim Verschleiß des Lenkkopflagers handelt es sich um einen schleichenden Vorgang. Über die Kilometer matern sich dabei die Kegelrollen in die Lagerschalen ein. Je größer der Lenkkopfwinkel oder die Reckung der Gabel ist, desto stärker werden die einzelnen Komponenten beim Einfedern aufeinandergepresst.

Während der Fahrt nimmt man den Defekt im Anfangsstadium kaum war, da das Kurvenfahren durch Gewichtsverlagerung und kaum durch eine Lenkbewegung hervorgerufen wird. Wirklich Einschlagen tun wir nur bei Wendemanövern und da ist sowieso schon ein größerer Kraftaufwand nötig, sodass ein minimaler Gegendruck aus dem Lager unbemerkt bleibt. Man muss schon gezielt darauf achten, ob bei der Lenkbewegung um die Mittelachse ein Hindernis zu spüren ist.
Die leidigen Vorarbeiten
Der eigentliche Wechsel der gesamten Lagerkomponenten bildet den geringsten Teil der erforderlichen Arbeiten. Um nämlich an die Teile dran zu kommen, muss das Bike vorn völlig leer geräumt werden. Lediglich der obere Teil, ab der oberen Gabelbrücke, kann erhalten bleiben. Je nachdem, wie die Elektrik und Hydraulik- bzw. mechanischen Leitungen verlegt sind, fällt auch der Zeitaufwand aus.

Wir haben den Wechsel an einer 1400er Intruder dokumentiert. Hier ist die elektrische Versorgung nicht nur durch den Lenker, sondern auch durch die Gabelbrücken verlegt. Außerdem gibt es da noch die Verbindungen in den Doppelscheinwerfern. In einem solchen Fall ist die Dokumentation der einzelnen Verbindungen sehr wichtig, damit man beim Zusammenbau nicht auf dem Schlauch steht.
Arbeiten an der Front
Zum Ausbau der Hydraulikleitungen entfernen wir die Bremsflüssigkeit aus den Vorratsbehältern, schrauben anschließend die Bremsleitungen ab und ziehen diese dann aus den Brücken. Nun folgt der Ausbau des Vorderrades, des Schutzbleches und der Standrohre. Nach Aushängen des Gaszuges und Lösen der Steuerkopfmutter ziehen wir die obere Einheit ab und legen sie komplett zur Seite.

Nach Lösen der Steuerschaftmutter kann die untere Gabelbrücke herausgezogen werden. Um die Lagerschalen heraus zu bekommen, benötigt man ein Spezialwerkzeug. Dieses krallt sich von innen oberhalb der Schalen fest und ermöglicht es, aus der Gegenrichtung mit Eisenstange und Hammer die Teile auszutreiben.
Tank gut schützen
Porkeln mit einem 90° gewinkelten Schraubendreher ist weit mühsamer. Die untere fällt richtungsbedingt einfach runter. Bei der oberen sollte man den Tank mit einem dicken Tuch oder einer Decke schützen, da die Lagerschale beim Austreiben irgendwann einen Freiflug nach oben bekommt und eine bleibende Erinnerung auf dem Lack hinterlässt.

Zunächst werden die neuen Lagerschalen mit einem handelsüblichen Hammer einfach ein Stück in den Steuerkopf eingeschlagen. Für den finalen Sitz setzen wir die Alten einfach oben drauf und treiben so das Paket bis zum Anschlagspunkt. Hört sich nicht nur einfach an, ist es auch.
Das untere Lenkkopflager
Anschließend geht es – im wahrsten Sinne des Wortes – dem unteren Lager an den Kragen. Dazu wird die komplette untere Gabelbrücke am Lenkdorn in einen Schraubstock eingespannt. Nun ist es möglich, das untere Lager mit Hammer und Meißel in Richtung Ausgang zu bearbeiten. Zuerst verlieren dabei die Kegelrollen ihren Sitz.

Normalerweise kann jetzt am oberen Führungsrand angesetzt und das Lager ausgetrieben werden. In unserem Fall ist das Metall leider so spröde, dass die Kante abbricht. Aber auch da gibt es Abhilfe. Wir setzten einen Schweißpunkt auf das verbliebene Stück.
Gut Fetten nicht vergessen
Vorteil hierbei ist, dass es zusätzlich heiß wird, sich ausdehnt und somit mit einem Schlag vom Lenkdorn rutscht. Den Einbau nehmen wir ähnlich vor. Nachdem die Staubschutzmanschette aufgebracht ist, erhitzen wir das neue Lager mit dem Heißluftfön. Mit der Zange auf den Lenkdorn gebracht, lässt es sich auch mit ein paar Schlägen bis zum Anschlag treiben. Vor dem Zusammenbau muss die Lenkeinheit noch gut eingefettet werden.

In das untere Lenkkopflager massieren wir das Fett mit den Fingern ein, das obere wird mit einer Fettpresse geflutet. Wieder eingesetzt, bekommt der Lenkdorn von oben das entsprechende Lenklager aufgesetzt und wird mit der Steuerschaftmutter fixiert. Diese muss erstmal mit ca. 50 Nm angezogen werden. Wer kein entsprechendes Werkzeug hierfür besitzt, kann sich auch mit einem Verstellschlüssel für Federbeine bedienen.
»Nur« noch zusammenbauen
In diesem Klemmsitz muss die Brücke ein paar Mal bis zum Lenkanschlag hin- und herbewegt werden. Abschließend wird die Steuerschaftmutter wieder eine ¼ bis ½ Umdrehung gelöst, sodass sich die Gabelbrücke aus eigener Kraft zur Seite kippen kann. So, jetzt »nur« noch den Rest wieder zusammen bauen. Die erste Fahrt danach offenbart ein viel besseres Fahrverhalten, denn jetzt ist der Unterschied zum alten Zustand krass zu merken.

Fazit: Schleichende Änderungen werden normalerweise nicht wahrgenommen. Deshalb wird der Wechsel des Lenkkopflagers evtl. nötig, obwohl man während der Fahrt kaum Beeinträchtigungen bemerkt hat.











