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Christopher Sass ist in Hockenheim aufgewachsen und hat seit seiner frühsten Kindheit die Rennluft am Hockenheimring geschnuppert. So kam es, dass er 2001 aktiver Motorsportler auf dem Motorrad im Straßensport wurde. Von 125 ccm im ADAC Junior Cup, 600 ccm im YAMAHA R6 Cup bis hin zu 1000 ccm Motorrädern war und ist er im Straßensport bis heute aktiv und trainiert auch gelegentlich auf Motocross- und SuperMoto-Motorrädern.

Neben seiner aktiven Rennfahrerkarriere war er hauptberuflich als Mitarbeiter des DMSB im Bereich Motorradsport und Veranstaltungen tätig. Heute arbeitet er für den Deutschen Motorsport Bund und ist dort für die Leitung des Motorsports und der Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Auch begleitet er seit einigen Jahren das Amt des Pressereferenten im Badischen Motorsport Club am Hockenheimring und ist als Team-Manager beim Team Nitrohunter tätig.

Christopher, wann hast du die Motorradszene für dich entdeckt und wie lange fährst du schon Motorrad?
Das ging quasi von heute auf morgen, wie Liebe auf den ersten Blick. Eigentlich haben mich meine Eltern schon fast überredet den A1-Motorradführerschein zu machen, um für mich nicht mehr das Taxi spielen zu müssen. Schon in der ersten Fahrstunde auf dem Motorrad habe ich gemerkt, das ist es. Das war vor achtzehn Jahren.

Christopher Sass – »Beim Motorradfahren finde ich zu mir selbst«

Was bedeutet dir das Motorrad allgemein?
Auch wenn es jetzt sehr kitschig klingt, aber beim Motorradfahren finde ich zu mir selbst. Das ganze Leben im Alltag wirkt manchmal wie in Watte gehüllt. Beim Motorradfahren spüre ich meinen Körper und alles andere sehr intensiv, also ohne den Schleier um mich herum – ich fühle mich lebendig. Daher wird es immer einen großen Teil meines Lebens ausmachen. 

Du warst selbst aktiver Motorradsportler. Welche Serie bist du gefahren?
Motorradrennen bin ich dann natürlich auch gefahren, habe etwa vor achtzehn Jahren damit angefangen. In der IG-Königsklasse, Pro-Junior und dem ADAC-Junior-Cup sowie im Seriensport. Dann noch den Rundstreckenpokal, die 1000-Kilometer von Hockenheim, die 300-Meilen von Hockenheim, den Yamaha-R6-Dunlop-Cup sowie viele weitere kleinere Rennen und Renntrainings. 

Ich möchte sehr gerne wieder Rennen fahren

Möchtest du irgendwann wieder aktiv Rennen fahren?
Auf jeden Fall möchte ich sehr gerne wieder Rennen fahren. Hauptsächlich kleinere Rennen, und falls ich wieder mehr Zeit haben sollte, dann nochmal den R6-Cup – wenn es ihn bis dahin noch gibt. 

Warum hat die Motorradsportszene in Deutschland keine Lobby und wird mehr oder weniger als Randsportart wahrgenommen?
Leider ist der Motorsport im Allgemeinen auf dem Weg, eine Randsportart zu werden. Hierbei sind meiner Meinung nach Unternehmen aus Wirtschaft, Industrie und Handel mit ihrer Einstellung zu Themen wie Umweltfreundlichkeit und Ökologie mitverantwortlich. Was ich damit meine ist, dass viele Unternehmen die Rennteams nicht mehr unterstützen, weil sie um ihr »Grünes Image« besorgt sind, vor allem bei ihren Kunden, den Medien oder ihren Anlegern.

Obwohl ich absolut gegen das Rauchen bin, war es meiner Ansicht nach auch ein Fehler, die Zigarettenindustrie als Sponsor und Partner zu verbieten, da diese früher sehr viel in den Motor- und Rennsport investiert hatte. Auf der anderen Seite darf aber die Alkoholindustrie weiter als Sponsor auftreten, sogar in der Formel 1. Bei all dem wird gerne vergessen, dass der Technologietransfer vom Motorsport zum Serienfahrzeug auch durch die Rennteams mit ihren Rennfahrerinnen und Rennfahrern, die technische Entwicklungen im Motorsport zuerst erproben und testen, geleistet wurde. Ein anderes Problem ist, dass sich der Motorsport noch stärker als früher zu einer Spielwiese für die »Reichen und Schönen« entwickelt hat. Der Rennsport war, hauptsächlich in Bezug auf den Zuschauer, schon immer Volkssport. Wenn ich an Rennen denke, dann habe ich das berühmte Bild von Kenny Roberts vor Augen, der, bei einem Motorrad-WM-Lauf, im Freien schlafend auf dem Boden liegt, den Kopf an Teile angelehnt, während die Mechaniker in unmittelbarer Nähe zu den Fans das Motorrad warten. Das ist Motorsport zum Anfassen, so war es einmal und so sollte es wieder sein. 

Christopher Sass – Rennsport hautnah miterleben

Heute spricht jeder von Reichweite in Bezug auf Marketing und Werbung. Das bedeutet, so viele Menschen wie möglich zu erreichen. Doch wenn zum Beispiel eine Familie für eine populäre Rennsportveranstaltung wie die Formel 1 fast ein Monatsgehalt für Eintrittskarten hinblättern muss, Fahrer und Teams nur noch abgeschirmt werden und die Fans ihre Idole nur noch aus der Ferne betrachten können, dann wundert mich der Zuschauerschwund ehrlich gesagt nicht. Damit bleiben aber auch Sponsoren fern und es setzt sich eine Abwärtsspirale in Gang, die den Motorsport irgendwann zur Randsportart werden lässt.

Was sollte sich deiner Meinung nach ändern?
Die Preise für Karten müssen runter und die Rennserien sollten sich dringend wieder den Fans öffnen, anstatt auf V.I.P.- Zonen und gesperrte Boxengassen sowie Fahrerlager zu setzen. Wenn dann nämlich statt 5000 Fans wieder 50000 auf den Tribünen sitzen, wird es für potenzielle Sponsoren wieder interessant, ihre Banner aufzuhängen und Werbung in jeglicher Form zu betreiben. Ein gutes Beispiel sind Veranstaltungen wie die NitrOlympX, das Jim-Clark-Revival oder das American-Fan-Fest, die allesamt auf dem Hockenheimring stattfinden. Sie zeichnen sich durch faire Ticketpreise aus und sind vor allem für den Fan offen, der so den Rennsport hautnah miterleben kann. Natürlich ist das unterm Strich alles einfacher gesagt als getan, doch die richtigen Ansätze wären hier extrem wichtig. 

Motorsport ist wie dein Lieblingslied

Wie siehst du die Motorradsportszene? Wohin gehen die Trends?
Manchmal spüre ich, dass der Trend wieder zum guten alten Motorsport für alle zurückkehrt. Aber alles im Wandel und neue Medien und neue technische Möglichkeiten kommen hinzu. In der Formel E zum Beispiel kann der Fan per App in das Renngeschehen eingreifen, indem er für den Fahrer des Tages abstimmt, der dadurch einen Extra-Boost erhält. In der Zukunft wird das Thema Elektromobilität stärker werden, der Motorensound mit der Zeit leider verschwinden. Ich befürchte, die Generationen nach uns werden es nicht mehr kennen, wie es ist, wenn das Starterfeld an einem vorbeisaust und der ganze Körper vibriert. Um es zum Schluss mit meinen Worten zu sagen: Motorsport ist wie dein Lieblingslied. Obwohl Musik auch leise gut klingt kann, deinen Lieblingssong drehst du immer bis zum Anschlag auf.

Wie bist du zur Dragbike-Racing-Szene gekommen und welche Funktion hast du im Team NitroHunter?
Vor einiger Zeit habe ich bei einer Motorradhelmfirma gearbeitet und war dort unter anderem für den Bereich Motorsport und Sponsoring verantwortlich. Über eine Bekannte wurde mir Christian Jäger mit seinem Dragbike-Super-Twin-Top-Fuel-Team vorgestellt. Ich habe Christian dann auch gleich selbst gesponsert. Nach und nach hat sich daraus eine Freundschaft entwickelt und wir gründeten das neue Team »NitroHunter«, bei dem ich die Aufgabe des Team-Managers erfülle. Es ist alles andere als leicht, ein neues Team aufzubauen, doch mit den engagierten Mädels und Jungs im Team, die tolle Arbeit leisten, plus dem Talent von Christian Jäger, blicke ich optimistisch in die Zukunft des Teams. 

Info | nitrohunter.com

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