Artikel speichern

0

In Bocholt, unweit der holländischen Grenze, schraubt eine Gemeinschaft, die sich einst Yamahas V-Max verschrieben hatte, inzwischen aber leidenschaftlich auch an anderen Marken und Modellen schraubt. Willkommen in der V-Max-Bude!

Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser als man glaubt«, trällerte einst Herbert Grönemeyer und vergaß dabei, dass es Orte in Deutschland gibt, die noch tiefer im Westen liegen als Bochum. Bocholt zum Beispiel, und hier verstaubt die Sonne sicher nicht, es sei denn, der Schleifstaub trübt die Aussicht, hinaus aus der Werkstatt ins Freie.

Die Leidenschaft war und ist Yamahas Power-Prügel

Begonnen hat alles im Jahr 2003, als sich Walter und drei Mitstreiter zur V-Max-Bude zusammenschlossen. Ihre Leidenschaft war und ist Yamahas oben genanntes, außergewöhnliches Modell mit dem potenten Vierzylinder-V-Motor. Doch inzwischen widmet man sich markenübergreifend auch anderen Modellen. 

Generationentreffen: In Bocholt spielt das Alter keine Rolle, solange man die Leidenschaft teilt. Von links nach rechts: Dieter, Dennis, Walter, André, André, Bernd, Dominik und Stefan

Sechs Mann und ihre Gäste schrauben in der 150 Quadratmeter großen Werkstatt, die aus insgesamt vier Räumen besteht: Walter, André, Stefan, Dominik, Dennis, André, Bernd und Dieter. Mit 69 Jahren ist Walter nicht nur der Stubenälteste, sondern auch gleichzeitig der Inhaber, der mit viel Disziplin und einem ausgeprägten Sinn für Ordnung dafür sorgt, dass der Laden rund läuft.

»Spätestens um 17.30 Uhr ist hier Schicht«

»Geschraubt wird in der Regel samstags. Ab elf Uhr können die Jungs loslegen, aber spätestens um 17.30 Uhr ist hier Schicht«, so Walter. Denn eine halbe Stunde später beginnt mit der Sportschau das samstägliche Pflichtprogramm, wird für eine kurze Zeit an etwas anderes gedacht als an Motorräder. Dabei hat Walter einen großen Vorteil, er wohnt nämlich nur einen Steinwurf von der Werkstatt entfernt, und wenn er mal Luft schnuppern oder in Ruhe seinen Gedanken nachhängen will, geht er einfach zu den Motorrädern. 

Die Küche mit Abhängecke und ganz wunderbarem Literaturangebot

Wo viele Menschen zusammenkommen, sind auch die unterschiedlichsten Fähigkeiten verteilt. »André gehört die Dreherei hier um die Ecke, Bernd kümmert sich um die Elektrik und Dennis ist unser Lackierer.« Walter selbst liebt alle Arbeiten rund ums  Blech und schweißt gerne. 

V-Max-Bude – Manchmal blitzt und funkt es auch

Die Zusammenarbeit funktioniert bestens. »Natürlich arbeitet jeder erst einmal an seinem eigenen Motorrad, schraubt für sich, doch letztlich dann auch wieder alle zusammen«, erklärt Walter den grundsätzlichen Ablauf. Manchmal blitzt und funkt es auch, nicht nur beim Schweißen oder Flexen.

Eine gute Ausstattung gibt auch eine gewisse Unabhängikeit und Freiheit. So macht die Truppe fast alles selbst

Auch zwischenmenschlich, wenn unterschiedliche Meinungen und Vorstellungen aufeinanderprallen. »Ja, ein gesunder Streit gehört dazu, das ist völlig normal. Aber niemals so, dass man samstags nicht mehr zusammen schrauben könnte.« Und so herrscht immer eine gute Grundstimmung, aus der heraus wunderbare Projekte entstehen. 

»Bis auf spezielle Sachen muss hier niemand etwas mitbringen«

Die Werkstatt ist gut ausgestattet, dafür sorgt Walter, der das Werkzeug anschafft. »Bis auf spezielle Sachen muss hier niemand etwas mitbringen. Es ist fast alles doppelt vorhanden, sodass wir auch gleichzeitig arbeiten können.« Nach Feierabend findet sich dann auch jedes Werkzeug an dem ihm zugewiesenen Platz. So verliert man nie den Überblick. Gleichzeitig gibt die gute Ausstattung der Gemeinschaft auch viele Freiheiten und eine gewisse Unabhängigkeit. »Ja, wir machen, bis auf wenige Dinge, fast alles selbst.« 

Die Männer sind längst nicht mehr auf Yamahas V-Max festgelegt. Auch an alten Harleys wird fleißig geschraubt, bevorzugt an guten alten Shovelheads

Einzig die ungewisse Zukunft der Werkstatt trübt ein wenig die Stimmung. Der Gebäudekomplex, in dem sich die Werkstatt befindet, soll mittelfristig abgerissen und in ein Baugebiet verwandelt werden. Für die Truppe wird es dennoch in jedem Fall weitergehen. Sie werden ihrer Leidenschaft dann eben an einem anderen Ort nachgehen.

Info |  vmax-bude.de