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Den »Godfather of Graffiti« nennen sie ihn ehrfürchtig. Richard »Seen« Mirando ist die Ikone einer ganzen Kunstrichtung. Aber er ist auch einer der wichtigsten Förderer von Chopperkultur weltweit, investiert viel von seinem Geld in die Bewahrung der Customhistorie. Wir durften Seen bereits mehrmals treffen, jeder dieser Termine war eine Offenbarung an Wissen und Leidenschaft – wobei seine größte Motorradliebe einem Trike gehört.

»Ich habe es als Kind gesehen und ich habe es nie wieder vergessen. Es hat mich durch meine Jugend verfolgt, hat mich in mein Leben als Erwachsener begleitet. Ich weiß nicht warum, aber nichts hat mich so sehr fasziniert wie »Big Twin«, jenes Trike, das AEE-Besitzer Tom McMullen 1969 gebaut hat. Es hat meine Liebe zu Choppern begründet und diese Flamme bis heute am Brennen gehalten. Big Twin war meine erste und ist bis heute meine größte Liebe.

»Die Big Twin war zu einem kaputten Rosthaufen geworden«

Und dann endet dieses Unikat vor einigen Jahren auf eBay und keiner bietet auch nur einen Cent. Vermutlich weil es sich in einem erbärmlichen Zustand befand, vielleicht auch, weil keiner wusste, was hier angeboten wurde. Dieses Trike war zuvor durch so viele Hände gegangen, hatte 1970 den »Best of Show«-Pokal der Grand National Roadster Show gewonnen und war zu einem kaputten Rosthaufen geworden, den offensichtlich keiner restaurieren wollte, um den sich keiner mehr scherte.

Richard Mirando – »Es war mein Traum, meine Erfüllung«

Aber ich tat es, denn es war mein Traum, meine Erfüllung, das wusste ich. Ich hatte das eBay-Angebot erst spät gesehen, lange, nachdem es veröffentlicht worden war. Ich kontaktierte den Verkäufer, fragte, ob das Trike noch zum Verkauf stand. Sein »Ja« brachte mir Glücksgefühle wie kaum etwas anderes zuvor. Und trotzdem stand es nach dem Kauf ein Jahr lang bei mir rum, bevor ich schließlich bereit war, die schwere Aufgabe der Restaurierung anzugehen.

AEE-Trike mit zwei Sportster-Motoren

Es brauchte Zeit, viele Spezialisten und Unmengen an Geld, um es wieder instand zu setzen. Aber irgendwann war der Tag gekommen, an dem es fertig war – originalgetreu wie zu seiner Geburt vor fünfzig Jahren. Dieses fünfrädrige Gefährt rollt auf vier Indy-Reifen im Heck und einem 17-Zoll-Vorderrad. Es hat zwei Ironhead-Sportster-Motoren, die Seite an Seite und mit einem Ford-Getriebe arbeiten, getreu einem alten Zeichenkonzept aus dem AEE-Fundus. Es bietet Platz für drei Personen.

Richard Mirando – »Zu viel Geschichte, um es loszulassen«

Ich habe mich über die Jahre von einigen Motorrädern, die ich besaß, wieder getrennt. Aber dieses hat zu viel Geschichte, um es loszulassen. Ich entschied mich dafür, es zu behalten. Und ich habe es noch einmal der Öffentlichkeit gezeigt, auf der Grand National Roadster Show, wo seine Erfolgsgeschichte einst begann, exakt fünfzig Jahre später. Nach dieser Show wird Big Twin nie wieder zu sehen sein. Es wird an einen unbekannten Ort gebracht werden, wo es neben dem Corvair-Trike von 1968 verbleiben wird. Diese zwei Motorräder sind, soweit heute bekannt ist, die zwei letzten existierenden Stücke aus der ruhmreichen Choppergeschichte von AEE.«