Artikel speichern

0

Susanne Weisheit gehört zur Hochseildynastie der Geschwister Weisheit. Für CUSTOMBIKE wirft sie einen Blick zurück und erinnert sich an die Fahrzeuge, die auf dem Seil eingesetzt wurden.

»Der Begründer der Hochseildynastie Weisheit war Friedrich Wilhelm Weisheit. Der selbst gelernte Büchsenmacher heiratete Maria Traber, die einer alten Artistenfamilie entstammte. Gemeinsam mit seinen fünf Söhnen reiste das Ehepaar Weisheit ab 1900 durch die Lande und bot dem Publikum Hochseilartistik, Clownerie und Musik dar. Einer der Söhne, Lorenz Weisheit, trennte sich 1930 von seinen Eltern und gründete mit seiner Frau Luise eine eigene Arenaschau. 1973 übernahm Rudolf Weisheit das Geschäft des Vaters und baute es zu eben dem Familienunternehmen, der Hochseiltruppe Geschwister Weisheit, auf, wie es heute besteht. Seit 2010 befindet es sich unter der Leitung der beiden Söhne Rudolfs, Peter Mario und André.

»Die NSU Max erwies sich als gänzlich ungeeignet auf dem Hochseil«

Die Idee mit einem Motorrad über ein Hochseil zu fahren hatten die Artisten bereits in der 1950er-Jahren. Schließlich ließ man 1960 im Stahl- und Walzwerk Riesa einen 30 Meter hohen Gittermast fertigen, über den Stahlseile gespannt werden konnten. Zwei Jahre später wagte man den ersten Versuch einer Fahrt auf dem Hochseil mit einer NSU Max, die sich leider als gänzlich ungeeignet erwies. Weitere zwei Jahre später erstand die Künstlerfamilie eine MZ 350 BK, eine der wenigen Maschinentypen mit einem Zweitakt-Boxermotor. Diese Maschine konnte den besonderen Ansprüchen des Hochseils gerecht werden und leistete viele Jahre treuen Dienst. Ab 1970 arbeitete das Ensemble bereits mit zwei Motorrädern auf zwei Seilen und ab 1977 mit drei Maschinen auf drei nebeneinander gespannten Stahlseilen. Man fuhr nun zusätzlich mit einer MZ ETS Trophy Sport und einer MZ TS 250.

Susanne Weisheit

Damit die Maschinen auf den schmalen Seilen überhaupt fahren können, müssen Lenkung und Federung stillgelegt werden und bei der Bereifung war zunächst Erfindergeist gefragt. Etliche Jahre benutzte man umgestülpte Mopedreifen, die an die Metallfelge geschraubt wurden. Diese hielten bestenfalls zehn Vorstellungen und mussten dann ausgetauscht werden. Um 1980 ließ man sich erstmals Vollgummireifen mit einer Rille als Führung herstellen, die immerhin ein Jahr hielten. Erst Anfang der 1990er gelang es dann der TEGU Walzen und Sleeves GmbH Reifen herzustellen, die auch nach mehrjähriger Nutzung kaum Verschleißerscheinungen aufwiesen.

Anfang der 90er wurden die Geschwister Weisheit von MZ gesponsert

Zu dieser Zeit wurden die Weisheits erstmals von MZ gesponsert. 1991 brachte man eine MZ 500 VR auf das Seil und 1992 zwei Maschinen des Typs MZ 251 VE. Die Schrägseile für die Maschinen wurden mittlerweile über einen teleskopierbaren, mobilen Gittermast von 40 Metern Höhe gespannt. Die Artisten arbeiteten schon damals in Höhen zwischen 26 und 40 Metern auf und unter den Motorrädern. Zehn Jahre später wechselte der Betrieb abermals die Fahrzeuge. Bis zum letzten Jahr arbeiteten die Geschwister Weisheit mit einer MZ RT 125 und zwei MZ 125 SM.

Ohne den Untermann würde das Motorrad schlichtweg umkippen

Um die Fahrzeuge in Waage zu halten, wird seit Beginn der Motorradartistik unter ihnen ein Künstlertrapez montiert. Dort muss sich während der Fahrt und der Kunststücke mindestens ein Artist befinden, um ausreichend Gegengewicht zu bieten. Ohne den Untermann würde das Motorrad schlichtweg umkippen. Vor dieser Herausforderung steht der Familienbetrieb auch in dieser Saison. In Zusammenarbeit mit dem KTM-Vertragshändler Motorradsport Jakobi Gotha wurden zuletzt zwei KTM 200 Duke umgebaut.«

Info | hochseil.de

 

 

Susanne Weisheit