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Drei Fotografen, ihre Ausrüstungen und ein Fotostudio im Partyzelt einer Szene-Veranstaltung sind verantwortlich für ein Projekt, das Petrolhead People ohne Filter portraitiert.

Wir leben – und das müssen wir uns zähneknirschend eingestehen – in der Zeit des Social-Media-Wahnsinns. Facebook, Instagram, Twitter und Co. regieren die Welt. An einem einzigen Tag bekommen wir in unseren Newsfeeds mehr Fotos vorgesetzt, als Oma Else ihr ganzes Leben lang gesehen hat. Das Paradoxe daran ist, dass sich der Umgang mit Fotografie dadurch nicht zum Besseren entwickelt hat.

Momentaufnahmen – Petrolhead People

Egal ob auf Veranstaltungen, in der Werkstatt, am Familien-Kaffeetisch oder auf der Straße, es ist immer gleich: Findet sich eine Gruppe Menschen, glotzt die Hälfte davon in ihr kleines Fenster zur Welt und vergisst dabei gänzlich das Rundherum und damit auch den Anstand.

Katharina, Chefredakteurin der CUSTOMBIKE (links). Malte betreibt mit seinem Partner den Motorrad- und Customshop »Speedmonsters« in Kiel. Nur zusammen sind wir alle stark

Früher haben wir mit unseren Schrauberkollegen bei einem Bier auf das eben Zusammengebastelte angestoßen. Heute zücken wir erstmal die Telefone, um der Welt da draußen zu zeigen, was wir Tolles geschaffen haben, noch bevor der Lenker richtig festgeschraubt oder der Lack getrocknet ist.

Ein Instagram-Filter macht noch lange kein gutes Bild

Gerade für ernsthafte Fotografen ist diese Entwicklung gelinde gesagt zum Kotzen, denn ein Instagram-Filter macht eben noch lange kein gutes Bild. Dass genau diese Fotografen genauso im Social-Media-Hamsterrad feststecken, macht die Sache nicht besser.

Benjamin Grna

Es waren genau diese Gründe, die drei dieser Fotomenschen zusammenbrachten: »Wir haben es verlernt, unserem Gegenüber ins Gesicht zu schauen«, erzählt Benjamin Grna, »das wollten wir einmal anders machen und den jeweiligen Moment festhalten.«

Petrolhead People auf der Kustom Kulture

Gemeinsam mit den Fotografen Anna Gala und Danny Otto schaute er den Leuten ganz genau in die Augen, gänzlich ohne »Gefällt mir«-Button. Als Kulisse diente ein mobiles Fotostudio inmitten des Trubels der Kustom Kulture, des größten HotRod-und Customtreffens in Europa.

Anna Gala

Die Protagonisten waren Customizer, Besucher, Müllmänner, Motorräder, Rocker und Partymenschen. Fotografiert wurde in Schwarz-Weiß. Ohne Filter. Ohne Bearbeitung. Eine kleine Auswahl dieser Momentaufnahmen zeigen wir hier.

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.