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Rom ist in der kleinsten Hütte. Der Titel dieser 80er-Jahre-Fernsehserie trifft es ziemlich auf den Punkt: Das Große findet sich auch im Kleinen. Oder anders gesagt, zum Schrauben braucht es nicht viel Platz, erst recht nicht, um Großes zu bewirken. Und jetzt: Show me your Garage, Manfred.

Manfred hat nicht übertrieben, als er uns schrieb, dass er vermutlich die kleinste Schraubergarage der Schweiz sein Eigen nennt. So viel Understatement weckt dann doch die Neugierde und so machen wir uns auf nach Böbikon, einer kleinen Gemeinde im Kanton Aargau.

Show me your Garage – Schweizer Idyll

»Wir liegen tatsächlich in einer Sackgasse«, lächelt Manfred verschmitzt und meint damit hauptsächlich die geographische Lage in einem nach allen Seiten hin abgeschlossenen Talkessel. Die einzige Straße hinein, führt auch wieder hinaus. Dem Wirken an den Motorrädern tut das keinen Abbruch, schließlich findet man in diesem Idyll genau jene Ruhe, die es für den kreativen Prozess braucht. Noch dazu ist Manfreds Weg ins Schrauberreich ungefähr genau eine Treppe lang – und diese führt unters Haus. 

Gut organisiert: In Manfreds Schrauberreich passen, dicht gedrängt, genau drei Motorräder. Damit Platz zum Schrauben bleibt, müssen die Bikes bewegt werden. Auch sonst bleibt Bewegungsfreiheit ein Luxus, liegt jedes Werkzeug und jedes Teil am entsprechenden Platz

Zwischen Garage und dem ehemaligen Heizraum hat sich Manfred eingerichtet: »Vorher war es sogar noch enger, doch vor etwa fünf Jahren haben wir die Heizung ausgebaut und durch eine Wärmepumpe für die Fußbodenheizung ersetzt. Endlich habe ich jetzt mehr Platz für meine Motorräder.«

Den Projekten neues Leben einhauchen

Dafür bleiben aber auch im Winter die Temperaturen in der Werkstatt schon mal bei frischen vier bis fünf Grad, mit viel Wohlwollen werden hin und wieder auch zwölf Grad erreicht. Kein Grund, nicht seiner Leidenschaft nachzugehen. Meist am Abend, oft an den Wochenenden, lässt Manfred seiner Kreativität freien Lauf, haucht seinen Projekten Leben ein. 

Im zweiten Raum herrscht weniger Gedränge, doch auch hier liegen Ersatzteile gut sortiert und griffbereit im Regal. Auch eine Standbohrmaschine findet Platz. Das war‘s dann aber auch schon mit dem Maschinenpark. Benötigte Umbauteile stellt Manfred, soweit möglich, selbst her

Das Interesse für Motorräder wird früh geweckt und wächst mit den Jahren. Der Kultfilm »Easy Rider« wird zur Initialzündung. Ende der Siebziger baut er sich ein Langgabler-Mofa, für einen Chopper reicht es noch nicht, und lebt im Dorf seine Freiheit aus, bis er von einem genervten Anwohner verpetzt wird. Es folgt die Höchststrafe – der aufgebrachte Vater lässt den Sohn unter seinen strengen Augen das Mofa zersägen und zum Schrotthändler bringen. Doch was das vermeintliche Ende hätte sein können, wird zum Anfang eines Weges, den Manfred nicht mehr verlassen wird. 

»Ich habe nur einmal die Flex angesetzt«

In der Lehre träumt er von Harleys mit Springergabel, leisten kann er sich nur eine Honda CM 125. Es folgen eine VT 500 und eine Intruder 750. Dann, 1986, endlich die erste Harley-Davidson. Es ist eine Heritage Softail, die er umbaut. »Es ist das erste und einzige Mal, dass ich bei einem Umbau die Flex angesetzt habe«, schwört Manfred. Parallel dazu erwirbt er eine 1948er EL mit Panhead-Motor und Springergabel.

Die weitere Motorradkarriere bringt auch eine BMW R 1200 C in die Sammlung, den Bayern-Chopper, den James Bond einst fuhr. Irgendwann findet er zu den BMW-Klonen von Chang Jiang und Ural. Sie werden fortan die Basis seiner Umbauten sein. »Sie sind einfach kostengünstig und es ist noch viel Mechanik und weniger Elektronik verbaut«, so Manfred.

Show me your Garage – Schrauben, entwerfen, bauen

In seiner kleinen Garage setzt er, gut organisiert, seine Gedanken um, schraubt, entwirft, baut. So viel wie möglich davon selbst. Immer wieder fallen ihm neue Ideen ein, zweckentfremdet er Gegenstände und führt sie am Motorrad einer neuen Bestimmung zu. Es scheint, als seien seiner Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Auf der Swiss-Custom überzeugt er die Jury und räumt im Wettbewerb mit seiner Chang Jiang einen ersten Platz ab. Eine schöne Anerkennung für eine endlose Leidenschaft. Allerdings nicht so schön wie die Anerkennung des Schweizer TÜV, denn alle seine Fahrzeuge sind zugelassen.

Show me your Garage – Platz für drei Motorräder

Und da Manfreds Frau nicht nur hinter seinem Hobby steht, sondern auch selbst Motorrad fährt, werden die Kreationen regelmäßig bewegt. Auch wenn in der Garage noch zwei fahrbereite, moderne Harleys stehen, neue Projekte sind im Moment nicht in Planung. Und wenn doch, vielleicht könnte es dann mal wieder eine Harley sein, die er nach seinen Vorstellungen umbaut.