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Dreißig Jahre sind eine verdammt lange Zeit, doch offenbar nicht genug, um mit dem Sammeln und Restaurieren von Motorrädern aufzuhören. Schließlich warten genügend Youngtimer auf ihre Wiedererweckung. Also: Show me your Garage, Karl-Heinz!

Karl-Heinz hat eine klassische Motorradkarriere hingelegt, wie sie viele aus eigener Erfahrung kennen. Von den »Achtzigern«, die mit dem Führerschein Klasse 1b bewegt werden durften, bis hin zu den »Großen«. Nur die Mofas, die hat er ausgelassen, weil es nie wirklich cool war, mit fünfundzwanzig Sachen über die Straßen zu knattern und dabei selbst durchtrainierten Radlern hoffnungslos unterlegen zu sein. 

Show me your Garage – Kreatives Schrauben

Doch mit dem Einstieg in die Welt ohne Hubraum- oder Leistungsbegrenzung beginnt für Karl-Heinz noch lange nicht das kreative Schrauben, das heute für ihn unverzichtbar geworden ist. Mit dem Erwerb einer nagelneuen Honda Africa Twin in jungen Jahren beginnt die Zeit des Reisens. »Mit diesem Bike habe ich fast jedes Land in Europa durchfahren.«

An Werkzeugen für die Umbauerei mangelt es nicht. Alles da, was der Schrauber für die Umsetzung seiner Projekte braucht. Und sollten mal alte Kennzeichen übrig sein, werden sie kurzerhand zu Lampenschirmen umfunktioniert

Das Schrauben selbst ist in dieser Phase lediglich eine Zweckmäßigkeit, um die Kisten am Laufen zu halten. »Motorradfahren ist mir immer wichtig gewesen und wird es auch immer bleiben.« Mit den Jahren kommen auch andere Motorräder, die aber nicht wieder gehen, denn Karl-Heinz behält sie einfach und so beginnt eine Sammelleidenschaft, die bis heute nicht nachgelassen hat.

Show me your Garage – In Vaters alter Schreinerwerkstatt

Seine Garage liegt irgendwo im Nordbadischen, gut geschützt vor neugierigen Blicken, aber vor allem groß genug, um den wachsenden Fuhrpark aufnehmen zu können. Hier, in der alten Schreinerwerkstatt seines Vaters, findet er die Ruhe und vor allem die Muße, sich mit den Projekten auseinanderzusetzen, Ideen zu entwickeln, umzusetzen und sich am Ergebnis zu erfreuen. »Es hat sich einfach so ergeben«, klärt er auf, »und inzwischen finden mich die Motorräder fast von alleine. Ich suche nicht gezielt nach bestimmten Modellen.« 

»Upcycling« lautet das andere Hobby. Aus übrig gebliebenen Motorradteilen und anderen Parts, baut Karl-Heinz so nützliche Dinge wie Helmhalter …

Und so stehen willkürlich aneinandergereiht wunderschöne Exponate aus den Siebzigern in der Werkstatt: Honda CB 250, CJ 360, Yamaha RD 250, Triumph Trident T150, verschiedene BMWs, eine Yamaha XS 650, die er zum Scrambler umgebaut hat, eine Moto Guzzi Le Mans und sogar eine Kreidler RS Electronic, jener kultige Zweitakter, der bis zum Erscheinen der 80er-Klasse, die schnellste Kiste im Land war, wenn sie von den richtigen Händen fit gemacht und bewegt wurde. 

Show me your Garage – »Ich kann mich nicht trennen«

Wie viele Maschinen sich denn in seinem Besitz befinden? Karl-Heinz überlegt kurz. »Es sind inzwischen rund dreißig Stück. Ich kann mich nicht trennen, wenn ich Zeit, Geld und vor allem viel Herzblut in den Umbau oder die Restaurierung gesteckt habe. Niemand würde mir das bezahlen, was diese Motorräder für mich bedeuten. Deshalb bleiben sie nach der Fertigstellung und vergrößern die wunderbare Sammlung. 

… oder Werkstattbeleuchtungen auf Stativen

Die Entscheidung, ob ein Motorrad umgebaut oder restauriert wird, trifft er übrigens spontan. »In erster Linie kommt es für mich auf die Substanz an. Ist die Basis gut, versetze ich das Motorrad meistens wieder in seinen Originalzustand. Ist sie schlecht, kommt in der Regel ein Umbau dabei heraus.« Doch egal, welche Richtung er einschlägt, ein Problem bleibt immer die Teilebeschaffung.

Bikes aus den Seventies: Ersatzteile zu horrenden Preisen

Für viele Modelle aus den Siebzigern gibt es kaum noch Ersatzteile, und selbst wenn, dann werden sie zu horrenden Preisen gehandelt, die man einfach akzeptieren muss. »Zum Glück bin ich inzwischen gut vernetzt und schaffe es immer wieder, alle benötigten Teile zu besorgen.« Wer jetzt denkt, dass Karl-Heinz tagein, tagaus in seiner Werkstatt verbringt, macht sich ein falsches Bild von dem selbstständigen Unternehmer.

Airbrush ist ebenfalls eine Leidenschaft. Wenn Karl-Heinz Zeit hat, lackiert und gestaltet er die Umbauteile ganz nach seinen Vorstellungen

»Meist sind es die Wochenenden, die ich hier in Ruhe arbeiten kann. Unter der Woche, nach Feierabend, sind es höchstens ein oder zwei Stunden.« Wie viel Zeit für ein Motorrad im Schnitt draufgeht, beantwortet er mit: »Zwischen zweihundert und dreihundert Stunden, je nach dem, was ich aus dem Motorrad machen möchten.« 

Show me your Garage – »Upcycling«

Daneben macht er aus übrig gebliebenen Teilen auch noch ein sogenanntes »Upcycling«, baut aus den Parts so nützliche Dinge wie Helm- oder Schlüsselhalter, gestaltet Kennzeichen und Gabel zu einer Beleuchtung für die Werkbank um oder schafft aus alten Scheinwerfern nostalgische Zimmerbeleuchtungen. Seiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Kenner werden den Kreidler-Rahmen sofort erkannt haben. Für dieses Projekt dient er als Basis für einen Caf-Racer-Umbau, der aus den Parts mehrerer Marken entstehen soll und garantiert die Motorradsammlung erweitern wird

»Es macht mir einfach Spaß mit vielen Materialien zu arbeiten, und das Schönste ist, ich habe keinerlei Zwang. Ich muss nicht. Manchmal sitze ich auch nur mit einem Bier auf dem Sofa in der Werkstatt und sinniere über meine Projekte oder schaue die Motorräder an.« Die meisten Arbeiten erledigt er selbst. Nur wenn spezielle Maschinen oder Fertigkeiten gefragt sind, gibt er Sachen außer Haus und lässt sie von Spezialisten machen.

Ein klassischer Chopper fehlt noch in der Sammlung

Das Einzige, was in der Sammlung fehlt, ist ein klassischer Chopper, denn der Fokus liegt hauptsächlich auf Roadstern oder Naked Bikes. Doch auch das soll noch irgendwann kommen. »Aber das muss schon eine Harley sein und die wird dann einen ganz schmalen Lenker haben und den typischen Flowerpower-Look mit knalliger Lackierung.« Nummer wie viel der Chopper dann in der Sammlung sein wird, steht noch in den Sternen. Sicher ist nur, dass sie nicht kleiner werden, sondern weiter wachsen wird.