Wie Kay Blanke zum Motorradmensch wurde und warum in seiner Garage eine Discokugel hängt …

Kay Blanke ist eines der bekanntesten Gesichter der Motorradzene, gehört gefühlt schon immer zum Mitarbeiterstamm von Louis in Hamburg. Er ist Freund kräftiger Motoren, Verfechter von knallharten Umbauten, Szenegänger und Punkrocker im besten Sinne des Wortes. Ein Motorradmann durch und durch, beruflich wie privat. Wenn wir irgendjemandem die Schuld in die Schuhe schieben wollen, so sollten wir wohl bei Kays großer Schwester anfangen. Sie gab den ersten Schubs in die Motorradrichtung, allerdings eher unfreiwillig.

Projekte, Projekte: Auf der Hebebühne positioniert sich aktuell der Rahmen einer XBR 500, ein federleichter Cafe Racer soll daraus entstehen

Es war Anfang der 70er-Jahre, als er mit ihr zum Ponyhof fahren musste, wo sie ihr Hobby pflegte und er über die sturen Gäule schimpfte. Doch es gab da noch etwas anderes auf dem Hof, eine Doppelgarage vollgestopft mit Mopeds. Es ist die erste Berührung eines kleinen Jungen mit der Materie Motorrad. Der Besitzer der Bikes erklärt Kay alles – wie ein Motor funktioniert, das Benzin und Luft in die Zylinder gesogen werden, der Kolben nach oben fährt und das Gemisch aus Sprit und Luft zusammenpresst, der Zündfunke es explodieren lässt, die Maschine sich in Bewegung setzt. Kay sitzt hier zum ersten Mal in seinem Leben auf einem Moped, eine Zündapp ist es. Von fortan ist der Norddeutsche Motorradfahrer, legt sich hundertfach in der nahen Kiesgrube aufs Maul. Das gehört dazu, die Flamme lodert mit jedem Sturz nur noch mehr.


Mit einem Stück Kreide im Ohr in Kurven einen weißen Strich auf die Fahrbahn zeichnen – bon!

Das erste richtige Motorrad wird eine Yamaha XS 360, umgebaut natürlich, damit sie wie der deutlich hübschere 650er Twin aussieht. Es ist früh klar, dass die sportlichen Motorrädern Kays Favoriten sind. »Chopper? Für mich passt das von der Fahrphysik her einfach nicht. Vielleicht wenn ich in den USA leben würde, aber hier will ich mit einem Stück Kreide im Ohr in Kurven einen weißen Strich auf die Fahrbahn zeichnen können – zumindest theoretisch.« Nach einer klassischen Kaufmannsausbildung – »Meiner Mum zuliebe« – will Kay seine Zeit bis zum Studium überbrücken. »Publizistik und Design sollten es eigentlich werden.«

Kay greift gern mal zur Klampfe, spielt in einer eigenen Band

Bei Louis, damals noch Motorradimporteur und -händler, heuert er als Saisonkraft an und geht nicht mehr weg. »Es gab so unglaublich viel zu tun und die Chemie stimmte einfach.« 2017 steht sein 30-Jähriges in dem Unternehmen an, »das war damals sehr cool. Man hatte fünf Jobs auf einmal, denn Louis war ja noch verhältnismäßig klein. Bei meiner ersten Weihnachtsfeier waren wir vielleicht vierzig Leute, heute sind es über tausend.« Seit Urzeiten ist Kay für uns, die Presse, zuständig. Aber auch für Patent- und Markenrecht, ein schwieriges Terrain, er könnte viele Geschichten darüber erzählen. Daneben macht er sich für Custom- und Schrauberprojekte bei seinem Arbeitgeber stark. Regelmäßig bringt Louis mittlerweile Promotionbikes hervor, für deren Design Kay verantwortlich ist. Und der Macher selbst pflegt seine Leidenschaft auch abseits des Jobs.


»Eigentlich wollte ich nach fünf Jahren fertig sein, jetzt bin ich schon fünfzehn hier«

Im Südosten Hamburgs ist der Motorradmann zu Hause. Fast ein bisschen ländlich ist es da, am Rande der großen Stadt. Links eine Pferdekoppel, rechts ein See, 5000 Quadratmeter Grundstück, fast zu viel für den Rasentraktor. »Ein Balkenmäher wäre prima. Wenn ihr was in die Richtung hört, sagt Bescheid«, lässt Kay uns wissen. Sein Haus hat er eigenhändig von Grund auf neu hergerichtet, ein Ende der Arbeit ist nicht in Sicht. »Eigentlich wollte ich nach fünf Jahren fertig sein, jetzt bin ich schon fünfzehn hier«, schmunzelt er. Er sollte Erfahrung mit sowas haben, schon allein, weil es bei Motorrädern doch nicht anders zugeht.

Der Dominator-Motor kann es kaum erwarten, in irgendetwas Geiles eingebaut zu werden. Der XBR-Rahmen wartet schon …

Acht Bikes sind aktuell in seinem Besitz, die ein oder andere Baustelle darunter. Zum Schrauben und Aufbewahren hat er sich eine Hütte gebaut, selbst das Fundament gegossen, Anker eingelassen, ein Holzständerwerk hochgezogen. Das Sperrholz ist wasserdicht verleimt, »aber verputzen müsste ich das mal«, sinniert er. Klein ist die Hütte, gerade mal 24 Quadratmeter, aber breiter ist das Grundstück an dieser Stelle nunmal nicht. Wie in Setzkästen hängt das Werkzeug an den Wänden, doch bei Bedarf werden Blechschilder davorgehängt. Auf der Hebebeühne steht das aktuelle Projekt, der Rahmen einer XBR 500. »da kommt ein Dominator-Motor rein, dazu Einmann-Höcker, 130 Kilo am Ende«, der Hamburger freut sich wie ein kleines Kind.


Einmal im Jahr wird es richtig voll – da freut sich die Discokugel

Es kommt so schon ständig jemand vorbei, aber einmal im Jahr wird es richtig voll. Zur großen Gartenparty verschwinden Schränke hinter Jalousien, die Werkstatt ist nicht mehr als solche zu erkennen. Dann macht Kay dort mit seiner Metal-Band Musik und am Ende der Nacht hotten die Damen unter der Discokugel ab. »Reines Neonlicht ist so kalt und ungemütlich, da fand ich das so passender.« Motorräder und Musik, ein Leben lang.