Die Kabel in den Lenker zu legen gehört heutzutage schon zum Mindestmaß an Customizing. Aber welche Arbeit steckt dahinter?
Anno knusper waren es die Erbauer von Showbikes, die damit anfingen, die Kabel der Bedieneinheiten im Lenker zu verstecken. Da diese Bikes eben eigentlich nur zur Präsentation gedacht waren, interessierte auch keinen eine eventuelle TÜV-Tauglichkeit. Wie staunte da die Motorradwelt, als 1975 Moto Guzzi und 1987 Suzuki die 1400er Intruder ganz legal mit implantierten Kabeln auf den deutschen Markt brachten. Den Ingenieuren sei Dank, denn danach trauten sich auch endlich die Lenkerhersteller daran.
gelochte Riser und Lenker gibts auch als Zubehör
Heutzutage gibt es gelöcherte Riser und Lenker in allen möglichen Variationen. Teilweise können letztere gemäß Gutachten aber auch individuell angebohrt werden. Das hat natürlich den Vorteil, dass man den Ort des Loches genau auf die einzuführenden Kabel abstimmen kann. So steht der ganz individuellen Ausrichtung der Lenker auch nichts im Wege, sofern die Kabel durch die Riser verlaufen.
Wie kommen die Löcher in den Lenker?
Im Fachbetrieb ist diese Modifikation recht einfach durchzuführen. Der Lenker wird dazu zunächst mittels zwei entsprechender Alustücke in einem Schraubstock eingespannt, bei beschichteten Oberflächen kommt sogar noch ein Tuch als Schutz dazwischen. Die Klemmvorrichtung befindet sich auf dem Tisch der Oberflächenfräse. Mit dem entsprechenden Fräskopf ausgestattet wird das zu bearbeitende Werkstück im Fräsbetrieb manuell hin und hergeschoben und die gewünschte Lochgröße an den entsprechenden Stellen hergestellt.

Da die meisten Privatpersonen kaum über eine Standbohrmaschine hinauskommen, stellt sich die Angelegenheit im heimischen Keller etwas komplizierter dar. Der Lenker kann wegen fehlender passgenauer Einspannhülsen u.U. beim Bohren verrutschen und der Bohrer somit leicht abbrechen. Kriegt man das abgebrochene Stück nicht raus, ist Schluss mit lustig. Sofern aber alles fest sitzt, gilt zu beachten, dass nicht millimeterweise größer gebohrt wird.
Entgraten nicht vergessen
Der Bohrer muss immer genug Material zum Schneiden haben, sonst können die Kanten leicht ausglühen (z.B. bei Edelstahl). Auch ist ein Langloch in einem Arbeitsgang unmöglich, deshalb ist eine anschließende Bearbeitung mit einem Dremel vonnöten. Außer natürlich, die Zuleitungen der Armaturen sind so abgespeckt, dass maximal eine 10-mm-Bohrung ausreichend ist. Auf jeden Fall müssen die Kanten entgratet werden, damit sich die Implantate nicht aufscheuern können.

Wie ihr seht, es geht auch zu Hause, aber es ist doch wesentlich leichter, auf einen bereits gelöcherten Lenker zurückzugreifen oder diese Arbeit beim Fachbetrieb durchführen zu lassen.
Zerlegen der Stecker
In jedem Fall steht aber bei Beibehaltung der Originalarmaturen erstmal deren Ausbau an. Sobald die Zuleitung vom Kabelbaum getrennt ist, empfiehlt es sich, die Kabelbelegung der Stecker aufzuschreiben oder zu fotografieren. Das ist für den abschließenden Zusammenbau wichtig. Leider wechseln die Hersteller nämlich gelegentlich die Kabelfarben von der einen zur anderen Steckerseite.

Mit der entsprechenden Dokumentation seid ihr aber auf der sicheren Seite. Nun geht es aber zunächst an die Zerlegung, da ein Serienstecker nicht durch den Lenker, geschweige denn das Loch im selben, passt. Lassen sich mögliche Dichtungen noch leicht mit einem kleinen Schraubendreher entfernen, stehen die meisten bei den Kontakten auf dem Schlauch. Wie immer muss man hier nur wissen, wie es geht bzw. das richtige Werkzeug haben.
Es ist so, dass sich diese kleinen Kupferteile mit einer Nase im Stecker verhaken. Es geht also darum, diese wegzubiegen, um den Kontakt rausziehen zu können. Bei Harley wird dies durch einen Metallstift realisiert, der von vorne in den Stecker eingeführt wird. Bei anderen Typen reicht meist ein kleiner Schraubendreher, um an die Widerhaken zu kommen.
Hilfestellung durch einen Draht
Nach kompletter Zerlegung muss im nächsten Schritt ein Zugdraht in den Lenker eingeführt werden. Dazu spannt man ihn am besten irgendwo ein. Wer keinen passenden Schraubstock hat, kann den Lenker auch leicht versetzt in die Riser einspannen, sodass die Löcher frei zugänglich sind. Nachdem der Zugdraht seinen Weg gefunden hat, wird das Armaturenkabel mit Isolierband daran festgeklebt.

So vereint muss möglichst gleichmäßig am Eingang geschoben und am Ausgang gezogen werden. Wenn dann die Armaturen gut sitzen, könnt ihr mit dem Ziehen aufhören und euch um die zweite Seite in gleicher Art kümmern. Sobald auch diese fertig ist, müssen die Zuleitungen durch die Riser gesteckt und der Lenker in seine endgültige Position gebracht werden. Erst jetzt könnt ihr die Kontakte (evtl. Nasen wieder etwas nachbiegen) gemäß eurer Aufzeichnung wieder in ihre Gehäuse stecken.
Funktionsprüfung Pflicht
Sobald die Stecker wieder mit dem Kabelbaum verbunden sind, solltet ihr eine Funktionsprüfung machen. Wenn dann alles stimmt, könnt ihr den Rest wieder zusammenbauen und euch auf die nächste Tour freuen.






