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Show me your Garage zu Besuch im Emsland: 100 Prozent Motorräder – Ger und Marga Voetman haben sich ein Refugium geschaffen, das von purer Leidenschaft lebt.

»Irgendwann verliert man den Blick dafür, was man eigentlich tut. So selbstverständlich ist es geworden, so zur Gewohnheit. Und dann kommen Leute hierher und staunen und gucken. Und erst dann merkst du, was das hier eigentlich bedeutet, wie cool es für andere ist.« Ger Voetman sitzt in seinem selbstgeschaffenen Reich, das sich nur um eines dreht: Motorräder. Unser Fotograf hüpft wie wild umher, fotografiert jedes Detail. So viele Dinge, die für Ger und seine Frau zur Selbstverständlichkeit geworden sind – für uns dagegen ist es ein Leben für Custombikes, das sich vor uns auftürmt.

Show me your Garage nah der holländischen Grenze

Wir sind im Emsland, nah an der holländischen Grenze und Gers Name verrät uns die entsprechende Herkunft. Als er und Marga sich kennenlernten, wollten beide einen kompletten Neuanfang, raus aus Holland und dem gewohnten Umfeld, etwas zusammen starten, was zusammen schweißt. Ihre neue Heimat fanden sie im kleinen Neulehe, nicht einmal tausend Einwohner … der richtige Platz für ein Vorhaben wie ihres. Nur zur täglichen Arbeit fährt Ger noch über die Grenze, der Rest des Lebens findet im deutschen Dorf statt, genauer in seiner Werkstatt.

Unser Fototermin fand leider ohne Gers Frau statt, sie musste arbeiten. Normalerweise teilt sie aber das Hobby ihres Mannes. An ihrer XS im Vordergrund hat sie selbst mitgebaut

Siebzig Quadratmeter, vollgestopft mit Motorrädern, acht Stück stehen aktuell hier. »Ausschließlich Triumph und Yamaha, was anderes baue ich nicht.« Über der Werkstatt, die mit zwei Hebebühnen, Drehbank, Biegemaschine und sonstigen notwendigen Werkzeugen ausgestattet ist, gibt es einen gemütlichen Raum, mein »kleines Route 66«, wie Ger es nennt. Außerdem hat das Paar ein paar Gästezimmer eingerichtet, betreibt nebenbei das kleine Bed & Breakfast. »Hauptsächlich kommen Mopedfahrer auf der Durchreise hierher, morgens einen schönen Kaffee, dann wieder auf die Bahn.«

»Ich muss bei allem, was ich tue, ein gutes Gefühl haben«

Leben kann Ger davon nicht, und will es auch nicht. »Ich muss bei allem, was ich tue, ein gutes Gefühl haben. Auch, wenn ich Motorräder für andere baue.« Durch Mund-zu-Mund-Propaganda sind schon einige bei ihm gelandet, auch der Triumph-Händler schickt mal jemanden vorbei, gerade wenn es um alte Engländer geht. »Und dann setzt man sich halt zusammen und spricht über das Projekt – und wenn es sich gut anfühlt, dann mache ich das auch.«

Auch unterm Dach schlummern noch Schätze – ein kleines Bed and Breakfast für Biker betreiben die Voetmans außerdem

Über die Jahre hat Ger sich eine gute Gemeinschaft aufgebaut, manche Arbeiten gibt er ab. An Lackierer und andere Spezialisten, Hand-zu-Hand-Geschäfte, deren Basis Freundschaft ist. Trotzdem, das meiste baut er selbst, zwei bis drei Bikes entstehen so im Jahr. Gearbeitet wird am Abend und an den Wochenenden, vor allem samstags, »das ist mein absoluter Werkstatttag, da bin ich eigentlich immer hier«, sagt Ger. Und bei einem Motorrad hat auch seine Frau Marga aktiv mitgeschraubt, ihre eigene, flache XS trägt viele Insignien, die große Bedeutung für sie haben.

Show me your Garage – Einmal im Jahr ist »Open House«

Einmal im Jahr kommt es außerdem zum Familientreffen, dann laden die Voetmans zum »Open House«. Und dann sieht Ger auch viele Motorräder wieder, die er einst gebaut hat. »Ich weiß von den meisten Kisten, wo sie gelandet sind, das ist schon sehr schön«, sagt er. Um die sechzig, siebzig Bikes hat er bisher aufgebaut, seit Anfang der 80er Jahre ist er dabei, schraubt also seit weit über dreißig Jahren. Und so soll es auch weitergehen. »In ein paar Jahren kann ich vielleicht in Rente gehen«, hofft Ger. »Und dann geht das mit den Motorrädern erst richtig los.«

Info | gmchoppers.intropagina.nl

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.