Tacho im Versteck – Aufnahmebereitschaft

Anzeige
Motorradmesse Erfurt (Bis 22.3)

Damit der Tacho in der Versenkung verschwinden kann, muss sich die Gabelbrücke nur darauf einlassen.

»Wofür brauche ich einen Tacho, ich fahr sowieso nur nach Gefühl«, ein Satz, den man immer wieder hört. Aber haben muss man ihn. StVZO und EG-Richtlinien sind sich dabei einig, dass dieses Kontrollgerät im unmittelbaren Sichtbereich des Fahrers liegen muss. Damit liegt der Gedanke nahe, dass eigentlich nur die Montage am Lenker wirklich genehmigungsfähig ist.

Wo soll der Tacho hin?

Wie uns aber das wahre Leben gezeigt hat, bestehen auch Bikes mit seitlichen Geschwindigkeitsmessern, sei es in Luftfiltern, im Benzintank oder an separaten Haltern, die Hauptuntersuchung. Dass dieser Standort dann nicht immer wirklich ohne Positionsänderung des Fahrers – zumindest seines Kopfes – einsehbar ist, kann wohl kaum einer abstreiten.

Räumliche Trennung: Zum Fräsen der Brücke muss der Lenkdorn raus. Das Erwärmen des Werkstückes erleichtert die Demontage

Deshalb haben wir uns auf die Suche nach einer neuen Alternative gemacht und kamen auf die Idee, den Tacho und die Kontrollleuchten in die untere Gabelbrücke einzulassen. Wegen der beschränkten Platzreserven bedienen wir uns der kleinen motogadget-Produkte.

Papier ist geduldig und leicht zu bearbeiten

Zunächst wird am PC der Tacho im Maßstab 1:1 gezeichnet, ausgedruckt und ausgeschnitten. Mit diesem Dummy ist es möglich, die zukünftige Lage mal eben live abzuchecken und zu erkennen, dass die gedachte Position auf der unteren Gabelbrücke wirklich gut erkennbar ist. Lediglich ein bereits vorhandenes Loch für die originale Tachowelle stört ein wenig. Da die Brücke eine Materialstärke von 35 mm aufweist, bestehen bei der Stabilität keinerlei Bedenken, da der motoscope mini nur 14 mm tief ist.

Platz schaffen: An dieser Stelle soll später der Tacho montiert werden. Dazu wird eine störende Bohrung zugeschweißt

Bevor es losgehen kann, muss erst mal das Frontend komplett zerlegt werden. Mit Tacho und Gabelbrücke bewaffnet geht es dann zum Fräser unseres Vertrauens. Dieser zieht uns erst mal einen Zahn, wegen des Ausmaßes des Fräskopfes muss nämlich auch der Lenkdorn aus der Gabel raus. Da es sich um ein fünf Grad gerecktes Exemplar handelt, ist das nicht mal eben gemacht.

Erst heiß machen, dann abkühlen

Gabel und Lenkdorn würden sich ohne Hilfsmittel in der Presse gegeneinander verkanten. Also sägen wir ein Rohr im Winkel von 5° ab und legen es unter die Gabelbrücke, sodass der Lenkdorn dort hineinfallen kann. Nach Erwärmung der Brücke mit einem Brenner nimmt die Presse ihre Arbeit auf und drückt den Lenkdorn raus. Der Tachozugdurchlass wird vor der eigentlichen Arbeitsaufnahme noch zugeschweißt.

Vorarbeit: Mit den im PC eingegebenen Daten wird die endgültige Position ermittelt

Da Aluminium unheimlich gut Wärme aufnimmt und hält, konnten wir das gute Stück erst nach 45 Minuten wieder anfassen. Das radikale Abkühlen in kaltem Wasser hätte ein Verziehen der Gabelbrücke zur Folge gehabt. Die aufgetragenen Erhöhungen werden per Schwingschleifer geglättet.

Sind die Vorarbeiten erledigt, geht es sehr schnell

Der Herr der CNC-Fräse hat die Zwischenzeit genutzt und das Programm für die gezielte Materialentnahme geschrieben. Um den genauen Fräspunkt festzulegen, wird noch im PC eine Zeichnung der Gabelbrücke angefertigt. Somit lassen sich die Kontrollinstrumente in die gewünschte Position schieben, und der Rechner bestimmt sofort die Entfernung zum Nullpunkt. Dieser ergibt sich aus dem Mittelpunkt auf einer Linie durch die beiden Standrohrbohrungen.

Schutzmechanismus: Werkstück und Fräseinsatz werden während des CNC-Fräsens mit Wasser gekühlt. Nach knapp zwei Minuten ist die Wunschaussparung fertig

In der Realität ermittelt die CNC-Fräse per Abtasten mit einem Sensoreinsatz selbstständig diesen Bezugspunkt. Danach müssen nur noch die vorher ermittelten Abweichungen vom Nullpunkt programmiert werden. Insgesamt drei Fräsköpfe holt sich die Fräse automatisch aus dem Revolver, und nach knapp zwei Minuten ist die gewünschte Aussparung fertig. Um die Brücke wieder geschniegelt fein zu bekommen, wird sie komplett mit dem Schwingschleifer von sämtlichen Macken befreit und anschließend an der Poliermaschine wieder auf Hochglanz gebracht.

Perfektes Versteck: In dieser Aussparung wird der motogadget-Tacho sein neues zu Hause finden

Da sich bei dieser Arbeit das Aluminium wieder aufheizt, brauchen wir dieses für das Einpressen des Lenkdorns nicht separat zu tun. Zum Glück hat der Hersteller der Gabelbrücken einen Positionspunkt eingefräst, der die Stellung für das Lenkradschloss angibt. So positioniert, drückt die Presse den Lenkdorn wieder in seine alte Stellung. Der vorerst letzte Arbeitsschritt besteht darin, ein neues Lenklager auf den Dorn zu treiben.

Nur noch zusammenbauen und anschließen

Wieder zurück am heimischen Motorrad werden vor dem Zusammenbau erst einmal der Tacho und die Kontrollleuchten in der Gabelbrücke installiert. Danach erhält letztere wieder ihren alten Platz zugewiesen. Nach dem kompletten Zusammenbau des Frontends steht nur noch der Anschluss der neuen Elektrokomponenten an. In unserem Fall geht das wirklich recht schnell, da bei der letzten Umbauaktion schon die Verlegung des Tachos in diese Region kabeltechnisch vorgesehen wurde.

Anzeige
DM 2/26
Tacho im Versteck

Die erste Ausfahrt zu einem Motorradtreff bringt dann auch die Bestätigung: Ohne gesonderten Hinweis findet niemand auf Anhieb die Kontrollinstrumente. Na also, hat sich der ganze Aufwand doch gelohnt.




Beitrag veröffentlicht

in

,

von

Fotos: Lothar Steinmetz
Fotos sind urheberrechtlich geschützt

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x