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Wenn eine Teilebezeichnung immer wieder in unseren Artikeln und Datenblättern auftaucht, dann ist es BATES. Wer und was dahinter steckt? Lest hier die Geschichte über einen Pionier des Motorradzubehörhandels.

Motorräder ordnen wir heute in Kategorien: Cruiser, Chopper, Racer, Scrambler, Tourer … und irgendwann kam dann sogar noch eine Schublade für das Naked Bike hinzu. Als Robert »Bob« Owens Bates anfing, sich mit Motorrädern abzugeben, hätte niemand mit den Begriffen etwas anzufangen gewusst. Sie waren schlicht noch nicht erfunden, denn alle Motorräder wurden ab Werk »nackt« ausgeliefert!

Robert Bates war einer der ersten Zubehör-Spezialisten

Hinzu kam, dass es nur wenig Zubehör von den Motorradherstellern gab, um sie für den persönlichen Gebrauch passend zu machen. Wer sein Bike also für einen bestimmten Zweck individualisieren wollte, musste das selbst tun. Und für die Herstellung und den Anbau spezieller Teile waren eben Spezialisten gefragt, wie beispielsweise Bob Bates. 

Bates Head Light: Das wohl bekannteste Teil aus dem Bates-Teilekatalog dürfte die prägnante Vorderlampe sein, die es sowohl mit seitlichem Haltegewinde als auch mit unterer Befestigung gab. Passend dazu die Halterungen, um sie an den Gabeln anschrauben zu können; heute sind das rare Sammlerstücke

Bates begann 1939 für die Motorroller der Marke Powell die Service- und Garantiearbeiten zu übernehmen und er fertigte auf Kundenwunsch speziell auf diese Roller passende Windschutzschilde. Wir kennen den Namen Bates zwar heute überwiegend im Zusammenhang mit Zubehör wie Scheinwerfern, Solosätteln und Soziussitzen, doch davon war Bob Bates 1940 noch weit entfernt.

Robert Bates – Neustart aus der eigenen Garage

Zunächst zwang ihn der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und der damit verbundene Mangel an Rohstoffen und Teilen sogar, sein gerade vergrößertes Geschäft wieder zu schließen. Er selbst musste sich Arbeit suchen und fand sie bei Lockheed Aircraft. Sein eigenes Unternehmen begann er – reduziert und aus der Garage heraus – in der Freizeit und an Wochenenden neu aufzubauen.

Perfect fit: Passend zu den Solosätteln, war auch der Pillion Seat in zehn Farben ohne Aufpreis erhältlich. Tuck-’n-Roll Steppung und ganz heiße Farben wie Hot Pink, Competition Orange und Go Go Green waren etwas teurer

Jetzt lag sein Focus allerdings auf der Herstellung von Windschutzschilden. 1945 gab es erste Bates-Werbeprospekte, ab 1947 hatte er Gepäckträger und Bates-Schilde auch passend für die Indian-Modelle im Angebot. Zunehmend wurde dieses Sortiment erweitert. Auch durch modische Accessoires wie Chromstoßstangen für vordere und hintere Schutzbleche.

Nach dem Krieg entwickelte er auch Teile für Harleys und Brit-Bikes

Er entwickelte ähnliche Teile, wie er es schon für die Powell-Roller getan hatte, für andere US-Roller wie Moto Scoot, Salsbury und Cushman, dann für die kleinen Wizzard-Leichtmotorräder und letztendlich auch für Harley-Davidson und für britische Modelle. 1948 füllte er damit einen 14-seitigen Katalog. Und ja, Bates bewarb darin jetzt auch seine eigene Serie von handgefertigten Sätteln und Soziussitzen. 

Herausragend: Bates-Sitze und -Sättel waren in Form und Farbe anders als die der Mitbewerber. Exzellente Polster und Bezugstoffe, speziell vorgeformte Schaumstoffe und Unterbauten sowie verschiedene Größen für Fahrer und Sozius zeichneten Bates-Produkte aus. Der Gründer der Firma, Bob Bates, wurde nur 57 Jahre alt. Bates Sohn gab das Unternehmen an Bob Rudolph weiter, der Farbe ins Spiel brachte. Dana und Dawn sind heute Bates Leathers

Seine Präsenz auf lokalen Rennveranstaltungen, wo er beispielsweise auch medizinische Erstversorgung für verunglückte Fahrer anbot, zeigte ihm, dass dem Bedarf an entsprechender Schutzkleidung kaum Rechnung getragen wurde. So hielt Lederkleidung genauso Einzug in seine Angebotsliste wie zugekauftes Zubehör; was den Bates-Katalog zunehmend dicker machte.

Robert Bates bediente jetzt auch die aufkeimende Chopperszene

Doch nicht nur Tourenfahrer nutzten die Verfügbarkeit von »Off the shelf«-Parts wie Fußrasten, Lenker, Lampenhalterungen, Gepäckträger und Satteltaschen, die universell verwendbar oder auch passend für diverse Modelle angeboten wurden. Bates bediente die Straßen- und Geländesportfraktion genauso wie die aufkeimende Chopperszene, bei der etwa die verchromten Bates-Lampen die Renner in den Bestelllisten waren.

Nur 55 Quadratmeter hatte die Garage, in der Robert Owens Bates seine Firma im Jahr 1939 gründete

Der Name Bates stand mittlerweile für qualitativ hochwertiges Zubehör. Da spielte es keine Rolle, dass beispielsweise die Bates-Lampen eigentlich vom Hersteller KD kamen (zu identifizieren durch das eingeprägte KD, eine Artikelnummer, den SAE-Stempel, sowie eine rote Ladekontrollleuchte) und sie in Los Angeles nur noch einen ovalen Bates-Aufkleber erhielten. Diesen heute so begehrten Bates-Aufkleber haben die Chopperbastler damals fast alle entfernt, wie sie auch die Labels an ihren Levis-Jeans und »Cut off«-Levis-Jacken entfernten. 

Ende der fünfziger Jahre entstand »Bates Industries«

Schon Ende der fünfziger Jahre war Bates an Bob Rudolph verkauft worden, der die Firma von »Bates Manufacturing, Inc.« in »Bates Industries« umbenannte. Rudolph trieb die Herstellung von Lederkleidung weiter voran und war – in einer Zeit, in der alle Motorradkleidung schwarz war – für die Einführung farbiger Jacken und Hosen verantwortlich. 

Bob Bates dagegen wird heute von den Amerikanern als DER Pionier für Motorradzubehör gehandelt. Bates war – zusammen mit anderen US-Kataloganbietern wie Beck, Buco oder Webco –  auf jeden Fall Wegbereiter für spätere Versandhäuser wie AEE, die sich dann gezielter den Belangen der Custombiker und Chopperbauer annahmen.

Harley bediente seine Kunden längst selbst mit Tourenzubehör

Genauso hatten sich andere Firmen sukzessive die Märkte für Straßensportler und Geländemaschinen erobert. Ausländische Hersteller hatten für die USA schon seit den sechziger Jahren voll ausgestattete Geländesportmodelle im Programm. Harley-Davidson bediente seine Kunden längst selbst mit optional erhältlichem Tourenzubehör und brachte Anfang der siebziger Jahre mit der Superglide sein erstes Factory-Custom auf den Markt.

Die Bubble-Shields sind zuletzt wieder ziemlich angesagt

BMW hatte die ersten Typen mit serienmäßig angebrachten Halbschalen- und Vollverkleidungen, Japaner rüsteten Modelle mit Gussrädern in Serie aus. Der Markt hatte sich zunehmend verändert und Bates reagierte durch Umorientierung auf das Ledergeschäft. Heute ist »Bates Leathers« in den Händen der Geschwister Grindle. 

Qualität zu liefern ist erste Priorität geblieben

An vorderster Reihe kämpfen Dana, die zuvor eine Polsterei betrieben hatte, in der Herstellung und Dawn in der Buchhaltung. Lori und Lance agieren als Teilhaber. Qualität zu liefern ist erste Priorität geblieben, die Tradition zu wahren eine Pflicht. So werden nach wie vor Maßanfertigungen und kundenspezifische Designs in Leder verwirklicht, aber wo es angebracht und gewünscht ist, kommen modernste, atmungsaktive Materialien, Stretchkevlar und Protektoren zum Einsatz.

Später produzierte Bates auch Lenker …

Und weil Hollywood gerade um die Ecke ist, nutzen viele Größen des Filmgeschäfts die Bates-Fähigkeiten für Spezialanfertigungen. Der Hype um klassische alte Bates-Motorradteile, für die heute Unsummen bezahlt werden, hat die Geschwister nicht richtig erreicht. Erst nach einigem Zögern stellten die Grindles wieder die typischen Bates-Sättel und Sozius-Sitzbrötchen, die Bates-Pillion-Pads, in diversen Größen her: Auf Kundenwunsch glatt oder mit entsprechenden Steppnähten und Farben.

Die Suche nach einem Bates-Scheinwerfer endet in Deutschland

Entgegen den Artikeln vieler Mitbewerber, die mit »Bates-Style« werben und in Billigländern fertigen lassen, wird in der Industry Avenue im kalifornischen Lakewood nur handgefertigt. Und eben nur so entsteht ein originales »Bates-Leathers«-Produkt. Die Firma findet ihr im Netz unter »batesleathers.com«. Wer nur »bates saddles« eingibt, wird dagegen auf eine Pferdesattel-Internetpräsenz stoßen. Und bei der Suche nach einem klassischen Bates-Scheinwerfergehäuse kann die Suche bei dem deutschen Kataloganbieter W&W enden.

… und sogar Auspuffanlagen

Ganz klar, hier findet sich das stilechte Zubehör für Bobber und Chopper. Aber auch noch eine Reihe anderer Produkte, die unter dem Label »Bates« angeboten werden. Auf unsere Anfrage gibt Wolfgang Schmidt aus der Geschäftsleitung die Antwort: »Registriert haben wir den Namen 2013 für eine Serie von Teilen, die wir selbst produzieren.«

 

Horst Heiler
Freier Mitarbeiter bei CUSTOMBIKE Magazin

Jahrgang 1957, ist nach eigenen Angaben ein vom Easy-Rider-Film angestoßener Choppaholic. Er bezeichnet sich als nichtkommerziellen Customizer und Restaurator, ist Mitbegründer eines Odtimer-Clubs sowie Freund und Fahrer großer NSU-Einzylindermotorräder, gerne auch gechoppter. Als Veranstalter zeichnete er verantwortlich für das »Special Bike Meetings« (1980er Jahre) und die Ausstellung »Custom and Classic Motoräder« in St. Leon-Rot (1990er Jahre). Darüber hinaus war er Aushängeschild des Treffens »Custom and Classic Fest«, zunächst in Kirrlach, seit 2004 in Huttenheim. Horst Heiler ist freier Mitarbeiter des Huber Verlags und war schon für die Redaktion der CUSTOMBIKE tätig, als das Magazin noch »BIKERS live!« hieß. Seine bevorzugten Fachgebiete sind Technik und die Custom-Historie. Zudem ist er Buchautor von »Custom-Harley selbst gebaut«, das bei Motorbuch Stuttgart erschienen ist, und vom Szene-Standardwerk »Save The Choppers!«, aufgelegt vom Huber Verlag Mannheim.